Wie kann man echte Nachrichten von falschen unterscheiden, die scheinbar unaufhaltsam das Internet und die sozialen Medien fluten? Das Dachauer Forum, eine Einrichtung der katholischen Erwachsenenbildung im Landkreis, hat sich dieser Frage gestellt – und mit „Fakefrei“, einer „Aktion gegen Desinformation“, kürzlich sein Programmjahr eröffnet. Dieses steht unter dem Motto: „Wissen, was man glaubt“.
Damit sind nicht nur Fragen der Religion gemeint, sondern auch die unguten Auswüchse der Mediengesellschaft. Bei deren Identifizierung und der Vermittlung von Medienkompetenz gebe es „noch deutlich Luft nach oben“, sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete Katrin Staffler nach der Einführung ins Thema durch Lisa Mutschke vom Münchner JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. Die Medienpädagogin setzte sich im gut besuchten Erchana-Saal des Ludwig-Thoma-Hauses mit der Medienkompetenz junger Menschen auseinander. Ihre Erkenntnis: Die „Generation always on“ verfüge durch die Nutzung von digitalen sozialen Medien über einen „erweiterten Lebensraum“, denn „digitale Räume sind auch Mittel im Sozialisationsprozess“.
Mutschke bezog sich auf die Ergebnisse der Jim-Studie 2024, einer „Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger“, erstellt vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest, die teils Überraschendes zutage brachten. Etwa, dass 58 Prozent der 1200 Befragten auch das Radio zur Informationsbeschaffung nutzen. Dass die sogenannten sozialen Medien, von Messenger-Diensten bis Tiktok mittlerweile auf dem Weg sind, die Kommunikationsform Nummer eins zu werden, überrascht indes niemanden. Sie haben Lisa Mutschke zufolge gleich mehrere Funktionen, nämlich die der Verbreitung von Nachrichten, die Teilhabe am Gruppengeschehen und nicht zuletzt eine Empfehlungsfunktion.
Die im rasanten Tempo präsentierte Informationsflut zeigte, dass die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, sportliche Großereignisse, Klimawandel und Wahlen, aber auch das lokale Geschehen die jungen Menschen besonders bewegten. Erstaunlich: Die wichtigste Nachrichtenquelle ist das persönliche Umfeld, also Familie und Freunde, auf den weiteren Rängen liegen Radio- und Fernsehnachrichten sowie für rund ein Drittel der Umfrage-Teilnehmenden Instagram, Youtube und Tiktok.

Doch bekanntlich bietet gerade das Internet – in dem die Jugendlichen der Studie zufolge pro Tag durchschnittlich 209 Minuten unterwegs sind – reichlich Möglichkeiten der Desinformation und für Fake News. Wie soll man dagegen angehen und die so oft beschworene Medienkompetenz erlangen? Lisa Mutschke hatte ein paar praktische Tipps parat: zum Beispiel „die Lebenswelt von Jugendlichen ernst nehmen“, Werte und Informationskompetenz fördern und stärken. „Auch das trägt zur Demokratiebildung bei“, sagte sie. Es gebe zudem bestimmte Kriterien, um Fake News zu erkennen. Dazu zählte sie beispielsweise, wie lange es den Account schon gibt, wie viele Follower er hat, ob „ein Diskurs stattfinden darf“, ob Datenschutzrichtlinien eingehalten werden oder ob es ein Impressum gibt. Dabei helfen auch verschiedene „Fakefrei“-Checklisten.
Für die „schwer erreichbare Zielgruppe der Erwachsenen“ ist das womöglich eine Riesenherausforderung. Daher war ihre Empfehlung an alle, die in zivilgesellschaftlichen Organisationen, in Schulen und Vereinen tätig sind, sich bei „Fakefrei – Bayern-Allianz gegen Desinformation“ nach den passenden „Werkzeugen“ umzusehen, die es ermöglichen, Fehl- und Falschinformationen im Netz zu identifizieren.

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Für Katrin Staffler geht es beim Thema Medienkompetenz auch um „Bildung für alle Zielgruppen“. Die Bundestagsabgeordnete bedauerte angesichts der Zahlen zur Informationsbeschaffung junger Menschen ausdrücklich, dass sich immer mehr Zeitungen „aus der Fläche zurückziehen“. Es sei „wesentlich, dass wir Qualitätsmedien haben“. Auch die Medienpädagogin Mutschke nannte es „wahnsinnig wichtig, dass wir eine lokale Presse haben. Das schafft Nähe und macht Themen sichtbar. Wenn es immer weniger davon gibt, besteht die Gefahr, dass sich Rechtsradikale dieses Feld aneignen.“ Staffler sprach sich gegen ein Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen aus, das derzeit diskutiert wird. Man müsse im Gegenteil „die Befähigung und die digitale Teilhabe stärken“, sagte die CSU-Politikerin. Sie sei überzeugt, dass ein Verbot nicht funktioniere. „Kinder finden immer einen Weg.“

