Nachruf:Der "Burgen-Michi" ist tot

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Auch auf dem Kirchberg von Oberumbach hat Burgenforscher Michael Losse an den Resten einer alten Anlage geforscht. (Foto: Niels P. Jörgensen)

Der renommierte Burgenforscher Michael Losse, der auch im Landkreis Dachau Untersuchungen durchführte, ist überraschend im Alter von 62 Jahren gestorben.

Am vergangenen Wochenende wollte Michael Losse eigentlich mal wieder in den Landkreis Dachau kommen, um hier Spuren von Burgen, Wehranlagen und Relikten alter Festungsbauten zu suchen. Doch kurz davor kam die traurige Nachricht, dass der renommierte Burgenforscher überraschend am 1. Februar im Alter von 62 Jahren gestorben ist.

Der "Burgen-Michi", wie er von vielen genannt wurde, hatte seinen Wohnsitz im baden-württembergischen Singen, seine zweite Heimat aber war in den vergangenen Jahren der Landkreis Dachau. "Vielen der Archäologie- und Heimatinteressierten hier war er ein aufmerksamer und inspirierender Kollege, Forscher und vielen auch ein Freund", schreibt Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter in einem Nachruf. Aus spontan geschlossenen Bekanntschaften sei häufig eine Freundschaft geworden, "die er aufmerksam und feinfühlig pflegte".

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Erst im März vergangenen Jahres hatte Michael Losse den Erchana-Saal im Ludwig-Thoma-Haus in Dachau bis auf den letzten Platz gefüllt, als er einen Vortrag über Burgen und Schlösser im Landkreis hielt. Dabei hatte er zum Vergleich auch die ungemein wehrhaften Burgen Griechenlands herangezogen - ein weiterer Schwerpunkt seiner vielseitigen wissenschaftlichen Tätigkeit.

Studiert hatte Michael Losse Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik und Pädagogik an der Marburger Universität. Dort arbeitete er danach als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter, später wirkte er als Dozent an der Universität Kaiserslautern. 1997 promovierte er über die Rheinbrücken der wilhelminischen Zeit bei Professor Schütte in Marburg. Seit 1999 brachte er sein Wissen als freier Dozent, Autor, Gutachter und Forscher in zahlreichen Publikationen und Vorträgen ein, auch im Landkreis Dachau.

Seine Erscheinung war außergewöhnlich für die Historiker-Szene

Die Dachauer Kreisheimatpflegerin Birgitta Unger-Richter erinnert sich an ihre erste Begegnung mit Michael Losse: "Vor mir stand ein bärtiger großgewachsener Mann mit Strickmütze, Heavy-Metal-T-Shirt und einem großen Rucksack voller Bücherschätze. So außergewöhnlich wie seine Erscheinung, waren seine vielfältigen Interessen, zu denen in letzter Zeit auch die bayerische Heimatliteratur zählte."

Im Landkreis Dachau werde man seine Beiträge zur Lokalgeschichte vermissen, ist Birgitta Unger-Richter überzeugt, es seien für dieses Jahr noch einige Projekte geplant gewesen. Bleiben aber werden seine Artikel für die Zeitschrift Amperland, die Röhrmooser Heimatblätter oder die Chronik Erdweg. "Bleiben werden auch die Erinnerungen an die Begegnungen mit einem besonderen Menschen", sagt Helmut Rumrich, der zweite Vorsitzende beim Förderverein Röhrmooser Heimatblätter. Rumrich hatte die Dachauer Heimatforscher vom Tod Michael Losses in Kenntnis gesetzt.

Über ihn lässt Michael Losses Witwe den Bewohnern im Landkreis Dachau ausrichten, dass ihr Mann hier vielen Menschen sehr dankbar für ihre offenen Herzen gewesen sei.

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