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Brauereien in Dachau:Das Bier fließt noch

Private Brauerein wie die Schlossbrauerei Odelzhausen leiden unter der derzeitigen Krise, sind aber nicht existenzbedroht.

(Foto: Toni Heigl)

Anders als vielen anderen Unternehmen im Landkreis geht es den privaten Brauereien trotz Coronakrise noch gut. Umsatzeinbrüche fürchten aber auch sie.

Von Mona Marko, Dachau

Kaum eine Branche bleibt derzeit von der Coronakrise verschont und auch die privaten Brauereien im Landkreis Dachau müssen sich wohl gegen Umsatzeinbußen wappnen. Immerhin fallen die Lieferungen an Gastronomiebetriebe fast vollständig weg. Aber auch die unzähligen Absagen von Volksfesten, Burschenfeiern und Sportveranstaltungen sowie der Start der Biergartensaison, der sich wohl verspäten wird, bringen Probleme mit sich.

Die kleinen privaten Brauereien im Landkreis Dachau scheinen die aktuelle Situation, jedoch im Griff zu haben. Tobias Socher vom Tobiasbräu in Markt Indersdorf sagt auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung: "Wir haben Gott sei Dank nur wenige Gastronomiebetriebe, die wir beliefern. Normalerweise ist das ja schlecht für eine Brauerei, zurzeit ist das jedoch von Vorteil, dass wir nicht von vielen Gasthöfen abhängen."

Indersdorf Ried Bumbauerhof Tobiasbräu Tobias Socher Foto: Jørgensen

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Mit Fassbier geht zurzeit gar nichts"

Erst 2007 gründete Socher den Tobiasbräu. Aus seinen Zapfhähnen fließt Helles und Märzen. "Ich mache das Ganze seither nur nebenberuflich und muss zum Glück nicht davon leben. Deshalb wäre auch meine Existenz nicht davon betroffen, wenn es wirklich zu einem Umsatzloch kommt", erklärt Socher. Hauptberuflich arbeitet der gelernte Brau- und Malzmeister in einer Großbrauerei. Doch auch für Socher verändert sich durch die Coronakrise einiges: Er hat für die 900-Jahrfeier des Klosters Indersdorf Bier gebraucht. Die Veranstaltungen, die zwischen dem 15. März und 12. April hätten stattfinden sollen, wurden jedoch zwischenzeitlich wie alle übrigen Großveranstaltungen abgesagt. "Jetzt muss ich das Bier halt als Flaschenbier verkaufen - mit Fassbier geht zurzeit nämlich gar nichts."

Würde das Fassbier auch im Sommer wegfallen, so würde es auch für Socher knapp werden, prognostiziert er. Trotzdem ist der Markt Indersdorfer positiv gestimmt: "Aktuell läuft alles recht gut, man muss jetzt natürlich erst mal abwarten", sagt der Braumeister. Mitarbeiter hat er keine, er schmeißt die Brauerei alleine und hat daher einen erheblichen Vorteil gegenüber privaten Brauereien, die sich aktuell auch um ihr Personal kümmern müssen.

Das Starkbier "Operator", für das die Schlossbrauerei Odelzhausen berühmt ist, wird Hans Eser in diesem Jahr kaum los, weil Feste ausfallen.

(Foto: Toni Heigl)

Das ist der Fall beim Kapplerbräu in Altomünster. Viele der Mitarbeiter mussten in den Urlaub oder Überstunden abbauen. "Zum Glück sind wir nicht von vielen Wirtschaften abhängig, da die Anzahl der Gastronomien, die wir beliefern, klein ist", erklärt Wilhelm Wiedemann, Geschäftsführer der Brauerei. "Schlimmer treffen uns die Absagen von Festen und Veranstaltungen." Auch das Indersdorfer Volksfest und diverse Burschenfeiern, die allesamt abgesagt wurden, hätte der Käpplerbräu mit seinem Bier beliefert.

Ähnlich ergeht es auch der Schlossbrauerei Odelzhausen, die seit mehr als 100 Jahren in Familienbesitz ist. Das Traditionsunternehmen ist berühmt für ihr Starkbier den "Operator". Weil die Starkbiersaison aufgrund der Coronakrise in diesem Jahr mehr oder weniger ausfällt, weiß auch Braumeister Hans Eser nicht so recht, wohin mit all dem Starkbier. Existenzbedrohend wird es wohl auch für ihn nicht, ein gutes Jahr aber wird es sicherlich auch nicht.

Georg Rittmayer, Präsident des Verbandes der privaten Brauereien in Bayern, ist sich dem Ernst der Lage bewusst: "Wenn die Feste ausfallen, wird das ein Loch reißen." Viele Brauereien müssten aufgrund dessen auf Flaschenabfüllung umstellen - doch auch das sei kein Allheilmittel. Der Bayerische Brauerbund, Standesvertretung für die eher größeren und mittelständischen Brauereien hat in einer Schnellumfrage ermittelt, dass auch der Flaschenverkauf rückläufig ist. "Wir befürchten, dass in den kommenden Wochen Gastronomen, aber auch Brauereien den Kampf ums Überleben verlieren werden", erklärt Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes.

Geschmückte Pferdekutsche von Kapplerbräu in Altomünster, 2006

Die Brauerei Kapplerbräu wird in diesem Jahr wohl an keinem Festzug teilnehmen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wiedemann vom Kapplerbräu in Altomünster hat jedoch keine Zukunftsängste: "Natürlich trifft das auch uns hart, aber ich denke, dass wir das schon aushalten." Und auch Kleinbrauer-Präsident Rittmayer hält die Situation für die meisten bayerischen Brauereien trotz allem nicht für existenzbedrohend: "Eine gesunde Brauerei kann das ein paar Wochen durchstehen", ist er überzeugt.

Um den Brauereien, die Unterstützung benötigen, unter die Arme zu greifen, kommen nun Bund und Land mit einer Stundungsmöglichkeit der Biersteuer zur Hilfe. Das Bundesfinanzministerium und die Finanzministerien der Länder haben sich darauf geeinigt, dass Brauereien die Biersteuer später zahlen können. Die Maßnahme soll die Liquidität verbessern und Arbeitsplätze schützen. Bis zum 31. Dezember könnten die Stundungsanträge für bis zu diesem Zeitpunkt bereits fällige oder fällig werdende Steuern gestellt werden.

© SZ vom 08.04.2020
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