Dachau Die Tür wird ersetzt

Unter großem Medieninteresse montiert Kunstschmied Michael Poitner eine Replik der schmiedeeisernen Tür im Tor des Jourhauses an der KZ-Gedenkstätte.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Kunstschmied aus Biberbach fertigt eine Kopie des KZ-Tors

Am 29. April war sie wieder da: die Tür im Tor des Jourhauses an der KZ Gedenkstätte, zumindest eine Kopie. Das Original war in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 gestohlen worden - und mit ihr ein Teil des Gedenkens an die NS-Verbrechen. Vor laufenden Kameras und nach Ansprachen etwa vom bayerischen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) wurde die originalgetreue Kopie eingesetzt. "Die Diebe sollen nicht recht behalten", sagte Spaenle damals. Gefertigt hat die neue Tür der 36 Jahre alte Kunstschmied Michael Poitner aus Biberbach, Ortsteil von Röhrmoos, zusammen mit seinem Gesellen Bernhard Trinkl.

Poitner hatte sich auf die Ausschreibung der Stiftung Bayerische Gedenkstätten beworben, weil er selbst einen Bezug zur Vergangenheit Dachaus spürt, seit er sich als Lehrling erstmals intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander gesetzt hat. "Wer hierher kommt, will der Opfer gedenken", sagte Poitner damals in der Gedenkstätte. "Der Schock, den der Besucher erlebt, trägt wesentlich dazu bei, nicht zu vergessen, was hier passiert ist." Die Tür und ihre Aufschrift zu sehen, verstärke den Schock.

Innerhalb der Stiftung hatte es kontroverse Debatten um den angemessenen Ersatz für die gestohlene Tür gegeben. Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann hatte zunächst empfohlen, die Lücke als Mahnmal zu erhalten. Sie sah die Authentizität der Erinnerung gefährdet. Die Stiftung hielt sich schließlich an den ausdrücklichen Wunsch der Überlebenden, die Tür zu ersetzen. Die Menschenverachtung, die in der Aufschrift "Arbeit macht frei" zum Ausdruck kommt, soll die Besucher weiterhin an die Verbrechen erinnern, die im Lager begangen wurden. Die Kopie wurde pünktlich zum Beginn der Feierlichkeiten zum Gedenken an die Befreiung des Lagers durch die Amerikaner am 29. April 1945 eingesetzt. Das Original ist bisher nicht wieder aufgetaucht. Auch ein Aufruf in der Fernsehsendung Aktenzeichen XY im Januar half nicht weiter.