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Coronavirus:Dachauer Ärzte: "Es ist wichtig, dass die Patienten Vertrauen haben"

Hausarztpraxis

Ärztesprecher Hans-Ulrich Braun.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wer Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus bemerkt, muss sich dringend telefonisch anmelden.

Auch wenn die Corona-Pandemie die öffentliche Aufmerksamkeit dominiert, gibt es auch weiter chronisch Kranke oder Notfallpatienten, die medizinische Hilfe brauchen. Arztpraxen im Landkreis beschreiten daher unterschiedliche Wege, um leistungsfähig zu bleiben - für die steigende Zahl von Covid-19-Erkrankten wie für alle anderen Patienten.

Gesundheitsamt, Medien und Ärzte appellieren eindringlich: Wer Symptome einer Infektion bemerkt, also Husten, Fieber, Halskratzen, oder ein plötzliches Krankheitsgefühl verspürt, soll sich unbedingt telefonisch beim Hausarzt melden, keinesfalls auf Eigeninitiative in einer Praxis vorstellig werden. Denn ein einziger Patient, bei dem sich später eine Corona-Infektion herausstellt, kann ungewollt andere Patienten oder medizinisches Personal anstecken, sogar eine ganze Arztpraxis lahmlegen. Damit es nicht soweit kommt, versuchen Mediziner im Landkreis, die Patientenströme zu trennen. "Aber wir brauchen die Mithilfe der Bevölkerung", betont der Dachauer Allgemeinmediziner Stefan Herf.

Zugangskontrollen vor Versorgungszentrum in Dachau

Um Patienten mit Infektions-Symptomen separat zu behandeln, haben die Mediziner der Gemeinschaftspraxis Dr. Colberg und Dr. Herf ihre Dachauer Filiale Am Oberanger zur Infektionspraxis gemacht. Dort werden nach telefonischer Anmeldung Patienten mit Infektionssymptomen "in einer exakten Taktung" untersucht, "es ist nie mehr als ein einziger Patient in der Praxis", sagt Herf. Die übrigen drei Zweigstellen bleiben so arbeitsfähig für Menschen, die mit anderen Erkrankungen auf eine Untersuchung oder Behandlung angewiesen sind. "Es ist wichtig, dass die Patienten Vertrauen haben", sagt Herf, der demnächst auch noch eine Videosprechstunde einrichten will.

Ebenfalls mit klarer räumlicher Trennung arbeitet das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Dachau. Dort sperrt seit Donnerstag ein Bauzaun den gesamten Vorplatz an der Münchner Straße ab, am kontrollierten Zugang wird bei Patienten erst einmal Fieber gemessen, und es werden einige Fragen gestellt. "Wir haben die Zugangskontrolle vor das Haus verlegt, um die Patientenströme frühzeitig zu lenken, unser Personal zu schützen und natürlich auch die Patienten, die wegen einer anderen Erkrankung zu uns kommen", erklärt Frederic William, Internist, Kardiologe und Notfallmediziner am MVZ.

"Diese Einrichtung entlastet uns enorm"

Patienten, die potenziell infektiös sind, werden in einem separaten Gebäude behandelt, in einer eigenen Infekt- und Fiebersprechstunde. Und vorsorglich wurden auf dem bisherigen Parkplatz bereits Container aufgestellt. Die können rasch in Betrieb gehen, falls bei einem Anstieg der Patientenzahlen die Kapazitäten der Infektsprechstunde nicht mehr ausreichen sollten. "Wer zu Fuß kommt und schon schlecht Luft bekommt, kann dann vor Ort behandelt werden, bis der Rettungsdienst übernimmt."

Auch die übrigen Arztpraxen sind bemüht, Patienten mit Infekt separat zu betreuen, sagt Hans-Ulrich Braun, Sprecher des ärztlichen Kreisverbands. Wo möglich, werden diese Erkrankten telefonisch betreut oder in der Praxis in separaten Räumen isoliert. Leider stocke bei den niedergelassenen Ärzten der Nachschub an Schutzkleidung. Umso wichtiger sei die zentrale Corona-Teststation mit Fieberpraxis in Markt Indersdorf. Auch hier gilt: Die Zuweisung dorthin erfolgt ausschließlich über den Hausarzt. "Diese Einrichtung entlastet uns enorm", sagt Braun. Und hilft, dass Arztpraxen einsatzbereit bleiben.

Bis Freitag, 17 Uhr, meldete das Landratsamt Dachau 243 Covid-19-Erkrankte, am Donnerstagabend waren es noch 220 gewesen.

© SZ vom 28.03.2020

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