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Dachau:Es knirscht

Bauträger Herbert R. Ullmann zweifelt, ob sich die Konversion des MD-Geländes unter den gegeben Umständen wirtschaftlich überhaupt realisieren lässt - und stellt neue Forderungen an die Stadt.

Von Petra Schafflik

Blick über die Dächer der Fabrikhallen der ehemaligen Papierfabrik mit dem Wasserturm. Wie lange es noch dauert, bis hier ein lebendiger neuer Stadtteil entsteht, ist unklar. Zu viele Fragen sind noch offen, insbesondere zur Beseitigung der Altlasten.

(Foto: joergensen.com)

Seit einem Jahr treibt die Dachau Entwicklungsgesellschaft (DEG) die Planungen für eine Bebauung des MD-Werksgeländes voran, das seit der Schließung der Fabrik im Jahr 2007 brach liegt. Diese als Joint Venture der finnischen Eigentümerfamilie Myllykoski Oy und des Dachauer Bauträgers Herbert R. Ullmann ("Ihr Eigenheimprofi") gegründete Unternehmen legte jetzt eine erste, verhaltene Zwischenbilanz vor. Unklar sei nach wie vor, "ob sich das Jahrhundertprojekt wirtschaftlich wird realisieren lassen", sagte Ullmann. Die DEG habe wichtige Grundlagen erarbeitet, jetzt sei die Politik am Zug. "Entscheidungen müssen fallen, damit wir Planungssicherheit bekommen", so Ullmann. "Die Politik muss sich ihrer Verantwortung bewusst sein", ergänzte Rechtsanwalt Benjamin Waitz, der die Interessen von Myllykoski in der DEG vertritt.

Ein Punkt, der sich für die Umsetzung des gesamten Vorhabens als entscheidend erweisen könnte, ist nach den Ausführungen von Ullmann das Konzept zur Beseitigung der umfangreichen Altlasten. Genau wegen der vielfältigen Belastungen auf den 17 Hektar Industriebrache hatte sich in den vergangenen Jahren kein Investor für das Areal finden lassen. Die DEG strebe nun eine vollständige Dekontamination des gesamten Geländes einschließlich des ehemaligen MD-Sportplatzes an, betonte Ullmann ausdrücklich. Jedoch sei das Gelände nach Ansicht von Experten nur von Süd nach Nord, also vom Holzlagerplatz in Richtung auf die Produktionsgebäude hin technisch sinnvoll zu dekontaminieren. Dem steht aber der städtebauliche Vertrag von 2007 entgegen, der die Entwicklung des ehemaligen Fabrikgeländes regelt und ein genau entgegengesetztes Vorgehen fordert. Hintergrund dieser Festlegung war die Befürchtung des Stadtrats, ein Investor könnte sich die am einfachsten zu sanierenden Flächen herauspicken und am Ende die stark kontaminierten Bereiche liegen lassen. Doch so wie gefordert "geht es technisch nicht", sagte Ullmann und nannte das Thema Altlasten "ein K.O.-Kriterium". Sollte die Stadt nicht von dieser Vorgabe abweichen, "können wir es nicht machen".

Neben den Altlasten sind für die DEG weitere Fragen offen. Denn im vergangenen Herbst wurde der Entwurf eines städtebaulichen Rahmenkonzepts für das MD-Gelände vorgelegt, der sich weitgehend am Siegerkonzept des städtebaulichen Wettbewerbs für das Areal aus dem Jahr 2007 orientiert. Auf dieser Basis läuft nun das Bebauungsplanverfahren. Gemeinsam mit dem Plan eingereicht hat die DEG einen Fragenkatalog, der von der Stadt noch nicht vollständig abgearbeitet worden sei, "zumindest nicht so im Detail, dass wir zufrieden sind", so Ullmann.

In einem Schreiben an die Stadt hätte die DEG jetzt erneut Entscheidungen eingefordert. Klärungsbedarf gebe es zur Verkehrserschließung wie auch zu den geplanten Nutzungen der Stadt: Wie groß soll das geplante Jugendzentrum werden, wo kommt die Kita hin, wie viele Sozialwohnungen sollen entstehen. Auch der Erhalt des Papiermuseums sei Konsens, wer die Trägerschaft übernehme, aber offen. Den alten Wasserturm will der Stadtrat ebenfalls erhalten, "doch die Finanzierung von Unterhalt und Sanierung ist unklar". In vielen Fragen gebe es zu viel "könnte, müsste, sollte", erklärt Rechtsanwalt Waitz, der gerne konkrete Forderungen der Stadt auf dem Tisch hätte. Nur wenn sämtliche Rahmenbedingungen geklärt seien, lasse sich entscheiden, ob sich die Entwicklung des MD-Geländes wirtschaftlich realisieren lasse - oder eben nicht.

Trotz dieser Kritik betont Ullmann, die DEG wolle "die Politik nicht unter Druck setzen", einzig auf die Dringlichkeit von Entscheidungen hinweisen. Grundsätzlich zeigt sich Ullmann überzeugt von dem Projekt, das ehemalige Fabrikgelände zu einem lebendigen Stadtviertel zu entwickeln. Auch die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung läuft nach Aussage von Rechtsanwalt Waitz außerordentlich konstruktiv. "Wir haben gute Vorarbeit geleistet, jetzt müssen sich die Entscheidungsträger ihrer Verantwortung stellen."

© SZ vom 02.08.2013
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