Dachau Ein Nikolaus zum Anfassen

Helmuth Rumrich besucht seit 20 Jahren Behinderte und überbringt Geschenke.

Von Sonja Siegmund

Nichts ist erfolgreicher als das Lob" : Nach dieser Devise hat Helmuth Rumrich viele Jahre seinen Unterricht an der Hauptschule Indersdorf gestaltet. Mit Lob spart der 62-jährige Hauptschullehrer (Foto: privat) auch nicht, wenn er ehrenamtlich als Nikolaus Wohngruppen im Franziskuswerk Schönbrunn besucht. Seit mehr als 20 Jahren verkleidet er sich am späten Nachmittag des 5. und 6. Dezember als Nikolaus, um Kinder-, Senioren-, Frauen- und Männergruppen mit Behinderung Freude zu bringen. Die Verbindung kam durch seine Frau Erna zustande, die viele Jahre an der Johannes-Neuhäusler-Schule gearbeitet hat. In diesem Jahr wird der Röhrmooser erstmals von Markus Katzer unterstützt, der als Rektor an einer Sonderschule für Behinderte in München tätig war.

Helmuth Rumrich verkleidet sich seit mehr als 20 Jahren als Nikolaus um am 6. Dezember anderen eine Freunde zu machen. Dabei hat er immer zwei Engel dabei, die Geschenke verteilen. Heuer sind seine Engel Melissa Kara Mustafa und Franziska Distler.

(Foto: privat)

Natürlich verkleidet sich Rumrich immer stilgerecht mit einem prächtig bestickten Priestergewand. Unter seiner hohen Bischofsmütze, der Mitra, trägt er einen weißen, falschen Bart und Perücke. Über der Albe, dem weißen, langen Untergewand, ist Rumrich mit einem roten Bischofsmantel bekleidet. Dazu gehören noch das goldene Buch, der Stab und weiße Handschuhe. Bei jedem Besuch in den festlich geschmückten Esszimmern der Wohngruppen begleiten ihn zwei als Engel verkleidete Schülerinnen, die kleine Geschenke verteilen. Von den Gruppenleiterinnen hat der Nikolaus zuvor kleine Päckchen und Notizen erhalten. Anhand dieser Merkzettel kann er jeden Bewohner ganz persönlich ansprechen und auf ihn eingehen. "In erster Linie gibt es Lob, niemals Tadel. Das Negative überlese ich, das Positive verstärkt man", sagt Rumrich.

Natürlich seien die behinderten Menschen "sehr aufgeregt", sagt Rumrich. "Manche fangen an zu weinen, sogar in den Seniorengruppen. Da kommt das Kind wieder durch". Andere wollen "unbedingt den Bischofsstab halten, wollen dem Nikolaus und seinen Engeln nahe sein und sie berühren". Einige Bewohner haben Bilder für den Nikolaus gemalt oder sogar Briefe geschrieben an die verstorbenen Eltern, die der Heilige später im Himmel abgeben soll. Seit vielen Jahren trage ihm eine fast 80-jährige Frau bei jedem Besuch das Gedicht vom Knecht Rupprecht vor, "fehlerfrei und wunderbar betont". Nach einem gemeinsamen Schlusslied werden der Nikolaus und seine Engel verabschiedet. Zuvor besuchen sie noch die dementen und bettlägerigen Mitbewohner jeder Wohngruppe in ihren Zimmern.

Für diese besonderen Besuche habe er die Schülerinnen in einem Gespräch vorbereitet, sagt Rumrich.Für seine Begleiterinnen sei der Besuch in den Wohngruppen "immer sehr lehrreich und berührend", sagt Rumrich. "Mein Ziel ist es, den Schülerinnen gerade in der Adventszeit zu zeigen, was für arme und kranke Menschen es gibt. Das ist für die Jugendlichen schon ein emotional großes Erlebnis". Für Rumrich selbst ist der alljährliche Nikolausdienst im Franziskuswerk "mein Weihnachtsopfer - damit es einem wieder bewusst wird, wie gut es uns selbst geht".