Gastronomie:Ein "herber Schlag" für die Gastrobranche

Gastronomie: Dominik Vettori vom Café Zimtstern bietet einen Mittagstisch an. Wegen der Mehrwertsteuererhöhung ab Januar muss er bei seinen Preisen nachkalkulieren.

Dominik Vettori vom Café Zimtstern bietet einen Mittagstisch an. Wegen der Mehrwertsteuererhöhung ab Januar muss er bei seinen Preisen nachkalkulieren.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants und Cafés wird ab Januar erhöht. Welche Konsequenzen Wirte aus dem Landkreis Dachau ziehen und warum einige Lokalschließungen befürchten.

Von Anna Schwarz, Dachau

Etwa 1,50 Euro mehr wird das Schnitzel mit Pommes im Dachauer Café Zimtstern kosten, wenn die Mehrwertsteuer auf Speisen ab Januar von sieben zurück auf 19 Prozent steigt. Bislang stand das Schnitzel mit 13,50 Euro auf der Mittagskarte, bald werden es 14,90 sein. Wirt Dominik Vettori wird die steuerlichen Mehrkosten zum Großteil an seine Kunden weitergeben, sagt er. Auch beim Huberwirt in Wiedenzhausen wird das Metzgerschnitzel vom Schweinerücken mit Pommes und Salat statt wie bisher 15,80 Euro dann 16,50 Euro kosten. Etwa einen Euro mehr werde jedes Gericht kosten, wenn die Mehrwertsteuer angehoben wird, sagt Wirt und Metzger Werner Braun.

Die Entscheidung der Ampel-Koalition, die Steuer auf Speisen in Restaurants und Cafés ab 2024 wieder zu erhöhen, sieht er als "schlimmes Signal in der heutigen Zeit". Denn viele seiner Kollegen werden bei den Preisen anziehen müssen, so Braun, der nicht nur Gastronom, sondern auch stellvertretender Vorsitzender des Dachauer Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist. Braun vermutet: "Die Leute werden weniger essen gehen", vielleicht nur noch drei- statt viermal im Monat. Einigen Betrieben könnte das hart zusetzen, er befürchtet sogar, dass kleinere Lokale im Landkreis Dachau dichtmachen müssen.

Auf der Mittagskarte werden mehr Gerichte mit Innereien stehen

Ursprünglich wurde der Steuersatz auf sieben Prozent gesenkt, um die Gastronomie während der Corona-Krise zu entlasten. Wegen der Energiekrise wurde die Regelung mehrmals verlängert, zuletzt bis Ende dieses Jahres. Doch mit der Steuersenkung sind auch fehlende Haushaltseinnahmen verbunden: Etwa 3,3 Milliarden Euro jährlich nimmt der Staat derzeit weniger ein, heißt es in einem Gesetzesentwurf für den Bundestag.

Wirt Werner Braun hat zwar Verständnis dafür, dass diese Einnahmen fehlen. Doch er hätte es besser gefunden, wenn die Regierung zum Beispiel mehr bei den Klimaschutzmaßnahmen eingespart hätte. Zwar sei das Thema Klima in Hinblick auf die nachfolgende Generation wichtig, sagt Braun: "Aber man kann das nicht mit der Brechstange durchsetzen." Er findet es schade, dass nun wieder der Endverbraucher das Nachsehen hat. Trotzdem werde er versuchen, weiter günstige Gerichte anzubieten, indem er möglichst viel vom Tier verarbeitet, nach dem Motto "from nose to tail", was übersetzt so viel wie von der Nase bis zum Schwanz bedeutet. Auf seiner Mittagskarte könnten dann mehr Gerichte mit Innereien stehen, etwa Saure Leber, Rinderzunge oder Speisen, wie sie schon vor hundert Jahren gekocht wurden: etwa Pichlsteiner, ein Eintopf mit Fleisch und Gemüse.

Ein "herber Schlag" für die Branche

Die Mehrwertsteuererhöhung sei ein "herber Schlag" für die Branche in ohnehin schwierigen Zeiten, sagt auch Ludwig Rettinger. Schließlich seien die Herausforderungen für Gastronomen groß: Sie müssten gestiegene Lebensmittel-, Energie- sowie Zuliefererpreise schultern und auch die Brauereien hätten schon angekündigt, ihre Preise zu erhöhen, so der Wirt des Dachauer Hotels und der Tafernwirtschaft Zum Fischer. Hinzu kommt, dass der Mindestlohn ab kommenden Jahr von zwölf auf 12,41 Euro steigt. Nach dem Weihnachtsgeschäft wird sich Rettinger hinsetzen müssen, um bei seinen Preisen nachzukalkulieren.

Bislang habe er gehofft, dass die Steuererhöhung doch nicht komme oder ein Kompromiss gefunden werde, also der Mehrwertsteuersatz irgendwo zwischen sieben und 19 Prozent festgesetzt werde: "Das hätte beiden Seiten geholfen", sagt Rettinger, der im Sommer erstmals auch das große Festzelt auf dem Dachauer Volksfest bewirten wird.

Gastronomie: Ludwig Rettinger (rechts) von der Tafernwirtschaft Zum Fischer hätte sich gewünscht, dass der Mehrwertsteuersatz irgendwo zwischen sieben und 19 Prozent festgesetzt wird.

