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Amtsgericht Dachau:Der Rausch des Diebstahls

Eine 29-jährige Frau entwendet Reitzubehör für 18 000 Euro. Dabei legt sie viel kriminielle Energie an den Tag. Doch es gibt auch strafmildernde Umstände.

Das Amtsgericht Dachau hat am Dienstag eine 29-jährige Frau zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung und 80 Stunden sozialem Hilfsdienst verurteilt. Zuvor hatte die Angeklagte vollumfänglich gestanden, als Mitarbeitern eines Reitsportgeschäfts im Landkreis Dachau zwischen Januar und August 2013 Reitzubehör im Wert von mehr als 18 000 Euro gestohlen zu haben. Schließlich räumte sie sogar ein: "Das war längst nicht alles, was ich mitgenommen habe."

Nach Aussage der ermittelnden Polizeibeamtin hatte die 29-Jährige, die seit 2010 in dem Geschäft tätig war, für ihren Raubzug "Insiderwissen" genutzt. "Sie hat die Waren über einen Eingang für Lieferanten nach draußen geschafft und anschließend in ihren Pkw geladen." Aufgeflogen sei die Frau erst, als eine Angestellte des Geschäfts im Wagen der 29-Jährigen eine der gestohlenen Reithosen entdeckt habe. Infolgedessen gab die Angeklagte, die selbst ein Pferd besitzt, sämtliche Diebstähle zu, wie sie erklärte. In der Anklageschrift aufgeführt waren unter dem Strich neun Reitsättel im Wert von 900 bis 2390 Euro sowie drei Reithosen, drei Gamaschen, eine Abschwitzdecke und zwei Satteldecken.

Die Angeklagte gab vor Gericht an, die Produkte zunächst für ihre eigenen Zwecke benutzt beziehungsweise sie bei sich zu Hause eingelagert zu haben. Erst als sie in Geldnot geraten sei, habe sie begonnen, die Waren über das Online-Auktionshaus Ebay zu verkaufen. Als man ihr auf die Schliche gekommen war, habe sie einige der Waren, die sie noch nicht veräußert hatte, ihrem Arbeitgeber zurückgegeben. "Die Firma war so nett, nicht sofort die Polizei zu rufen", so die Angeklagte.

Eine Gutachterin erklärte die Angeklagte als voll schuldfähig. Sie schilderte dem Gericht aber auch die widrigen Lebensumstände, unter denen die 29-Jährige aufgewachsen sei. Demnach habe sie massiv unter ihrer dominanten, gefühlskalten Mutter gelitten, was bis hin zu Essstörungen und Selbstmordversuchen geführt habe. Beim Stehlen, so die Gutachterin, habe die Frau "eine Art Rauschgefühl" empfunden. Inzwischen aber befinde sich die bislang nicht vorbestrafte 29-Jährige auf einem guten Weg: Ihre Sozialprognose sei positiv. "Die Wahrscheinlichkeit, das noch mal etwas passiert, ist gering", beurteilte die Gutachterin. Amtsrichter Clemens Albert entließ sie mit den Worten: "Ich hoffe, wir sehen uns nicht wieder."

© SZ vom 25.03.2015
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