Tassilo-Preisträger 2025Mit Spaß und Können durchs Universum der Töne

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Ein wohlklingender Klangkörper ist das Dachauer Jugendsinfonieorchester, hier beim Herbstkonzert im Thoma-Haus.
Ein wohlklingender Klangkörper ist das Dachauer Jugendsinfonieorchester, hier beim Herbstkonzert im Thoma-Haus. (Foto: Toni Heigl)
  • Das Dachauer Jugendsinfonieorchester unter Leitung von Gudrun Huber wurde mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet.
  • Das Orchester mit rund 35 Kindern und Jugendlichen spielt ein breites Repertoire von Klassik über Filmmusik bis Pop und Rock.
  • Huber legt Wert auf Gemeinschaft und musikalische Bildung, das Orchester feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert im Dachauer Schloss.
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Gudrun Huber und das Dachauer Jugendsinfonieorchester sind eine fein aufeinander abgestimmte Gemeinschaft, in der sich Kinder und Jugendliche entfalten können. Nun sind sie mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet worden.

Von Dorothea Friedrich, Dachau

Hier summt jemand ein paar Töne aus der Star-Wars-Filmmusik, dort klingt es ein wenig nach Johann-Sebastian Bach, ein paar Schritte weiter pfeift jemand den als Jazz Waltz bekannten Hit aus der Suite für Varieté-Orchester von Dmitri Schostakowitsch. Kann sein, dass das der Entspannung dient. Schließlich liegt gerade eine anstrengende Probe hinter den Musikerinnen und Musikern des Dachauer Jugendsinfonieorchesters (DJSO) – und ein mindestens ebenso anstrengendes Herbstkonzert in der Aula des Gymnasiums Markt Indersdorf unmittelbar vor ihnen. Auf die Frage, warum sie Musikfetzen singen, summen und spielen, die gar nicht auf dem aktuellen Konzertprogramm stehen, kommt die Antwort, die man noch öfter hören wird: „Weil’s Spaß macht“.

Das DJSO sei „keine Kaderschmiede“ sagt Gudrun Huber, die Gründerin und Leiterin. Ein Herzensanliegen ist ihr „die Gemeinschaft, das Zusammenspiel, das Brückenbauen zwischen den Kindern und Jugendlichen“ und selbstredend „die musikalische Bildung und die Musik selbst“. „Ich versuche immer, die Mitte zu finden zwischen Technik, also Ausbildung, und Spaß“, sagt die Geigerin und Musikwissenschaftlerin.

Gibt den Takt an: Gudrun Huber ist Gründerin und Leiterin des Dachauer Jugendsinfonieorchesters.
Gibt den Takt an: Gudrun Huber ist Gründerin und Leiterin des Dachauer Jugendsinfonieorchesters. (Foto: Toni Heigl)

Keine leichte Aufgabe und bisweilen eine Herausforderung für Dirigentin und Musikerinnen. Doch diese meistern sie mit Können – und eben mit Freude an der Musik, am gemeinschaftlichen Spiel und an ganz besonderen Erfahrungen. Dazu zählen die Fahrt nach Oświęcim (Auschwitz) und ein gemeinsames Konzert mit der dortigen Musikschule an diesem Ort des Grauens aus Anlass des 80. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sowie ein bewegendes Konzert in Dachau aus Anlass des 80. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers. Nun ist das Dachauer Jugendsinfonieorchester mit dem Tassilo-Kulturpreis der Süddeutschen Zeitung ausgezeichnet worden.

Die Freude war riesengroß, die Begeisterung ebenfalls. „Gudrun hat das verdient“, sagt Tim Wohletz bescheiden und spricht seinen Musikerkollegen aus der Seele. Der 20-Jährige macht eine Koch-Ausbildung in München – und spielt Geige. Er versuche, an allen Proben teilzunehmen, auch wenn das gelegentlich mit seinen Dienstplänen in einem renommierten Restaurant kollidiere.

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Warum spielt er im DJSO mit? „Die Geige gibt mir einen ganz anderen Zugang zur Musik als jedes andere Instrument. Sie korrespondiert mit mir und man kann mit ihr jedes musikalische Genre spielen“, sagt er. In der Gemeinschaft habe sie „nochmal einen ganz anderen Klang.“ Zudem seien durch das Orchester „Freundschaften entstanden, man kennt sich, und man unternimmt was zusammen.“

Bekenntnis zur Bratsche

Die elfjährige Anna hält ihr Instrument, eine Bratsche, fast liebevoll im Arm. Sie spiele seit drei Jahren, sagt sie und dass sie den besonderen Klang liebe. „Geige hat so was Hochnäsiges“, sagt sie und: „Man sticht etwas aus der Menge heraus.“ Doch das ist nicht der einzige Grund für Anna, im Orchester mitzuspielen. „Ich höre nur auf dem linken Ohr“, erzählt sie freimütig. Deshalb habe sie große Probleme mit dem Lärm in ihrer Klasse gehabt. Der Instrumentalunterricht bei Gudrun Huber und die Orchestergemeinschaft „haben mir geholfen“, sagt sie. Nun möchte sie unbedingt Kontrabass spielen, muss aber ihre Mutter noch von diesem Plan überzeugen.

