Busfahrgäste in Dachau müssen sich in den nächsten Tagen auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat zum mehrtägigen Warnstreik in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg aufgerufen. Von Mittwoch, 18. März, bis Samstag, 21. März, legen auch die Fahrerinnen und Fahrer der Stadtbusse in Dachau die Arbeit nieder. Das sind die roten Busse, die nur im Dachauer Stadtgebiet unterwegs sind und zum Verkehrsbetrieb der Stadtwerke gehören. Die betroffenen Linien sind: 719, 720, 722, 724, 726 und 744. Die MVV-Regionalbusse (Linien X201, X800, 291, 704, 705, 710, 721, 725 und 727) sowie die S-Bahnen fahren dagegen regulär.
Am Mittwoch werden voraussichtlich gar keine Stadtbusse verkehren, wie die Stadtwerke Dachau mitteilen. Für Donnerstag und Freitag prüfe man, ob ein „Notfahrplan“ eingerichtet werden könne, um ein „eingeschränktes Busangebot“ aufrechtzuerhalten. Am Samstag soll der Betrieb wieder anlaufen. „Ob und in welchem Umfang Busse fahren können, hängt maßgeblich davon ab, wie viele Fahrerinnen und Fahrer ihren Dienst antreten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Stadtwerke raten Fahrgästen, „sich frühzeitig über alternative Fahrtmöglichkeiten zu informieren, Fahrgemeinschaften zu bilden oder – wenn möglich – Homeoffice zu nutzen“.
Die Stadtwerke beschäftigen rund 70 Busfahrerinnen und Busfahrer. Zuletzt hatten sich diese Ende Februar an einem bayernweiten Warnstreik beteiligt. Dass sie jetzt erneut die Arbeit niederlegen, liegt daran, dass sich Verdi und der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) in der aktuell laufenden Tarifauseinandersetzung kaum annähern. Aktuell läuft die vierte Verhandlungsrunde. Am Montag, 23. März, kommen beide Parteien erneut zusammen.
Die Gewerkschaft fordert eine Lohnerhöhung von knapp 670 Euro pro Monat, eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden sowie höhere Zuschläge etwa für Wochenenddienste. Die Arbeitgeber weisen diese Forderungen als zu hoch zurück und verweisen auf die schlechte Finanzlage der Kommunen.
Stadt, Landkreis und Stadtwerke finanzieren den Linienbusverkehr im Dachauer Stadtgebiet gemeinsam. Laut dem Dachauer Stadtwerke-Chef Robert Haimerl würden sich die Personalkosten des städtischen Versorgers um 36,8 Prozent erhöhen, sollte sich Verdi mit den Forderungen durchsetzen. „Das ist mit der finanziellen Realität von Stadt, Landkreis und den Stadtwerken nicht vereinbar“, sagt Haimerl.
Die Mehrkosten müssten durch öffentliche Mittel kompensiert werden. „Wir schätzen die tägliche Leistung unserer Fahrerinnen und Fahrer sehr“, sagt Haimerl. Doch derartige Steigerungen würden zwangsläufig zu einer Debatte über die Reduzierung des Verkehrsangebots führen, was das Ziel einer nachhaltigen Mobilitätswende in der Region massiv gefährden würde.
Gewerkschafter Taoufik Mnasri ist wie bei den vergangenen Streiks auch dieses Mal Streikleiter in Dachau. Er ist hier selbst Busfahrer. Das Argument der leeren öffentlichen Kassen, wie von Haimerl vorgetragen, lässt der Verdi-Mann nicht gelten. „Wir fahren Menschen, das ist auch Verantwortung. Und wir verdienen weniger als Lkw-Fahrer“, sagt er.
Neben einer besseren Bezahlung fordert Verdi auch eine geringere Arbeitszeit. In einigen Bundesländern habe man sich schon auf 37 Stunden Wochenarbeitszeit geeinigt, sagt Mnasri, in Bayern aber nicht, hier gelten noch 38,5 Stunden. Die Wechselschichten dauerten fünf, manchmal auch sechs Tage, Feiertage, Wochenenden und Nachtschichten inklusive, dann gebe es einen oder zwei Tage frei. „Dafür fordern wir eine faire Bezahlung“, so Mnasri.



