Süddeutsche Zeitung

Dachau/Berlin:Riedle verlässt KZ-Gedenkstätte

Die Historikerin wird Direktorin der Stiftung Topografie des Terrors

Die wissenschaftliche Abteilungsleiterin und stellvertretende Leiterin in der KZ-Gedenkstätte Dachau, Andrea Riedle, wechselt im kommenden Jahr an die Berliner Stiftung Topografie des Terrors. Die 46-jährige Historikerin und Politikwissenschaftlerin folgt dem langjährigen Direktor Andreas Nachama nach, der Ende November in den Ruhestand tritt, wie die Berliner Kultursenatsverwaltung am Donnerstag bekannt gab. Ihre neue Arbeitsstätte, die Dokumentations- und Forschungsstätte, befindet sich auf dem Gelände der früheren Terrorzentrale der Nationalsozialisten in Berlin. Im vergangenen Jahr hatte sie mehr als 1,3 Millionen Besucher.

Riedle stammt aus Plochingen in Baden-Württemberg. Sie studierte Neuere Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen und Exeter. An der Freien Universität Berlin erwarb sie den Doktortitel mit einer Dissertation zum Thema "Die Angehörigen des Kommandanturstabs im KZ Sachsenhausen. Sozialstruktur, Dienstwege und biografische Studien". Von 2009 bis 2011 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der "Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkstätten im Berliner Raum" tätig, bevor sie 2012 in die KZ-Gedenkstätte Dachau der Stiftung Bayerische Gedenkstätten wechselte. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Riedle als Expertin in der Gedenkstättenarbeit. Die Bundeskulturbeauftragte wertete die Berufung einer Frau an die Spitze einer der wichtigen Einrichtungen zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus als wichtiges Signal auch über die Gedenkstättenlandschaft hinaus. Der Berliner Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) nannte Riedle eine gut vernetzte Historikerin und fachlich versierte Wissenschaftlerin. Sie habe bewiesen, dass sie komplexe historische Themen in Dauer- und Sonderausstellungen publikumswirksam aufbereiten könne.

Die Stiftung Topografie des Terrors befindet sich neben der Ausstellungsstätte Martin-Gropius-Bau und unweit des Potsdamer Platzes. Auf dem Gelände waren von 1933 bis 1945 das Geheime Staatspolizeiamt mit eigenem "Hausgefängnis", die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst (SD) der SS und während des Zweiten Weltkriegs auch das Reichssicherheitshauptamt angesiedelt.

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Quelle:
SZ vom 03.08.2019 / kna
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