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Abschied einer beliebten Wirtin:Mama Poppy geht

Familienbad

Ganz so relaxed ist das Leben als Gastronomin im Dachauer Freibad nicht immer, doch Parthena Spanidou hat die Arbeit gern gemacht und viele Freunde gefunden. Jetzt bricht sie in einen neuen Lebensabschnitt auf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Parthena Spanidou hat 15 Jahre lang die Cafés im Dachauer Hallen- und Freibad betrieben. Doch für die 52-Jährige geht nun die letzte Saison zu Ende. Über einen wehmütigen Abschied.

"Die Anker sind gelichtet, die Leinen los, das Segel offen. Ich warte nur noch, dass der Wind von der Ägäis kommt", sagt Parthena Spanidou. 15 Jahrelang hat sie das Café im Dachauer Hallenbad geführt - sehr erfolgreich. Viele kamen einfach nur auf einen Cappuccino vorbei, ohne ins Wasser einzutauchen. Spanidou hat das Bad mit Leben gefüllt. Sie sprüht vor Energie und in dem Moment, in dem man sich mit ihr unterhält, springt der Funke über und man hat das Gefühl, selbst auch viel mehr Lebenskraft und Elan zu haben. Doch in der nächsten Saison wird die 52-Jährige nicht mehr im Bad sein und jeden Gast begrüßen.

Denn an diesem Donnerstag hat sie den Stadtwerken den Schlüssel zurückgegeben. Im Freibad bedient sie ihre Gäste noch ein paar Tage länger, aber am 8. September wird auch hier ihr letzter Arbeitstag sein. Für Dachau und auch für Spanidou geht ein Lebensabschnitt zu Ende.

Die Bar - ein Ort der Begegnung

"Ich kenne jeden hier. Es sind viele Freundschaften entstanden - zum Teil sehr enge", sagt sie. Wer auf die Terrasse am Sprungbecken kommt, begrüßt Poppy zuerst. Poppy ist Spanidous Spitzname. Ihre Mutter hat ihn ihr gegeben. Im Laufe der Jahre hat er sich langsam durchgesetzt unter den Gästen. Mit jedem wechselt die temperamentvolle, zierliche kleine Frau ein paar Worte. Manch einen hat sie schon dazu gebracht, es langsamer angehen zu lassen - das Geschäftige abzulegen, innezuhalten und zu genießen. Etwa so: "Cappuccino muss man genießen - Schluck für Schluck, ganz in Ruhe. Das ist wichtig." Die griechische Lebensart imponiert den Leuten. Besonders wenn Poppy kommt und sagt: "In Griechenland trinkt man immer zwei Stunden Kaffee, aber nie alleine. Es ist etwas Kommunikatives."

"Meine Bar hier ist ein Ort der Begegnung", sagt Spanidou. Drei Paare hat sie dort schon verkuppelt, erzählt sie voller Stolz. In einem Fall hatte sie einen Prosecco ausgegeben, um zwei, die normalerweise zu unterschiedlichen Zeiten ins Bad kamen, zusammenzubringen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagt sie und grinst. In einem anderen Fall hatte sie die Telefonnummer einer unglücklichen Singlefrau weitergegeben. "Es war eigentlich nur ein Gag. Aber sie haben sich geschrieben, dann getroffen. Heute sind die Paare verheiratet und haben Kinder."

Wie alles anfing

Dass das Griechische bald aus dem Leben der Dachauer verschwindet, mag sich niemand so recht vorstellen. Wehmütig kommen die Gäste. "Wir verabschieden uns täglich und ich weine mit - mit Tränen", sagt Spanidou. Aber sie hat eine Entscheidung getroffen. "Es ist Zeit, den Staffelstab weiterzugeben, einem neuen Gastronom Platz zu machen." Der Entschluss kam spontan: Eines Morgens traf sie beim Joggen in der Isaraue eine junge Frau, kam mit ihr ins Gespräch. Als diese in einem Nebensatz sagte: "Sie müssen in die Stadt gehen, weg vom Freibad, damit jeder zu Ihnen kommen kann, nicht nur die, die Eintritt bezahlt haben", dachte Spanidou kurz nach und schrieb die Kündigung. Ihre Kinder schauten ungläubig, die Stadtwerke waren überrascht. "Man muss sich bewegen", sagt sie. Es bedarf nur "zehn Sekunden Mut". Bereut habe sie ihren Mut noch nie.

Auch vor 15 Jahren hatte sie zehn Sekunden Mut. Ihre kleine Schwester war zu Besuch und bettelte, dass sie endlich ins Hallenbad gehen. Spanidou hatte eigentlich keine Lust, doch nach drei Tagen war sie genervt und gab nach. Als sie dort mittags einen Café trinken wollten, war die Jalousie heruntergelassen. "Wir haben keinen Pächter", sagte man ihr. Sie bewarb sich sofort, nach einer halben Stunden hatte sie den Zuschlag. "Dort standen weiße Plastikstühle, alles war völlig ohne Charme", erinnert sich die Gastronomin. Bereitwillig investierte sie ihr Erbe in eine neue Bar, Couchtische, Hocker und Loungemöbel. Alles wurde renoviert und schön gestaltet. "Ich hatte viel Spaß daran", sagt Spanidou. Sie nannte ihr Café H2O-Lounge - das Wohnzimmer im Wasser, bot Cappuccino, Panini und Kuchen an, begrüßte jeden Gast persönlich, selbst die, die nicht in ihr Café wollten. Innerhalb von kurzer Zeit sprach sich die angenehme Atmosphäre herum und die Plätze waren fast immer voll. Der Chlorgeruch war zwar unangenehm, sagt sie, aber "man gewöhnt sich daran".

"Ich mache, was ich gerne mache. Ich habe noch nie gearbeitet. Ich liebe das Leben"

Zwei Jahre später, 2006, wollten die Stadtwerke sie auch als Gastronomin für das Freibad. Sie investierte erneut: Tische, Stühle, Loungemöbel. Man baute auf ihren Wunsch eine neue Terrasse nahe dem Haupteingang. Dort sitzen die Mütter nun am liebsten, denn da können sie beim Cappuccino-Trinken ihre Kinder beobachten. Zur Espressobar, kam die Süßigkeitenecke, dann die Waffeltheke. Irgendwann gab's auch Crêpes und andere Dinge. Spanidou hat sich immer wieder Neues ausgedacht und die Schülerinnen, die ihr in der Wirtschaft halfen mit ihren Ideen überrascht.

An schönen Sonntagen bewirtet sie schon mal 6000 Gäste. Dennoch fühlt sie sich nie gestresst oder erschöpft. "Ich mache, was ich gerne mache. Ich habe noch nie gearbeitet. Ich liebe das Leben", sagt sie. Geschwommen ist sie freilich noch nie in einem der Becken, gibt sie zu. Zum Baden fährt sie lieber ans Meer nach Griechenland. Aber den Park im Freibad genießt sie.

Der Abschied ist langsam. Auf Schildern steht: "Sie können den Stuhl, auf dem Sie sitzen, auch kaufen." Und das haben bereits viele getan. Ein Andenken an eine wunderbare Zeit. Wie es für Spanidou weitergeht, weiß sie noch nicht. "Man kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen, man muss erst abschließen. Dann geht es weiter", sagt sie. Doch sie ist zuversichtlich: "Man darf keine Angst haben. Mut und Offenheit sind dagegen tolle Begleiter."