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Diskussion um Eislaufhalle :Planerische Pirouetten

Rette den Wald, löse die Parkplatzproblematik, ermögliche dem ASV eine Zukunft - das sind die Forderungen der Dachauer Jugend.

(Foto: Toni Heigl)

Die geplante Eislaufhalle am ASV-Gelände sorgt weiter für politischen Sprengstoff in Dachau. Während die Stadträte die Diskussion um Größe und Art des Gebäudes fortführen, läuft dem Verein die Zeit davon. Zugleich wird eine Petition des Jugendrats faktisch vom Tisch gefegt.

Die geplante neue Eislauffläche bleibt ein Zankapfel der Kommunalpolitik. Auch nach der Entscheidung vom April, als eine knappe Mehrheit von CSU, FW und Grünen beschloss, die städtische Kunsteisbahn am Gelände des Sportvereins ASV zu bauen und damit das Projekt der ESV Woodpeckers für eine Eishalle an der Wallbergstraße vom Tisch fegte, bleiben offene Fragen.

Denn gebaut werden soll eine funktionale Eislaufhalle, wie sie sich eine Stadtrats-Delegation kürzlich im schwäbischen Burgau angesehen hat. Allerdings findet so ein Gebäude nach Einschätzung des städtischen Bauamts auf dem vorgesehenen Areal am ASV keinen Platz. Auch wollen die Kommunalpolitiker auf Anregung von Thomas Kreß (Grüne) vor Start einer Planung noch Energieverbrauch, Bau- und Unterhaltskosten zwischen einer Eislauffläche mit Dach und einer geschlossenen Eishalle vergleichen. Bis diese Fakten vorliegen, wird ein halbes Jahr vergehen, sagte Bauamtsleiter Moritz Reinhold.

ASV-Vorstand: "Ich bin frustriert"

Derweil läuft dem ASV die Zeit davon. Ein Neubau der Georg-Scherer-Halle ist auf der Fläche der alten Kunsteisbahn geplant, jede Verzögerung beim städtischen Projekt bremst den Verein aus. Ein Vorschlag des ASV, beide Projekte zu entkoppeln, wurde abgelehnt. ASV-Vorstand Andreas Wilhelm, der die Sitzung als Zuhörer verfolgte, hatte konkrete Beschlüsse erwartet: "Ich bin frustriert", sagt er. Enttäuscht ist auch Berkay Kengeroglu, Sprecher des Dachauer Jugendrates. Eine von der Dachauer Jugend initiierte Petition, die sich für das Projekt des ESV Woodpeckers ausspricht, wurde von den Stadträten kaum gewürdigt, nur mehrheitlich zur Kenntnis genommen.

Die CSU hält eine funktionelle Eislaufhalle am ASV für umsetzbar. Die Planung lasse sich entsprechend anpassen und verändern, so dass der vorhandene Platz ausreicht, so der Tenor der Christsozialen. Schließlich ergäben sich dort Synergieeffekte durch den Verein, der die Halle im Sommer nutzen könne, erklärte Sportreferent Günter Dietz (CSU). Optimistisch ist auch Franz-Xaver Vierregg, der eine "kreative Planung" empfiehlt. Notfalls müsste aus dem rechteckigen Gebäude halt ein Trapez werden. Doch tatsächlich ist der grundlegende Standortstreit nicht begraben.

"Wir sind nach wie vor dagegen", sagte Christa Keimerl (SPD), deren Fraktion sich für das Vorhaben der ESV Woodpeckers einsetzt. Der Verein wollte - unterstützt von Landessportverein und Volksbank Dachau - eine für den Behindertensport speziell konzipierte geschlossene Halle an der Wallbergstraße bauen. Am ASV sei die Verkehrsproblematik und Parkplatzfrage ungeklärt, so Sabine Geißler (Bündnis). Auch Jürgen Seidl (FDP) brach eine Lanze für die Wallbergstraße. Eine Eishalle am ASV werde "wie ein deplatzierter Fremdkörper wirken", sagte er. "Der Verein wird seiner Zukunftsfähigkeit beraubt."

Der Neubau der Georg-Scherer-Halle ist verbunden mit dem Bau der städtischen Kunsteisbahn

Die Interessen des mitgliederstärksten Sportvereines in der Stadt sind ein wichtiger Aspekt beim Projekt Eislaufbahn. Der Neubau der Georg-Scherer-Halle, den der Verein plant und dringend für die weitere Entwicklung benötigt, ist verbunden mit dem Bau der städtischen Kunsteisbahn. Da auch die Stadträte nicht wollen, dass die Eislaufsaison ausfällt, kann die dringend benötigte Sporthalle auf der alten Eislauffläche erst gebaut werden, sobald das neue Stadion steht. Doch der Verein ist unter Druck, die Schäden an der alten Scherer-Halle werden immer mehr. Ursprünglich sollte der Neubau 2022 stehen, "jetzt sind wir bei einem Zeithorizont von 2025", sagt Vorstand Wilhelm, dem auch die steigenden Baukosten Sorgen bereiten. Das Projekt werde "jedes Jahr eine Million teurer". Eine teure Sanierung der Halle, die eigentlich bald abgerissen werden soll, könnte unausweichlich werden.

