Süddeutsche Zeitung

Jubiläumsfeier:Teuflisch schwer, himmlisch schön

Lesezeit: 2 min

Zum Ende der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft schenkt Fondi Dachau ein Konzert mit dem Pianisten Gabriele Pezone und dem Geiger Matteo Cossu. Über eine Darbietung, die mehr Publikum verdient hätte.

Von Dorothea Friedrich, Dachau

Dachaus italienische Partnerstadt Fondi hat sich zum Ende der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Dachau etwas Besonderes einfallen lassen: Es hat den Dachauerinnen und Dachauern ein Konzert mit dem Pianisten Gabriele Pezone und dem Geiger Matteo Cossu unter dem Motto "Fuoco italiano - italienisches Feuer" geschenkt. Leider haben nur rund 30 Menschen am vergangenen Freitag im Erchana-Saal des Ludwig-Thoma-Hauses diese schöne Geste gewürdigt. Hier entzündeten Geiger Matteo Cossu und Pianist Gabriele Pezone ein wahres Feuerwerk italienischer Musik. Pianist Pezone zeigte sich zudem als kenntnisreicher und humorvoller Moderator. Mit Arcangelo Corellis Sonata g-Moll, op. 5,12 "La Follia - die Verrücktheit" begann ein Abend, der sich tatsächlich bis zu den verrücktesten Tonfolgen steigerte.

Der Komponist und Violinist Corelli (1653-1713), dessen Weihnachtskonzert derzeit allerorten zu hören ist, hat mit "La follia" eine Achterbahn der Töne und Gefühle komponiert. Cossu setzte sie stilsicher um, von dramatischen Höhepunkten bis zu fast meditativen Momenten. Pianist Pezone war - wie in allen Stücken - der ideale Begleiter, der seinen Part virtuos beherrschte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, vielmehr war der Flügel in jedem Moment der gleichberechtigte Partner der Geige.

Der zu seiner Zeit berühmte Geiger Antonio Bazzini (1818-1897) hat etliche Opern für Geige und Klavier transkribiert. Mit seiner "Fantasia su movitivi della Traviata die Giuseppe Verdi" brachten Cossu und Pezzone das traurige Schicksal der Lebedame Violetta und ihres Geliebten Alfredo in den nüchternen Erchana-Saal. Pezone und Cossu spielten so hingebungsvoll und dermaßen ins Drama um Liebe, Demütigung und Verrat versunken, wie es Sopran und Tenor auf der Opernbühne längst nicht immer schaffen. Das sorgte für ein ganz neues Operngefühl im Publikum - und den ersten von vielen Begeisterungsstürmen.

Mit der Violinsonate in g-Moll von Giuseppe Tartini (1692-1770) folgte eine Explosion der Violinen-Spitzentöne, ist dieses Werk doch eines der herausforderndsten und zugleich bekanntesten für dieses Instrument. Denn dieser Klassiker ist teuflisch schwer zu spielen, wenn er so himmlisch schön anzuhören ist wie am Freitagabend. Man spürte förmlich, wie Cossu in sein Spiel versank - und das Publikum mit hineinzog.

Die Solisten spielen gleich drei Zugaben

Selbstredend umweht diese Barocksonate ein Hauch von Grusel: Der Teufel höchstselbst soll dem Komponisten im Traum erschienen sein und ihm die Musik vorgespielt haben. Tartini versuchte lange Jahre, sie nachzuempfinden und aufzuschreiben. Vergebens. "Das Stück, das ich daraufhin geschrieben habe, mag das Beste sein, das ich je komponiert habe, doch es bleibt weit hinter dem zurück, was mich im Traume so sehr entzückt hatte", soll er gesagt haben.

Was wäre ein Violinkonzert ohne den Teufelsgeiger Niccolo Paganini (1782-1840)? Dieser hatte zwar keinen Pakt mit dem Herrn der Unterwelt geschlossen, war aber als Musiker so genial, dass sich bald die wildesten Gerüchte um den Mann rankten, der rein äußerlich eher keine Schönheitskonkurrenz gewonnen hätte. Eine Ahnung, wie seine Musik auf seine Fangemeinde gewirkt haben mochte, vermittelten zwei seiner bekannten Werke: Das Cantabile in g-Moll MS 109, zum Dahinschmelzen schön und ausdrucksvoll gespielt, sowie das Violinkonzert Nr.2 in h-Moll, Opus 7, genannt "La campanella - die Glocke", mit dem der furios spielende Cozzu noch einmal sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Was die beiden Solisten wiederum zu drei wunderbaren Zugaben inspirierte. Man hätte ihnen immer weiter zuhören können und hätte sich dem unwiderstehlichen Zauber der Musik hingeben können. Doch es bleibt die Hoffnung, dass es bald ein Wiedersehen und Wiederhören mit diesen liebenswürdigen Könnern an ihren Instrumenten gibt - und einen Aufführungsort, der etwas weniger an eine Abstellkammer erinnert als der Erchana-Saal.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.6317129
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.