Dachau:Durch die Löwengrube und über Leitern

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Thomas Sigl aus Dachau gewinnt mit dem deutschen Team den Militärischen Fünfkampf an der Bundeswehr-Uni.

Von Lenka Jaloviecora

Neubiberg, Bundeswehruni, Hindernislauf militärischer Fünfkampf, Neubiberg, Bundeswehruni, Hindernislauf militärischer Fünfkampf, links Andrej Sonnenberg Deutschland, rechts Davide Riccio, Italien, Foto: Angelika Bardehle, (Foto: ANGELIKA BARDEHLE)

Er rennt, springt, klettert, kriecht und taumelt am Ende ins Ziel, wo er sich auf eine Matte fallen lässt. Da bleibt Thomas Sigl auch erst einmal lange Zeit liegen. Er ist nicht der einzige. Den anderen ergeht es genauso. Der Zuschauer, der das Ereignis aus unmittelbarer Nähe beobachtet, kann bei diesem Anblick recht gut erahnen, wie anstrengend diese Disziplin des Militärischen Fünfkampfes sein muss. Der 500-Meter-Hindernisbahnlauf wird nicht umsonst als Königsdisziplin bezeichnet. "Sie ist einfach die härteste", sagt Sigl. Der gebürtige Dachauer ist einer von sechs Sportlern, die für die deutsche Nationalmannschaft beim ersten "Hartmut-Nienaber-Gedächtnis-Wettkampf" an den Start gehen. Dieser internationale Wettbewerb des Militärischen Fünfkampfes wird von der Sportgruppe Neubiberg organisiert. Dabei treten an der Universität der Bundeswehr München neun europäische Nationen mit fast 70 Athleten und Athletinnen gegeneinander an.

Der Militärische Fünfkampf, eine nicht-olympische Sportart, machte nicht zum ersten Mal Halt in München. Bereits im Jahre 2009 traf sich hier die Elite zu den Weltmeisterschaften. Das deutsche Team belegte damals den zweiten Platz und hält bis heute den europäischen Rekord in der Mannschaftswertung. Mit diesem ersten internationalen Turnier in München möchte die Sportfördergruppe dem erfolgreichsten Sportler dieses Sports gedenken. Der Namensgeber des Wettbewerbs, Hartmut Nienaber, wurde zehnmal Weltmeister. Er hält immer noch die höchste Punktzahl in der Einzelwertung. Seine Marke beim Weitwurf übertraf bis heute niemand.

Die Sportsoldaten messen sich in den Disziplinen Schießen, Hindernisbahnlauf, Hindernisschwimmen, Werfen und 800- Meter-Crosslauf. In der Mannschaftswertung liegt die deutsche Mannschaft nach nun drei Disziplinen (Schießen, Hindernisbahnlauf und Hindernisschwimmen) sogar auf dem ersten Platz. Das hatte Andre Böttger, Trainer der deutschen Nationalmannschaft, so nicht erwartet. "Wenn die Jungs das Leistungsniveau abrufen, dann ist ein Podestplatz drin - entweder der zweite oder der dritte. Österreich ist klar stärker", sagt er vor dem Hindernisbahnlauf. Nach der dritten Disziplin, dem Hindernisschwimmen, muss Böttger jedoch schmunzeln und sagt: "Ich muss meine Aussage wohl doch ein wenig korrigieren. Es wird eng vorne."

Denn schon in der Königsdisziplin ist es sein Athlet Andrej Sonnenberg, der deutlich mit drei Sekunden Vorsprung das Rennen für sich entscheidet. Von den Österreichern ist auf den Podestplätzen nichts zu sehen. Der Dachauer Thomas Sigl, der als 21. ins Ziel kommt, betrachtet seine Leistung kritisch. Denn die Vorgabe des Trainers hieß unter 2:30 Minuten zu laufen. Es wurden am Ende 2:38. "Es war schwer. Ich wusste, dass ich heute nicht so schnell bin und meinen Rekord nicht knacken werde", sagt der 30-Jährige. Wie hart der Hindernisbahnlauf ist, weiß er aus eigener Erfahrung. "Die Verletzungsgefahr ist sehr hoch. Am Ende des Rennens ist man müde. Die Mauern sind aus Beton. Da reicht nur ein kurzer Stoß - und die Verletzung ist da. Ich habe mir so letztes Jahr die Bänder gerissen."

Der Parcours verlangt den Sportlern alles ab. Nicht nur bei der zwei Meter tiefen Löwengrube müssen sie an die Leistungsgrenze. Insgesamt sind 20 Hindernisse auf einer Länge von 500 Metern zu bewältigen: Da lauern fünf Meter hohe Leitern, schiefe und hohe Mauern, sogenannte englische Tische. Gestrauchelt sind einige. Sigls Lauf verlief ohne böse Überraschungen. Dann kommt seine Lieblingsdisziplin, das Hindernisschwimmen. Auf einer 50 Meter-Bahn muss er fünf Hindernisse bewältigen. Er schlägt nach 26,2 Sekunden als Fünfter an. "Das passt schon. Ich wollte unter die Top 5 und das habe ich geschafft", sagt der zweifache Vater.

Österreichs Nationaltrainer Alfred Schütz schreibt zu diesem Zeitpunkt bereits einen Sieg seines Teams ab: "Der erste Platz wird es nicht." Recht hatte er. Nach allen fünf Disziplinen stand die deutsche Mannschaft ganz oben - gefolgt von den Dänen und den Österreichern.

© SZ vom 11.06.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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