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Dachau:"Die Sprache ist die Eintrittskarte"

Eine italienische Flagge hängt an einem Balkon in Karlsfeld.

(Foto: Toni Heigl)

Raffaele Orgiana hat eine Beratungsstelle für Italiener im Landkreis aufgebaut, um ihnen die Integration zu erleichtern.

Von Eva Waltl, Dachau

Raffaele Orgiana kommt aus Italien. Er lebt seit 32 Jahren im Landkreis Dachau. Integrieren konnte er sich gut. Die deutsche Sprache beherrscht er ebenfalls gut, wenn auch mit unverkennbar italienischem Akzent. Ihm ist es wichtig, seinen Landsleuten eine ebenso gute Integration zu ermöglichen. Nun gibt es im Landkreis eine Beratungsstelle in italienischer Sprache. Orgiana leitet sie, leistet wichtige Unterstützung vor allem für Italiener, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und trägt Italien damit unaufhörlich in seinem Herzen.

SZ: Woher stammt die Idee, eine Beratungsstelle in italienischer Sprache im Landkreis Dachau anzubieten?

Raffaele Orgiana: Ich engagiere mich schon sehr lange ehrenamtlich im Landkreis Dachau und helfe Italienern, die hier und im Umland leben. In der Vergangenheit konnte ich die Menschen in der Korneliuskirche in Karlsfeld und im Bürgertreff der Gemeinde Karlsfeld empfangen. Mit Beginn der Pandemie waren aber keine persönlichen Treffen mehr möglich. Die Beratung fand von da an telefonisch statt und das war zu wenig. Daher suchte ich erneut nach einem Platz, um die Menschen wieder persönlich empfangen zu können. Vom Bürgerverein für Dachau-Ost erhielt ich nun die Möglichkeit, die Beratung zu organisieren. Ich freue mich, dass ich nun seit dem 12. Juni die Möglichkeit habe, an drei Samstagen im Monat Menschen im Bürgertreff in Dachau zu empfangen und zu beraten.

Raffaele Orgiana ist im Herzen ein stolzer Italiener, aber er hat auch viele Freunde aus anderen Nationen und fühlt sich im Landkreis Dachau sehr wohl.

(Foto: oh)

Seit knapp drei Wochen laufen nun die Beratungen in Dachau. Wie ist Ihr erster Eindruck?

Die Nachfrage ist hoch und die Beratung wird gut angenommen. Während der Pandemie konnte ich einen Zulauf italienischer Staatsbürger im Landkreis Dachau erkennen. In Italien geht es seit Beginn der Pandemie leider drunter und drüber, aber ob es in Deutschland unbedingt besser ist, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Die Menschen stehen dann oftmals vor Problemen mit dem Ausfüllen von Behördenformularen. Ich helfe ihnen, Anträge beispielsweise auf Wohngeld oder Arbeitslosengeld auszufüllen. Und wenn jemand seine Arbeit verliert, versuche ich, auch hier zu vermitteln. Das gelingt im persönlichen Kontakt sehr viel besser als telefonisch.

Wie lebt es sich als Italiener im Landkreis Dachau?

Es lebt sich sehr gut hier. Ich persönlich fühle mich sehr gut integriert. Ich habe einen großen Bekanntenkreis, der aus Menschen verschiedener Nationalitäten besteht. Es spielt für mich auch keine Rolle, ob mir ein Italiener oder ein Deutscher gegenübersitzt. Aber im Herzen bin ich natürlich stolzer Italiener.

Konnten Sie in der langen Zeit, in der Sie hier leben, einen positiven Trend im interkulturellen Austausch zwischen Italien und Deutschland feststellen? Vielleicht auch aufgrund Ihrer Beratungstätigkeit?

Auf jeden Fall. Der Austausch und das Verständnis für die andere Kultur sind sehr wichtig und führt zu einer positiven Entwicklung der Beziehung. Es beginnt schon damit, dass ich Informationstage über das deutsche Schulsystem organisiere. Gerade versuche ich, einen Deutschkurs für Italiener auf die Beine zu stellen, denn die Sprache ist fundamental. Sprache führt zu Integration. Sie ist der erste unumgängliche Schritt. Sprache ist gewissermaßen die Eintrittskarte. Ich kenne aber auch Migranten, die die Sprache nie erlernt haben und das finde ich besonders schade, weil dann immer ein Stück Integration fehlt. Mir liegt es deswegen besonders am Herzen, dass Deutschkurse auf ehrenamtlicher Basis stattfinden können.

Was sind Ihre Zukunftswünsche für die italienischsprachige Beratung?

Mein Wunsch ist es, Kontakt mit den verschiedenen Behörden und Einrichtungen herzustellen. Das würde meine Beratungstätigkeit sehr vereinfachen und ich könnte die Menschen entsprechend weitervermitteln. Gerade konnte ich einen Kontakt beim Ausländermeldeamt des Landratsamts herstellen. Das ist ein erster Erfolg.

© SZ vom 07.07.2021
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