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Banger Blick voraus:Glühwein mit Abstand

Einen glitzernden Budenzauber wird es vor dem Rathaus wohl in diesem Winter nicht geben. Stattdessen planen die Standbetreiber, ihren Christkindlmarkt auf die Thoma-Wiese zu verlegen. Ob das geht, dürfte bald der Stadtrat entscheiden. Aber selbst wenn das Gremium zustimmt, ist das noch keine Garantie für den Markt. Das letzte Wort haben Bund und Länder.

(Foto: Toni Heigl)

Der Dachauer Christkindlmarkt wird wegen der Corona-Pandemie heuer wohl nicht wie sonst vor dem Rathaus stattfinden. Um den Budenzauber zu retten, wollen die Standbetreiber auf die Volksfestwiese umziehen - eine Garantie für die Veranstaltung gibt es nicht

Von Julia Putzger, Dachau

Die Sommerferien sind noch nicht zu Ende, da laufen schon die ersten Planungen für den Dachauer Christkindlmarkt an. Doch in diesem Jahr ist wegen Corona alles anders. Der herkömmliche Budenzauber in der Altstadt wird wohl nicht stattfinden können, weshalb die Organisatoren heuer einen Umzug auf die Ludwig-Thoma-Wiese anpeilen, wie Christian Naumann sagt. Der Cateringunternehmer ist Vorsitzender des Dachauer Christkindlmarkt-Vereins, der seit mehr als 30 Jahren den Markt vor dem Rathaus veranstaltet. Er hofft, dass der Christkindlmarkt trotz der Corona-Pandemie heuer stattfinden kann. Die Adventsmärkte sind schließlich so etwas wie die letzte Rettung für viele coronagebeutelte Schausteller. "Da es in der Altstadt mit den Abstandsregeln zu eng würde, haben wir einen Antrag an die Stadt gestellt, den Christkindlmarkt dieses Jahr auf der Volksfestwiese zu veranstalten", sagt Naumann.

Wie ein Christkindlmarkt auf der Ludwig-Thoma-Wiese aussehen könnte, darüber haben sich Naumann und seine Vereinskollegen schon einige Gedanken gemacht: Bayerns größter Adventskalender, der normalerweise an der Rathausfassade angebracht wird und hinter dessen Türchen sich Preise verbergen, würde mit Hilfe eines Gerüsts aufgehängt werden. Damit die Atmosphäre auch auf der großen Fläche gemütlich ist, "brauchen wir wahnsinnig viel Dekozeugs", sagt Naumann, der selber einen Stand mit Glühwein, Kaffee und anderen Heißgetränken betreibt. Auch einen Christbaum soll es am neuen Ort geben, sofern der Stadtrat dem Vorschlag zustimmt und ein Loch für die Aufstellung des Baums gegraben werden darf.

In dieser Frage und was die generelle Stimmung im Stadtrat bezüglich eines Weihnachtsmarkts auf dem Volksfestplatz anbelangt, ist Naumann guter Dinge. Er habe sich bereits unter den Stadträten umgehört und bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. Auch die Stadtverwaltung sei dem Verein und dem Vorschlag des Christkindlmarkts wohlgesonnen, sagt er. Tatsächlich entschieden wird vermutlich in der nächsten Sitzung des Stadtrats nach der Sommerpause. Allerdings wäre das Einverständnis der Stadt noch lange keine Garantie für den Markt. Entscheidend dafür sind die Vorgaben der bayerischen Staatsregierung und der Bundesregierung. Zuletzt hatten Bund und Länder Großveranstaltungen bis Ende des Jahres untersagt, aber nicht explizit über Karneval und Weihnachtsmärkte gesprochen. Ob diese zugelassen werden, soll erst später entschieden werden. Aktuell erlaubt die bayerische Staatsregierung Märkte "zum Warenverkauf unter freiem Himmel, die keinen Volksfestcharakter aufweisen und keine großen Besucherströme anziehen, insbesondere kleinere traditionelle Kunst- und Handwerkermärkte, Töpfermärkte und Flohmärkte". Etwas Geduld brauchen die Schausteller noch. "Ende September wissen wir viel mehr", kündigt Naumann an. Da zum Beispiel Nürnberg am weltberühmten Christkindlesmarkt festhalten wolle und auch in München aktuell geplant werde, hofft der Vereinsvorsitzende, dass es in Dachau ebenfalls klappen wird: "Wenn es einer macht, dann schaffen es auch alle anderen."

Naumann setzt jedoch auch eine Bedingung fest: Die Veranstaltung muss für die Aussteller wirtschaftlich sein. "Es kommt auf die Auflagen an. Die Betreiber müssen schließlich Geld verdienen, viele hatten heuer bisher null Einnahmen", sagt er. Nach den coronabedingten Absagen der Volksfeste und der für Schausteller so wichtigen Münchner Wiesn kämpfen viele Budenbetreiber ums finanzielle Überleben. Wenigstens der Christkindlmarkt soll nun etwas Geld in die Kassen spülen. Man rechne bereits damit, dass Securitypersonal am Eingang positioniert werden müsse und es eine Beschränkung der zugelassenen Personenzahl geben wird, so Naumann. Sobald die Stadt dem Standort zustimme, werde man genauer planen und ein Hygienekonzept ausarbeiten, das dann wiederum vom Landratsamt genehmigt werden und den bundes- und bayernweiten Vorgaben entsprechen muss.

Ursprünglich sollte der Christkindlmarkt am 27. November eröffnet werden - so steht es noch immer auf der Homepage der Stadt. Allerdings ist dort auch zu lesen, dass der Christkindlmarkt "mit festlich erleuchteten Holzhütten entlang des Platzes vor dem Dachauer Rathaus" stattfindet. Ganz so zauberhaft dürfte es in diesem Jahr wohl nicht werden. Aber für die Schausteller ist ohnehin entscheidend, dass überhaupt ein Markt stattfindet. "Wir stehen in den Startlöchern und brauchen nicht viel, wir haben ja alles bei der Hand", sagt Naumann. Er versichert für den diesjährigen Dachauer Christkindlmarkt: "Wenn es machbar ist, dann machen wir das auch."

© SZ vom 04.09.2020

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