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OB Hartmann in Etzenhausen:Fragen an die Bürger

Mangelware sind Parkplätze am Weblinger Weg im Stadtteil Etzenhausen. Das Problem war auch Thema bei der Bürgerversammlung im Dorfgemeinschaftshaus.

(Foto: Toni Heigl)

Tempo 30, Durchgangsverkehr, Stau an der Bahnschranke: Bei der Etzenhausener Stadtteilversammlung standen vor allem Verkehrsthemen im Mittelpunkt. Nicht für alle Probleme gibt es eine schnelle Lösung.

Seine kommunale Unabhängigkeit hat das vormals selbstständige Dorf Etzenhausen längst verloren. Doch wenn jetzt mit dem hier beheimateten Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) einer der Ihren auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt, erfüllt das die Bewohner des Stadtteils schon mit einigem Stolz. Das zeigte sich bei der Bürgerversammlung für dieses Stadtviertel, bei der sich 60 Zuhörer, dazu Stadträte und Verwaltungsmitarbeiter, im kleinen Dorfgemeinschaftshaus drängten.

Den interessierten Bürgern erstattete OB Hartmann nicht nur wie üblich Bericht, um danach Anregungen und Wünsche aufzunehmen. Vielmehr hatte er konkrete Fragen an die Bürger mitgebracht. Dabei ging es um Überlegungen zu einer neuen Verkehrsregelung für die Altstadt. An einer Pinnwand galt es Punkte zu vergeben: Pro oder Contra Einbahnregelung für Lkw und Busse? Tempo-20 in der oberen Stadt? Das Votum fiel eindeutig aus: Einbahnregelung ja, am liebsten für alle Fahrzeuge. Tempo 20 - nein danke.

In der Diskussion spielte die vom OB abgefragte Verkehrslenkung für die Altstadt keine Rolle. Die Bürger haben zwar eine Meinung, das bewiesen die zahlreichen roten Punkte, die geklebt wurden. Auch hinterließen einige Zuhörer persönliche Kommentare und notierten etwa den Wunsch, die Einbahnregelung generell einzuführen. Doch ein Gesprächsthema, zu dem es Argumente auszutauschen gilt, ist eine neue Verkehrsregelung in der Altstadt zumindest für die Etzenhausener nicht. Das gilt auch für die Frage nach den längeren Schließzeiten an der Bahnschranke am Stadtbahnhof. Dazu hatte der OB die Bürger im Dorfgemeinschaftshaus ebenfalls um persönliche Einschätzungen gebeten. Denn seit der Elektrifizierung der S-Bahn-Linie A verkehrt der Zug doppelt so oft, schließt die Schranke zudem pro Passage länger. Eine Tatsache, die im Vorfeld der Bauarbeiten häufig kommuniziert worden ist, so dass sich die Bürger offenbar damit arrangiert haben. Konkrete Rückmeldungen aus dem Publikum blieben aus.

Tatsächlich schließe die Schranke jetzt pro Zug-Durchfahrt 3.40 Minuten statt wie bisher 2.30 Minuten, informierte Richard Wacht, Verkehrsfachmann der Polizei. In der Hauptverkehrszeit sei der Bahnübergang pro Stunde rund 15 Minuten geschlossen. Erste Reaktionen der Dachauer Autofahrer habe die Polizei registriert. Aus den Einkaufsmärkten in Dachau-Ost komme man jetzt nämlich über die Freisinger Straße und den Weblinger Weg schneller Richtung Hinterland als durch die Stadt: "Man merkt diesen Ausweichverkehr", erklärte Wacht.

Doch die Bürger bewegen andere Themen. Dabei geht es auch um Verkehrsfragen. Gefragt wurde nach dem Zeitplan für den Bau der Umgehungsstraße; außerdem nach Möglichkeiten, die Innenstadt für den Lkw-Durchgangsverkehr zu sperren, der die Anwohner arg belastet. Auch Verbesserungen für den stark befahrenen Weblinger Weg standen auf der Wunschliste der Bürger. Dort wird die Stadt am Ortseingang eine Mittelinsel für Radler und Fußgänger installieren, informierte OB Hartmann. So werde auch die Fahrbahn verengt und der Verkehr automatisch verlangsamt. "Darf man nachts eigentlich schneller fahren als tagsüber", fragte Leo Hassloch, der ab Einbruch der Dunkelheit viele Raser beobachtet haben will. Die Polizei kontrolliere verstärkt nachts und registriere dann mehr Geschwindigkeitsüberschreitungen als tagsüber, bestätigte Wacht.

Markus Erhorn, der als Kreisvorsitzender der Jungen Freien Wähler aktiv ist, bemängelte die neue Tempo-30-Regelung in der Würmstraße. Künftig sollten die Bürger zuvor gefragt werden, forderte Erhorn. Allerdings ist die 30er Zone ein Wunsch des Quartiersbeirats, "das ist ja gerade die Bürgerbeteiligung für Dachau-Ost", erwiderte der Oberbürgermeister. Robert Farnhammer beklagte bei seinem Anwesen in Dachau-Süd Schäden am Zaunsockel durch Wurzeln von Straßen-Platanen. "Gibt es eine Unterstützung für ein neues Fundament?" Gesunde Bäume würden in der Regel nicht gefällt, das Problem gebe es leider öfter, informierte der OB. Ein Erstattungsanspruch für Schäden werde geprüft. Josef Gasteiger beklagte das "Parkproblem in Etzenhausen", das freitags durch die Besucher der Moschee entstehe. Die Bergstraße, an der sein Bauernhof liege, sei "dann mit dem Lkw nicht mehr anfahrbar".

Gasteiger regte an, einen Parkplatz anzulegen, die kleine Grünfläche an der Freisinger Straße sei geeignet. Diese Anregung rief sofort heftigen Widerspruch aus der Versammlung hervor. Die Verwaltung werde sich über eine Lösung Gedanken machen, sagte Hartmann zu. Mathilde Brunnhuber fragte, wann der Fußgänger-Überweg übers Bahngleis am Waldfriedhof wieder geöffnet wird? Laut einer Mitteilung der Bahn werde dort bis Mitte Juli eine Druckwasserleitung verlegt, so der OB. "Bitte haben Sie noch etwas Geduld."

© SZ vom 18.03.2015
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