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Dachau:Das 950-Kilo-Kraftpaket

Resi ist Französin und wiegt knapp eine Tonne. Die zugkräftige Kaltblutstute von Jonas Berz hilft der Stadt Dachau beim Holzrücken im Wald.

Im Wald ist Resi meine Freundin", sagt Jonas Berz und streicht seiner Gefährtin über den Hals. Resi ist Französin, hat ein Stockmaß von 1,68 Metern und wiegt um die 950 Kilogramm. Die Kaltblutstute gehört zur Rasse der Poitevin Mulassiers; ruhige und gutmütige Arbeitspferde, die gut für den Landwirtschaftsbetrieb geeignet sind. Das stellt sie hier im "Amperwald", wie der Stadtwald Etzenhausen landläufig genannt wird, beim Holzrücken unter Beweis: Das Pferd zieht gefällte Baumstämme aus dem Wald, die an einem speziellen Geschirr eingehängt werden.

Im Rahmen einer naturnahen Forstwirtschaft setzt die Stadt Dachau in ihren stadtnahen Erholungswäldern nun auf den Einsatz von Rückepferden wie Resi. Daher haben Georg Eisele, Leiter der Stadtgärtnerei und Förster Franz Knierer von der Bayerischen Forstverwaltung Jonas Berz und Resi aus Eurasburg engagiert. Berz ist Hufschmied und züchtet Mulassiers auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, seit eineinhalb Jahren bietet er Holzrückarbeiten an.

Bislang wurde das Holz nach der Fällung mit Schleppern aus dem Bestand transportiert. Dazu mussten breite Gassen, sogenannte Rückegassen, in den Wald geschlagen werden. Vor allem Spaziergänger störten sich an den breiten Wegen - sie wünschten sich für den Wald "unberührte Natur". Förster Franz Knierer kritisiert zudem, dass durch den Einsatz schwerer Maschinen unnötig Boden und Bäume geschädigt werden. "Seit einigen Jahren ist es unser Ziel, großflächig einen stufigen Mischwald zu schaffen. Damit soll der reine Nadelholzbestand mit Kahlhieb nach und nach ersetzt werden." Dazu reiche es aus, nur noch vereinzelte Baumstämme aus dem Wald zu ziehen - im Bestand vom Pferd und auf den Waldwegen von Seilwinden.

Ein stufiger Mischwald ist einem reinen Nadelwald aus verschiedenen Gründen vorzuziehen: Er ist vielfältiger und dadurch stabiler und viel resistenter gegen Krankheiten. Auch wirtschaftlicher. Denn: "So wie wir in unserer Gesellschaft junge und alte Menschen benötigen, braucht man in einem Mischwald junge und alte Bäume. Nur dann hat man immer dicke Baumstämme zum Ernten", erklärt der Förster. Die Stadt sei auf einem guten Weg: Mittlerweile bestehe ein Verhältnis von 80 Prozent Laubwald und 20 Prozent Fichte; vor 20 Jahren war das noch genau umgekehrt. Während das Holzrücken mit Pferd in den Alpenregionen nach wie vor stark verbreitet ist, kommt es in flachen Regionen wie im Landkreis Dachau kaum noch zum Einsatz. Bis in die 50er und 60er Jahre wurden flächendeckend Pferde zum Holzrücken eingesetzt, durch die Anlegung zahlreicher Forststraßen aber wurde es möglich, auch mit schweren, leistungsstarken Geräten in den Wald einzudringen. Die Maschinen lösten die Pferde ab. Ein Rückepferd kann im Wald pro Tag etwa vier Stunden lang arbeiten und dabei Baumstämme von einem Durchschnittsgewicht von 350 bis 400 Kilogramm ziehen. Diese transportiert es zur weiteren Verarbeitung zu Rückeschleppern auf Sammelplätzen. Mit dieser Leistung kann ein Pferd nicht mit halbautomatischen Erntemaschinen mithalten, die dieselbe Menge in weniger als einer Stunde verarbeiten. Doch für den Einsatz dieser tonnenschweren Maschinen sind breite Rückegassen nötig, während Pferde einen Baumstamm beweglich und zentimetergenau aus dem tiefsten Wald herausziehen. Allerdings kostet ein Baumstamm, der umweltschonend vom Pferd gezogen wird, etwa zehn Euro mehr als mit Maschine. Trotzdem geht der Trend vielerorts wieder hin zum naturnahen Waldbau.

Rückepferde sind zunehmend gefragt. Auch Resi: "Momentan sind wir zwei- bis dreimal die Woche im Einsatz, weit über den Raum Eurasburg hinaus. Unser Hauptschwerpunkt liegt auf Wald und Parkanlagen, aber wir werden auch häufiger von Privatpersonen gefragt, die ihre Grundstücke vor schweren Maschinen verschonen wollen." Dass Jonas Berz von "wir" spricht, kommt nicht von ungefähr: "Die Arbeit mit dem Pferd im Wald funktioniert nur im Team, wenn sich beide gegenseitig vertrauen und respektieren." Schließlich sind Pferde von Natur aus ängstliche Tiere. Daher muss ein Rückepferd mit einer langjährigen Ausbildung auf diese Aufgabe vorbereitet werden. In den Stadtwäldern des Landkreises werden Jonas Berz und Resi von nun an regelmäßig zu sehen sein. Berz ist überzeugt, dass der Einsatz von Rücke-pferden bald wieder zu etwas Alltäglichem wird. Er denke an eine "Lederhosen-Laptop-Mentalität", in der Moderne und Tradition - Pferd und Maschine - kombiniert werden.