Dachau:Das sagt die Politik zur Misere der Frauen

In Dachau entscheiden sich Frauen, zurück in ihre gewalttätigen Beziehungen zu gehen - weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können.

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"Wir bauen 200 weitere Sozialwohnungen"

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Quelle: Toni Heigl

Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD): "Die finanzielle und räumliche Misere des Dachauer Frauenhauses ist kein Einzelfall in Bayern. Da ich in engem Kontakt mit dem Träger, der Arbeiterwohlfahrt, stehe und mir das Frauenhaus auch angesehen habe, ist mir die Situation bekannt. Ich unterstütze die Forderung nach einer besseren Finanzierung vollumfänglich. Im vergangenen Jahr wurde mein Parteifreund Martin Güll heftig angegriffen, weil er das Votum des Landtags gegen eine Erhöhung der Zuschüsse für Frauenhäuser kritisierte. Zu Unrecht, denn der Freistaat ist hier in der Pflicht. Was die Wohnungsnot betrifft, hat die Stadt mit dem Beschluss, in den kommenden Jahren 200 weitere Sozialwohnungen zu bauen, bereits die Initiative ergriffen."

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"Jedes Jahr fließen sechsstellige Beträge"

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Quelle: Toni Heigl

Landrat Stefan Löwl (CSU): "Der Landkreis unterstützt das Frauenhaus in Dachau seit seinem Bestehen. Aus dem Kreishaushalt fließen jedes Jahr sechsstellige Beträge an das Frauenhaus und deren Bewohnerinnen. Daneben helfen viele Fachbereiche des Landratsamts, zum Beispiel durch Krisenintervention im Rahmen des Projekts Distel, oft auch schon vor der Notwendigkeit, ins Frauenhaus ziehen zu müssen. Die im Landkreis bestehende Problematik hinsichtlich verfügbarem und bezahlbarem Wohnraum trifft aber leider auch diesen Bereich. Hier unterstützt der Landkreis die Stadt und die Gemeinden beim sozialen Wohnungsbau. Frauenhäuser sind aber auf eine gewisse Anonymität angewiesen. Objekte im ländlichen Raum sind daher weniger geeignet."

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"Der Freistaat hat die Fördersätze erhöht"

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Quelle: oh

Bernhard Seidenath, CSU-Landtagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Gesundheits- und Pflegeausschusses des Bayerischen Landtags: "Die Verantwortlichen des Frauenhauses hatten sich bislang nicht an mich gewandt. Da ich deshalb nicht genau weiß, worin die Probleme bestehen, kann ich hier auch keine Lösung beschreiben. Statt dessen biete ich - wie stets in solchen Fällen - gerne an, mich mit den Verantwortlichen zusammen zu setzen, um mögliche Lösungen zu überlegen.

Vorab nur ein Hinweis: Der Freistaat hat von 2017 an seine Fördersätze für Frauenhäuser, für die grundsätzlich die Kommunen die Verantwortung tragen, von 16 200 auf 19 400 Euro, also um knapp 20 Prozent, erhöht."

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"Wir müssen bezahlbare Wohnungen finden"

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Quelle: Toni Heigl

Martin Güll, SPD-Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Bildungsausschusses des Bayerischen Landtags: "Schon vor Monaten habe ich gemeinsam mit dem Awo-Träger des Frauenhauses öffentlich gemacht, dass es zu wenige Plätze für Frauen und Kinder gibt. Jetzt muss der Landkreis das Frauenhaus besser unterstützen. Auch der Freistaat Bayern muss den staatlichen Zuschuss erhöhen. Entscheidend ist aber, bezahlbare Wohnungen für die Frauen zu finden, damit sie das Frauenhaus schnell wieder verlassen können. Wir dürfen die Frauen und ihre Kinder nicht im Stich lassen. Der Landrat und alle Bürgermeister müssen aktiv werden. Es gibt in allen Gemeinden leer stehende Wohnungen. Hier müssen die Eigentümer gezielt angesprochen werden."

© SZ vom 04.03.2017/vewo
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