Ludwig Rettinger (rechts) von der Tafernwirtschaft Zum Fischer hätte sich gewünscht, dass der Mehrwertsteuersatz irgendwo zwischen sieben und 19 Prozent festgesetzt wird.

(Foto: Niels P. Jørgensen)
Gastronomie: Im Fine Dining-Restaurant "Mind" in Markt Indersdorf kostet ein Menü derzeit 120 Euro, auch hier werde man den Preis nach der Steuererhöhung hochschrauben müssen.

Im Fine Dining-Restaurant "Mind" in Markt Indersdorf kostet ein Menü derzeit 120 Euro, auch hier werde man den Preis nach der Steuererhöhung hochschrauben müssen.

(Foto: Melanie Bauer/mb-photodesign)
Gastronomie: Wirt Werner Braun hätte es besser gefunden, wenn die Regierung zum Beispiel mehr bei den Klimaschutzmaßnahmen eingespart hätte.

Wirt Werner Braun hätte es besser gefunden, wenn die Regierung zum Beispiel mehr bei den Klimaschutzmaßnahmen eingespart hätte.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Er befürchtet, dass die Leute ab Januar tendenziell ein- bis zweimal weniger im Monat essen gehen, wenn die Preise steigen: "Das ist leichter, als auf Urlaub zu verzichten." Im Moment merke er aber nicht, dass seine Gäste inflationsbedingt beim Restaurantbesuch sparen: "Nach Corona haben die Leute einfach Lust, wegzugehen und sich zu treffen."

Auch Thomas Duschl, der Inhaber des Thai-Restaurants Sukhothai in der Dachauer Altstadt, wird seine Essenspreise erhöhen. Etwa um 20 Prozent, wie er sagt. Grund dafür ist nicht nur die Mehrwertsteuererhöhung, sondern sind auch die gestiegenen Nebenkosten für sein Lokal. In diesem Jahr musste Duschl eigenen Angaben zufolge rund 6500 Euro nachzahlen, weil die Kosten für Energie, Hausmeisterservice und Schornsteinfeger deutlich erhöht wurden. Duschl hat bereits nachgerechnet: Ab Januar wird ein Hauptgericht im Sukhothai statt 17,90 Euro 21,50 Euro kosten. Der Wirt befürchtet: "Es wird ein paar Leute geben, die sich das nicht mehr leisten können."

Steuererhöhung sei ein "Faustschlag" für die Gastronomen

Ein Acht-Gänge-Menü im Fine Dining-Restaurant Mind in Markt Indersdorf kostet derzeit 120 Euro, auch hier werde man den Preis nach der Steuererhöhung hochschrauben, sagt Annemarie Fenzl, die als Buchhalterin im Betrieb ihrer Tochter arbeitet: "Da werden wir wohl nicht drumherum kommen, wir werden Wege finden müssen." Allerdings hofft sie, dass das Klientel, das sich so einen exklusiven Abend leiste, es auch weiterhin tue. Schließlich koste so ein Menü in München etwa das Doppelte, so Fenzl.

Insgesamt sei die Steuererhöhung aber ein "Faustschlag" für die Gastronomen, die zum Teil noch ihre Überbrückungshilfen aus der Corona-Zeit zurückzahlen müssen, sagt Fenzl. Sie geht davon aus, dass vor allem Lokale zu kämpfen haben werden, die bei Arbeitern und Familien beliebt sind, schließlich sitze da das Geld nicht so locker.

Bestellt wird schon jetzt häufig, was am günstigsten ist

Anders als einige seiner Gastrokollegen aus dem Landkreis geht Wirt Dominik Vettori davon aus, dass sich die meisten Menschen weiterhin einen Café- oder Restaurantbesuch gönnen: "Ich bleibe da ganz entspannt, in der Gastronomie haben wir schon ganz andere Zeiten erlebt", sagt er und schaut etwa auf die Pandemiejahre zurück, als Restaurants monatelang geschlossen blieben. Nach der Mehrwertsteuererhöhung geht Vettori davon aus, dass es möglicherweise drei bis vier Monate eine kleine Flaute in der Gastro geben könnte. Aber danach werden die Leute wieder zurückkommen, ist er überzeugt.

Allgemein sehe er zwar ein, dass das Steuerloch von rund 3,3 Milliarden "ein erheblicher Betrag" sei, sagt Vettori. Trotzdem hätte er sich als Gastronom gewünscht, dass die Regierung an anderen Stellen spart. Schließlich zwingen sich einige seiner Gäste ohnehin schon zum Sparen, wegen der Inflation und der Löhne, die nicht angepasst werden, sagt Vettori. Vor allem seit vergangenem Frühjahr beobachtet er, dass Besucherinnen und Besucher nur einen Kaffee trinken und dann auf ein Zweit- oder Drittgetränk verzichten. "Es wird verhaltener konsumiert", sagt der Wirt: "Vor allem Schnitzel oder Kuchen werden zu zweit geteilt." Von seiner Mittagskarte werden am häufigsten Suppen und Pastagerichte bestellt, die am günstigsten sind.

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