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Steigende Corona-Zahlen:Alarmstufe Gelb in Dachau

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Landkreis nähert sich einem kritischen Wert. Von diesem Montag an müssen Besucher des Landratsamts Masken tragen. Mit weiteren Maßnahmen will die Behörde aber noch warten.

Von Thomas Balbierer, Dachau

Wer an diesem Montag etwas im Dachauer Landratsamt erledigen muss, sollte seinen Mund-Nasenschutz lieber nicht zu Hause vergessen. Denn zum Wochenbeginn gilt in den öffentlichen Bereichen der Behörde eine Maskenpflicht, nur die Mitarbeiter in ihren Büros müssen nicht zwingend eine Maske tragen. Das teilte Landrat Stefan Löwl (CSU) am Freitag auf Anfrage mit. Es ist die erste kleine Reaktion auf die im Landkreis weiterhin steigende Zahl von Corona-Neuinfektionen, weitere Schritte könnten folgen.

Denn der Landkreis bewegte sich in den vergangenen Tagen auf den kritischen Wochenwert von 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner zu. Am Donnerstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 29. Reißt der Landkreis demnächst die Grenze, muss Landrat Löwl wohl neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens umsetzen. Laut der aktuellen Infektionsschutzverordnung der bayerischen Staatsregierung müsste die Kreisbehörde private Feiern in öffentlichen oder gemieteten Räumen auf höchstens 50 Teilnehmer begrenzen und der Bevölkerung "dringlich" empfehlen, im Privaten keine Feiern mit mehr als 25 Personen zu veranstalten. Zwischen Donnerstag und Samstag stieg die Zahl der gemeldeten Covid-19-Fälle laut offizieller Statistik um 18 neue Fälle an, 63 Personen waren aktuell infiziert. Nach Berechnungen der SZ Dachau lag der Inzidenzwert am Wochenende nur knapp unterhalb des sogenannten Frühwarnwerts von 35. Am Sonntagabend stand er laut Landratsamt wieder etwas niedriger bei 31,2.

Am Freitag kündigte Landrat Löwl auf Nachfrage an, die in der Infektionsschutzverordnung festgelegten Begrenzungen von öffentlichen und privaten Feiern umzusetzen, sollten die Zahlen weiter steigen. "Das ist fast ein Automatismus", sagte er. Auf die Frage, ob der Landkreis darüber hinaus weitere Beschränkungen durchsetzen würde, sagte er, es gebe keine konkreten Pläne in der Schublade. "Die Frage des Werkzeugs ist eine Frage nach dem Schaden", so Löwl. Es helfe zum Beispiel wenig, ein nächtliches Alkoholverbot wie in München auf den Weg zu bringen, schließlich habe der Landkreis "keinen Gärtnerplatz" wie in der Landeshauptstadt, auf dem sich abends immer wieder große Massen zum Trinken und Feiern getroffen hatten.

Erreicht die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis die Marke von 35, hat das auch Folgen für die Schulen. Laut dem Rahmen-Hygieneplan des Kultusministeriums kann dann erneut eine Maskenpflicht im Unterricht in Kraft treten. Diese würde für alle Klassen ab der fünften Jahrgangsstufe gelten. Sollten die Neuinfektionen weiter stark zunehmen und innerhalb von einer Woche auf 50 pro 100 000 Einwohner klettern, müssten auch die Grundschüler Masken im Klassenzimmer tragen.

Bevor aber im Landkreis neue Beschränkungen kommen, will Landrat Löwl die Entwicklung zunächst einige Tage beobachten, neue Maßnahmen kämen "nicht von heute auf morgen". Es sei nicht so, dass unmittelbar, nachdem der Inzidenzwert auf 35 gestiegen ist, gehandelt werden müsste, so Löwl. Schließlich könne die Zahl einen Tag später schon wieder unter diese Marke rutschen. "Wir haben Zeit zu reagieren." Sollte die Infektionskurve aber steiler werden und die Inzidenz in Richtung 50 klettern, will Löwl nach eigenen Angaben eine Sondersitzung seines Corona-Stabs einberufen. Das Gremium, in dem zum Beispiel Ärzte, Polizei und Schulexperten sitzen, trifft sich regulär erst wieder Ende Oktober. Ein Wochenwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner würde weitere Verschärfungen des öffentlichen Lebens nach sich ziehen, etwa eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen. Noch ist der Landkreis davon aber weit entfernt. Anders als der Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck, der am Wochenende über die Grenze von 50 kam und neue Beschränkungen erlassen musste.

Zuletzt wurde der Frühwarnwert von 35 im Kreis Dachau Ende August überschritten, nachdem sich im Karlsfelder Pflegeheim Haus Anna-Elisabeth mehrere Bewohner und Pflegekräfte mit Covid-19 infiziert hatten. Damals griffen jedoch keine neuen Beschränkungen, da sich der Ausbruch auf nur eine Einrichtung konzentrierte. Diesmal ist die Lage anders. "Wir haben aktuell kein singuläres Ereignis, sondern ein vielfältiges Ausbruchsgeschehen", sagt Löwl. Das macht die Eindämmung der Pandemie komplizierter, weil sich das Virus umso leichter unerkannt verbreiten kann.

© SZ vom 12.10.2020

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