Süddeutsche Zeitung

Dachau/Fürstenfeldbruck:Gemischte Doppel

Unter den 116 bayerischen Bundestagskandidaten sind in der neuen Legislaturperiode zwei aus dem Wahlkreis

Von Erich C. Setzwein, Dachau/Fürstenfeldbruck

Vielleicht ist man ja in Sulzemoos so vernarrt in Katrin Staffler, weil sie Bürgermeister Johannes Kneidl bei seinen Ideen für neue Mobilitätsformen unterstützt. Eine Seilbahn entlang der Autobahn nach München, das wäre schon was, und diesem schönen Projekt kann auch Andreas Scheuer etwas abgewinnen. Jedenfalls haben die Sulzemooser ein Herz für #bundeskatrin gezeigt und sie großzügig mit ihren Stimmen bedacht. 51,5 Prozent lautet ihr Ergebnis in der 3000-Einwohner-Gemeinde und damit ihr bestes im ganzen Wahlkreis. Gleich gegenüber im Landkreis Fürstenfeldbruck liegt Maisach, in der die 39 Jahre alte CSU-Kandidatin mit 38,6 Prozent der Wählerstimmen bekommen hat. Fast exakt ihr Endergebnis an Erststimmen bildet Althegnenberg ab, wo Staffler mit 38,03 Prozent bedacht wurde.

39 Gemeinden hat der Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck, den Katrin Staffler als Inhaberin des Direktmandats seit vier Jahren vertreten darf. Jetzt darf sie weitere vier Jahre nach Berlin fahren und wird dort ihren Mitbewerber Michael Schrodi von der SPD treffen, der über die bayerische Landesliste wieder in den Bundestag einzieht. In Sulzemoos gaben sie ihm 12,3 Prozent, sein Endergebnis von 19,25 Prozent bildet am besten die Gemeinde Grafrath ab, in der er 19,5 Prozent erhielt. Dort hatte Beate Walter-Rosenheimer ihr Spitzenergebnis mit 21,05 Prozent. Im Wahlkreis wurde sie mit 13,3 Prozent abgespeist. Zu wenig Prozente und zu schlecht ist ihr Listenplatz, um weiter engagiert Bundespolitik machen zu können.

Die Zahlen vom Sonntag sollten vor allem der CSU im Wahlkreis deutlich machen, dass sie sich nicht mehr als Volkspartei sehen und daraus einen Führungsanspruch ableiten kann. Die SPD hat in den beiden Landkreisen ein insgesamt ordentliches Ergebnis erzielt, die Grünen sind deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Gerade in den urbaner werdenden Kommunen, wo die freitags demonstrierenden Schülerinnen und Schüler auch irgendwie ihre Eltern mit dem Klimakrisenvirus infiziert haben müssten, wäre mehr drin gewesen. Beate Walter Rosenheimer hat zwar stimmenmäßig deutlich zugelegt, aber ist wie schon bei der Wahl vor vier Jahren hinter dem Ergebnis ihrer Partei geblieben. Nur kurz währte die Bundestagskarriere des Olchinger AfD-Abgeordneten Florian Jäger, der die vergangenen vier Jahre einem AfD-Abgeordneten aus Augsburg im Wahlkreisbüro diente und im Juli dieses Jahres für den verstorbenen Martin Hebner nachrückte. Da muss für ihn schon klar gewesen sein, dass er den Platz nicht verteidigen würde können, weil er als Direktkandidat wenig und ohne einen Listenplatz gar keine Chancen hatte. Jäger und seine Partei verloren deutlich, auch weil es die Pandemie-Leugner eher zur "Basis" und die Impfgegner und CSU-Renegaten zu den Freien Wählern zog.

Die FDP konnte sich mit ihrem Universalkandidaten Ulrich Bode um jeweils einen Prozentpunkt verbessern und zumindest im Zweitstimmenergebnis von 11,6 Prozent wieder zweistellig werden. Bode machte seine Sache gut, mischte Digitalisierung mit Grundsicherung und stellte sich so möglichst breitbeinig im weiten liberalen Spektrum auf.

Bleibt der Blick nach Germering und in den anderen Wahlkreis, in dem Michael Kießling das Direktmandat für die CSU verteidigt hat. Die tapfere Carmen Wegge hat es für die SPD versucht und als neues Gesicht in den zum Wahlkreis gehörenden Kreisen Starnberg und Landsberg für ihre Premiere ziemlich gut abgeschnitten. In der Großen Kreisstadt Germering kam sie gut an und dürfte über die 20 Prozent Stimmenanteil ziemlich dankbar sein. Wegge wird neues Mitglied des Bundestages werden, womit der Landkreis künftig zwei SPD- und zwei CSU-Abgeordnete, aber keinen Vertreter von den Grünen mehr haben wird.

Auch wenn die Region um die na- türlich blauen Seen sich politisch immer stärker grün färbt, so hat die Starnberger Kommunalpolitikerin Martina Neu- bauer ein solides Erststimmenergebnis nicht in einen Parlamentssitz umwandeln können. In Germering lag ihr Anteil wie der ihrer Partei bei rund 17 Prozent, das Ergebnis der bayerischen Grünen reicht aber nicht, damit sie über die Liste reinkommt.

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SZ vom 29.09.2021
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