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Nachruf:"Er hat die Bücherei zu dem gemacht, was sie heute ist"

Der Unterschleißheimer Steffen Mollnow leitete die Dachauer Stadtbücherei seit 15 Jahren kompetent und mit viel Einsatz. Nun ist er mit nur 43 Jahren gestorben.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Stadt Dachau trauert um Steffen Mollnow. Der Leiter der Stadtbücherei ist mit nur 43 Jahren gestorben.

Von Julia Putzger, Dachau

Der Schock sitzt tief: Im Alter von nur 43 Jahren ist der langjährige Leiter der Dachauer Stadtbibliothek, Steffen Mollnow, nach langer und schwerer Krankheit am vergangenen Samstag gestorben. Der Familienvater, der in Unterschleißheim lebte, lässt seine Frau und zwei Söhne zurück.

Bereits seit 2005 war Steffen Mollnow als Bibliotheksleiters für die Stadt Dachau tätig. Zuvor hatte er Kunst- und Bibliothekswesen studiert und für den Sankt Michaelsbund, ein katholisches Medienhaus und bayerischer Büchereiverband, gearbeitet. Dass damals bei der Neubesetzung der Stelle des städtischen Bibliotheksleiters die Wahl auf den jungen Bibliothekar fiel, bezeichnet Kulturamtsleiter Tobias Schneider als "absoluten Glücksgriff". "Wir hätten uns niemanden besseren wünschen können." Schneider, der selbst erst ein Jahr vor Mollnow in die Dienste der Stadt trat, arbeitete viel und sehr eng mit dem Bibliotheksleiter zusammen: "Er war jemand, der für seinen Job gebrannt hat und immer zur Stelle war. Die Bibliothek war wirklich seine Leidenschaft, das ging über einen normalen Job hinaus."

"Seine Bürotür hat er immer offen gehabt"

Schneider beschreibt Steffen Mollnow als stets gut gelaunten und optimistischen, weltoffenen und unvoreingenommenen Menschen. Weiter lobt er den Verstorbenen als zupackend und kompetent und beschreibt ihn als jemanden, der innerhalb kürzester Zeit Konzepte für seine Ideen ausarbeitete. "Ich weiß noch, als die Stadt das Postschulareal gekauft hatte, aber man noch nicht genau wusste, was dort entstehen soll. Da sind wir eines Tages zusammen hingefahren und reingegangen, um zu überlegen, ob das vielleicht etwas für die Bibliothek sein könnte. Und schon nach den ersten Schritten sagte er: Das ist eine Bücherei! Anscheinend über Nacht hat er dann ein Konzept dafür ausgearbeitet", erzählt der Kulturamtsleiter. Nachdem die Stadträte von Mollnows Idee überzeugt waren, siedelte die Stadtbücherei schließlich in ihr heutiges Quartier um.

Was Steffen Mollnow in seinen 15 Jahren als Bibliotheksleiter alles vollbrachte, lässt sich an dieser Stelle nicht lückenlos aufzählen. "Er hat die Bücherei auf ihren Weg in die Zukunft und an den Puls der Zeit gebracht, sie ist im 21. Jahrhundert angekommen", würdigt Schneider die Leistungen des Verstorbenen. Unter Mollnow entstand nicht nur die neue Hauptstelle am Max-Mannheimer-Platz, sondern es wurden digitale Angebote ins Programm genommen, die Onleihe eingeführt und Streaming-Angebote etabliert. Mollnows Vision der Dachauer Stadtbücherei war die eines Begegnungsortes. Das zeigte sich auch in den verschiedenen, von ihm mitentwickelten Veranstaltungen wie dem Literaturfestival.

"Die Bücherei ist Herr Mollnow"

Auch die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter lagen dem langjährigen Bibliotheksleiter am Herzen. Eine von ihnen, Barbara Bayer, kann das nur bestätigen. Seit mittlerweile mehr als 20 Jahren hilft sie in ihrer Freizeit in der Bibliothek, sie kannte Steffen Mollnow von Beginn an: "Herr Mollnow war sehr kompetent und zu uns Ehrenamtlichen immer fair, wertschätzend und auf Augenhöhe. Wenn es Veränderungen gab, dann hat er auch uns mit einbezogen." Sein Führungsstil habe die besondere Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Dachauer Stadtbücherei erst ermöglicht. "Seine Bürotür hat er immer offen gehabt", erzählt Barbara Bayer.

Der Verlust schmerzt viele Menschen, da ist sich Bayer sicher: "Die Bücherei ist Herr Mollnow. Ohne ihn wären wir jetzt nicht dort, wo wir sind. Er hat die Bücherei zu dem gemacht, was sie heute ist."

© SZ vom 06.08.2020

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