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Corona-Pandemie:Dachau liegt beim Impfen vorn

Dank des Impfmarathons an der Dachau Realschule ist der Landkreis dem Ziel der Herdenimmunität schon ein stückweit nähergekommen.

(Foto: Toni Heigl)

Jeder vierte Bürger im Landkreis hat inzwischen eine Spritze bekommen. Damit sind hier weit mehr Personen geschützt als im bayern- oder bundesweiten Durchschnitt. Allerdings ist auch die Infektionsrate massiv gestiegen.

Von Helmut Zeller, Dachau

Ein Lichtblick in düsterer Zeit: Fast jeder Vierte im Landkreis Dachau hat bisher eine Impfung gegen Sars-CoV-2 erhalten. Die Impfquote liegt bei den Erstgeimpften bei nunmehr 24,8 Prozent und damit deutlich über der des Landes Bayern (20,3 Prozent) und auch des Bundes (19,8). Das teilte das Landratsamt Dachau zum Abschluss eines zehntägigen Impfmarathons mit. Bis Montagabend haben seit 27. Dezember 2020 nun 42 368 Landkreisbewohner den wichtigen Impfschutz gegen das Coronavirus erhalten, 10 128 davon bereits die zweite Impfung. In den Praxen niedergelassener Ärzte wurden bis Sonntagabend 5984 Menschen, im Helios Amperklinikum Dachau noch einmal 120 geimpft; in diesen Zahlen, die erst später aktualisiert werden, sind Erst- und Zweitimpfungen enthalten.

"Impfen bleibt das Gebot der Stunde", sagt Wolfgang Reichelt, Sprecher des Landratsamtes. Die Pandemie ist längst nicht überwunden. Im Gegenteil: Das Coronavirus, vor allem seine britische Variante, breitet sich rasant aus. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag bei 247,3, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt. Am vergangenen Samstag lag der Wert noch bei 152,4. Da der Inzidenzwert seit dem 21. März bei mehr als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der letzten sieben Tage liegt, ist seit dem 25. März die sogenannte Notbremse mit weitergehenden Einschränkungen sowie der Ausgangssperre von 22 bis fünf Uhr morgens in Kraft.

Das Virus breitet sich quer durch den Landkreis aus

Die Ursache des starken Anstiegs der Inzidenzwerte binnen weniger Tage ist nicht völlig klar. Im Landkreis gibt es keinen Hotspot. Das Virus breitet sich quer durch den Landkreis und alle Gemeinden aus. Sicherlich liegt es aber an der britischen Virusmutante, 85 Prozent aller Neuinfektionen, die viel leichter übertragbar ist. Bei 55 Prozent der Infizierten konnte die Ansteckungsquelle nicht ermittelt werden. Fünf Prozent waren Reiserückkehrer, 40 Prozent haben sich das Virus im eigenen Haushalt, am Arbeitsplatz und durch private Kontakte geholt. Landrat Stefan Löwl (CSU) appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, alle Hygiene- und Abstandsregelungen einzuhalten, eine FFP 2-Maske zu tragen und private Kontakte weitgehend einzuschränken. Im Landkreis sind bisher 134 Infizierte an Covid 19 gestorben.

Zu dem Erfolg der Impfkampagne des Dachauer Gesundheitsamtes im Landkreis trug der "Impfturbo" erheblich bei, wie Landrat Löwl die von ihm initiierte Aktion nannte. An zehn Tagen wurde allen Landkreisbewohnern mit einem Alter von über 60 Jahren ein Impfangebot gemacht - mit dem Vakzin des Herstellers Astra Zeneca. Alleine in den zehn Tagen der Aktion wurden 14 231 Landkreisbürger erstgeimpft; 10 610 in den beiden großen Impfzentren in Dachau und Karlsfeld sowie den mobilen Impfstellen und am Sonntag in der Realschule Dachau. 3621 Menschen erhielten in diesem Zeitraum die Schutzimpfung von Hausärzten im Landkreis. Landrat Löwl hatte große Mengen an Astra Zeneca für den Landkreis gesichert, nachdem der Freistaat seine Reserven freigegeben hatte. Das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns steht in der Kritik, da nach der Impfung vereinzelt unter jüngeren Menschen Hirnvenenthrombosen, teils mit tödlichem Ausgang, aufgetreten sind. Nach einem vorübergehenden Impfstopp für das Vakzin wird es in Deutschland nur noch für Menschen über 60 empfohlen. Im Landkreis war die Nachfrage nach dem Impfstoff groß. Landrat Löwl dankt allen Akteuren des zehntägigen Impfmarathons in den Impfzentren, bei der Feuerwehr, dem BRK, den Johannitern sowie in den Schulen und den impfenden Ärzten.

Die Impfkampagne geht weiter

Die Impfkampagne geht weiter. Bis Sonntagabend haben die beiden Impfzentren weitere 6500 Erstimpftermine für den Zeitraum vom 21. April bis 11. Mai freigegeben. Eine wesentliche Rolle spielen inzwischen auch die Impfungen in Arztpraxen im ganzen Landkreis. Für Impfungen mit Astra Zeneca bei den Hausärzten hat Versorgungsarzt Christian Günzel formell die Priorisierung aufgehoben, da "allen Personen mit Impfberechtigung und entsprechender Empfehlung ein Impfangebot gemacht wurde." Die Entscheidung über eine Impfung von Personen unter 60 Jahren mit Astra Zeneca hat somit der impfende Arzt nur noch aufgrund der individuellen medizinischen Bewertung zu treffen.

"Jede Impfung bringt uns einen Schritt weiter in Richtung neuer Normalität," sagt Löwl und betont, "daher ist es wichtig, dass wir alle Impfdosen möglichst schnell verimpfen. Bisher ist das auch gelungen". "Wir haben weder größere Vorräte, noch verfällt bei uns Impfstoff ungenutzt," sagt Günzel.

© SZ vom 21.04.2021
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