Der ASV hat jetzt eine "Entkoppelung" der beiden Vorhaben vorgeschlagen. Gebaut würde die Sporthalle demnach im kommenden Jahr auf der alten Kunsteisbahn, als Übergangslösung könnte die Stadt eine mobile Eislauffläche installieren. Ein Vorschlag, den Sabine Geißler (Bündnis) unterstützt. "Wir gewinnen Zeit, um noch einmal in Ruhe alle Standorte zu prüfen." Sie plädierte für eine mobile Eislaufbahn auf der Thoma-Wiese. Ganz anders sieht das Oberbürgermeister Florian Hartamnn (SPD). Eisbahnen auf Zeit seien keine Lösung, weil die Anforderungen dieselben seien wie für eine richtige Halle, sagte er.

Keine große Rolle spielte in der Debatte die Petition des Jugendrats

Die Dachauer Stadträte einigten sich auf Rahmendaten, auf deren Grundlage die städtische Verwaltung planen kann. Danach soll ein behindertengerechtes Eisstadion nach dem Burgauer Vorbild auf maximal vier Tennisplätzen am ASV-Gelände entstehen. Der Bannwald soll erhalten bleiben, doch Rodungen im nicht speziell geschützten Erholungswald duldet die Mehrheit von CSU, FW und Grünen. Autoparkplätze sollen möglichst in der Nähe entstehen.

Auch wenn in der Diskussion immer von einer Halle die Rede war, ist eine offene Eislauffläche mit Dach nicht aus dem Rennen. Vor dem Start konkreter Planungen wird die Verwaltung auf Anregung von Stadtrat Kreß einen Vergleich beider Optionen vorstellen, was Energieverbrauch, Bau- und Unterhaltskosten angeht. Erste Daten aus Burgau erwecken den Eindruck, dass offene Bahnen wie die alte Dachauer Anlage "energetisch nicht so schlecht sind", so Amtsleiter Markus Haberl.

"Schade, dass sich so wenige Zeit genommen haben"

Keine große Rolle spielte in der Debatte die Petition des Jugendrats, die 1521 Bürger, darunter 892 Dachauer unterstützen. Die Jugend plädiert darin für das Vorhaben der ESV Woodpeckers mit den Schlagworten: Rette den Wald, löse die Parkplatzproblematik, ermögliche dem ASV eine Zukunft. Die SPD-Stadträte unterstützen die Petition, doch eine inhaltliche Debatte fehlte. Luise Krispenz (Grüne) befand sich in einer schwierigen Position, da sie als Jugendreferentin automatisch Mitglied im Jugendrat ist, gleichzeitig ihre Grünen-Fraktion aber das von der Jugend geforderte ESV-Projekt zugunsten des ASV-Standorts ablehnt. Sie argumentierte, auch am ASV ließen sich "alle Punkte der Petition abhaken". Dort werde Bannwald geschützt, Erholungswald geschont, damit wäre der Umweltaspekt erfüllt. Die Grünen-Fraktion nahm die Petition gemeinsam mit der Mehrheit im Ausschuss "zur Kenntnis".

Jugendpreis

Ist enttäuscht von den Stadträten: Berkay Kengeroglu, Sprecher des Dachauer Jugendrates.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Jugendratssprecher Kengeroglu war zur Sitzung nicht eingeladen, weil "Petenten grundsätzlich im Rat kein Rederecht haben", wie Hauptamtsleiter Josef Hermann auf Nachfrage von Krispenz erläuterte. Der Jugendratssprecher zeigt sich am Tag nach der Sitzung enttäuscht, nicht nur weil eine Debatte fehlte. Auch auf eine persönliche Anfrage hätten nur zehn Stadträte überhaupt reagiert. "Schade, dass sich so wenige Zeit genommen haben, sich das genauer anzusehen und eine eigene Stellungnahme zu verfassen. Immerhin gab es 500 teilweise sehr fundierte Kommentare zu der Petition." Kengeroglu will weiter verfolgen, wie sich das Thema entwickelt. Er sagt: "Früher oder später werden die Planer merken, das klappt einfach nicht."

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