Ob Klassik oder Rock: Jedes Orchestermitglied ist buchstäblich mit Leib und Seele bei der Sache.
Ob Klassik oder Rock: Jedes Orchestermitglied ist buchstäblich mit Leib und Seele bei der Sache. (Foto: Toni Heigl)

Anna gehört zu den jungen Menschen, die für Gudrun Huber „nicht im Mainstream schwimmen. Sie haben ganz eigene Persönlichkeiten und sind eine Bereicherung fürs Orchester – und für mich“. Man spürt in Äußerungen wie diesen die tiefe Verbundenheit mit den rund 35 Kindern und Jugendlichen und die – nach vielen Jahren immer noch ungebremste – Begeisterung für ihre Arbeit.

Die Bedeutung der Achtelnoten

„Orchester leiten ist mein Faible“, sagt sie. Diese Leidenschaft lebt sie aus. Auch wenn sie im Nachwuchsorchester, der Formation des DJSO für die ungefähr Neun- bis Zwölfjährigen viel zu oft „erst einmal die Basics“ vermitteln muss. „Die Kinder sind mit ganz anderen Dingen beschäftigt“, sagt sie fast entschuldigend. „Da muss man ganz unten anfangen und ihnen erklären, was zum Beispiel Achtelnoten sind.“

Auch mit dem Jugendsinfonieorchester hat sie „ganz unten“ angefangen, nachdem sie bereits viele Jahre lang das Erchana-Orchester – ein Zusammenschluss ambitionierter Erwachsener – geleitet hatte. Aus den Schulorchestern des Indersdorfer Gymnasiums entstand vor fast zehn Jahren das DJSO – und Gudrun Huber ist ein wenig stolz darauf, dass viele „jahrelang dabei geblieben sind“.

So wie beispielsweise Katharina Wetscheck. Die mittlerweile 22-Jährige studiert Medizin und spielt „seit der dritten Klasse“ Geige. „Mich hat das immer fasziniert. Ich fand und finde das DJSO cool“, sagt sie. Ihr gefällt „die Breite, die Vielfalt, dass von allem etwas dabei ist von Klassik über Filmmusik bis Pop“. Sie habe nie den Ehrgeiz gehabt, beruflich Geige zu spielen, sagt sie. „Ich sehe das lockerer, weil es eben mein Hobby ist, weil ich beim Spielen abschalten kann.“

Auch für Katharina Wetscheck ist und bleibt das Gruppenerlebnis wichtig. „Ich bin ein Orchestermensch. Das gemeinsame Musizieren und die Probenwochenenden sind ein superschöner Ausgleich zum Studium.“ Marlene Burgmeir setzt noch andere Prioritäten. Die Zehnjährige spielt Waldhorn und ist damit schon fast eine Ausnahmeerscheinung im von Streichern dominierten Orchester. Warum sie sich für dieses Blechblasinstrument entschieden hat? „Da kann man ordentlich reinpusten, und es ist was anderes als immer nur Streicher“, sagt sie selbstbewusst. Was ihr wichtig ist, sind „Töne, die gut klingen – auf jeden Fall dürfen sie nicht so schief sein“, sagt sie und nennt gleich ihr derzeitiges Lieblingsstück: Den wirklich gut klingenden und schon erwähnten Jazz Waltz von Schostakowitsch.

Es fehlen feste Probenräume

Alles super also bei den rund 35 Tassilo-Kulturpreisträgern vom DJSO? Nicht ganz. Was fehle, sagt Huber, seien feste Probenräume, für das Jugendorchester und fürs Erchana-Orchester. Sie können zwar regelmäßig Räume im Josef-Effner-Gymnasium proben, doch es fehlen auf Dauer Möglichkeiten, die Instrumente adäquat zu lagern. „Wir haben mit den Ohren geschlackert, als wir die Räume der Musikschule in Oświęcim gesehen haben“, sagt die Orchesterleiterin.

Im kommenden Jahr feiert das Orchester zehnjähriges Bestehen – am Sonntag, 12. Juli 2026, um 11 Uhr, mit einem großen Konzert im Dachauer Schloss. Man darf schon jetzt gespannt sein, welche Werke auf dem Programm stehen. Denn die Bandbreite ist groß – von der Klassik und Romantik bis zu Film-, Rock- und Popmusik. Darauf legt Huber großen Wert. Genauso wie auf möglichst originale Versionen der sinfonischen Musik.

Da muss sie, wie kürzlich beim Herbstkonzert, Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ etwas langsamer spielen, als das Publikum es gewohnt ist. Doch gerade deshalb klingt dieser Dauerbrenner der Klassik-Hitparade umso schöner. Wie zum Ausgleich rocken die DJSO-Musiker nur wenig später mit Deep Purple und dem dramatischen „Smoke on the Water“ die Aula. Doch egal, ob Klassik oder Rock: Jedes Orchestermitglied ist buchstäblich mit Leib und Seele bei der Sache und nimmt das Publikum mit auf eine Reise durchs Universum der Töne.

Kultur verbindet, Kultur bewegt – und Kultur braucht unsere Unterstützung: Zum dreizehnten Mal verleiht die Süddeutsche Zeitung den Tassilo-Kulturpreis. Diese Auszeichnung würdigt Arbeit und Wirken von Künstlerinnen, Künstlern und Kulturschaffenden im Großraum München. Hier stellen wir Ihnen die Preisträger vor, die die Jury, bestehend aus Kulturredakteurinnen und -redakteuren der SZ, in diesem Jahr ausgewählt hat. Verliehen werden drei Hauptpreise sowie fünf Förderpreise. Außerdem stiftet das Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung, SZ Gute Werke, einen Kulturpreis, der besonderes soziales Engagement würdigt. Welchen Preis die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten, wird bei der Verleihung am 26. November bekanntgegeben.

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