Die neonazistischen Graffiti-Attacken auf das antifaschistische Jugendzentrum „Freiraum“ in Dachau beschäftigen weiter viele Menschen. Rund drei Wochen nach dem jüngsten Vorfall meldet sich jetzt der Runde Tisch gegen Rassismus Dachau zu Wort und verurteilt die rechtsextremistischen Schmierereien scharf. Diese seien „ein gezielter Angriff auf einen Ort der Vielfalt, der Toleranz und der gelebten Demokratie in unserer Stadt“, heißt es in einer Stellungnahme des Runden Tisches. Hinter dem Bündnis stehen mehr als 50 Organisationen, darunter die KZ-Gedenkstätte Dachau, mehrere Parteien, Vereine und Kirchen sowie die Stadt und der Landkreis Dachau. Der Freiraum selbst ist eines der Gründungsmitglieder des Runden Tisches.
Mutmaßliche Neonazis hatten das autonome Jugendzentrum in den vergangenen Wochen zweimal aufgesucht, um an der Fassade und an Mauern in der Umgebung SS-Runen und sogenannte Keltenkreuze anzubringen – das Keltenkreuz ist in der rechtsextremistischen Szene ein Symbol für die vermeintliche Vorherrschaft einer weißen Rasse. Einmal sprühten sie an eine Wand über zwei Meter den Schriftzug: „Wehrmacht“.
„Wir fordern alle Dachauer auf, gerade jetzt Haltung zu zeigen“
Die Täter scheuten offenbar keine Konfrontation mit den Freiraum-Leuten: Sie schlugen immer dann zu, wenn drinnen im Jugendzentrum eine Veranstaltung lief. Beim zweiten Mal gleichwohl wurden sie von Besuchern des Freiraums gesehen, diese informierten daraufhin die Polizei. Die Beamten nahmen anschließend zwei 21-Jährige aus München fest. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck gegen die beiden Männer.
„Die Täter versuchen, Angst zu säen und Räume für junge Menschen zu markieren“, so der Runde Tisch gegen Rassismus. Doch davon lasse man sich nicht einschüchtern. „Wer den Freiraum angreift, greift uns alle an.“ Die mehr als 50 Organisationen sowie zahlreiche Bürger und Bürgerinnen stünden an der Seite des Jugendzentrums. „Wir fordern eine lückenlose Aufklärung dieser Straftaten und rufen alle Dachauerinnen und Dachauer dazu auf, gerade jetzt Haltung zu zeigen. Wir werden die braune Farbe nicht nur überstreichen, sondern sie mit noch mehr Engagement für eine offene Gesellschaft übertönen.“
In seiner Stellungnahme erinnert der Runde Tisch gegen Rassismus auch daran, dass es das Bündnis ohne die Mitglieder des Freiraums gar nicht geben würde: Der Runde Tisch gegen Rassismus gründete sich vor elf Jahren als Reaktion auf eine Serie von rechtsextremen Vorfällen in Dachau, schon damals war der Freiraum zur Zielscheibe von Attacken geworden: Parolen an Wänden, brennende Mülltonnen oder ein Schweineherz im Vereinsbriefkasten, versehen mit der Todesdrohung: „Letzte Warnung“ – all diese Angriffe ereigneten sich im Jahr 2014. Auf Initiative des Freiraums entstand zunächst ein loses Bündnis, aus dem schließlich der Runde Tisch gegen Rassismus hervorgehen sollte.
Dass die Kulturstätte nun wieder zur Zielscheibe von „Ewiggestrigen“ geworden sei, sei kein Zufall, so der Runde Tisch. Die Attacken zeigten schmerzhaft, „wie notwendig unsere gemeinsame Arbeit nach wie vor ist“.

