Wohnen in der RegionDachaus taktischer Bauturbo

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Die Stadt Dachau baut neue Wohnungen am Otto-Kohlhofer-Weg in Dachau-Ost. Objekte dieser Größe könnten künftig schneller genehmigt werden.
Die Stadt Dachau baut neue Wohnungen am Otto-Kohlhofer-Weg in Dachau-Ost. Objekte dieser Größe könnten künftig schneller genehmigt werden. Johannes Simon
  • Die Stadt Dachau will den neuen „Bauturbo" gezielt für große Wohnbauprojekte ab sechs Wohneinheiten nutzen, um Planungsziele schneller umzusetzen.
  • Das seit Oktober 2025 geltende Gesetz ermöglicht es, Wohnungsbauprojekte innerhalb von zwei Monaten ohne klassischen Bebauungsplan zu genehmigen.
  • Für private Hausbauer ändert sich jedoch wenig, da die Praxis hauptsächlich bei Investorenprojekten greifen soll und strenge städtebauliche Vorgaben gelten.
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Die Stadt Dachau will das neue Gesetz gezielt nutzen, um große Wohnbauprojekte schneller auf den Weg zu bringen. Für private Bauherren wird sich dagegen wenig ändern.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Als eine der ersten Kommunen im Münchner Umland bereitet die Stadt Dachau den Einsatz des „Bauturbos“ vor – allerdings nur in begrenztem Rahmen nach strengen städtebaulichen Vorgaben. Bauleiter Moritz Reinhold betrachtet das neue Gesetz vor allem als „strategisches Instrument“, um Planungsziele der Stadt schneller umzusetzen – etwa die Bebauung des MD-Geländes. Einen weiteren Wachstumsschub soll der Bauturbo in Dachau nicht entfesseln. Denn schon jetzt stößt die Stadt an ihre Grenzen, insbesondere bei der Bereitstellung von Kita-Plätzen in nachverdichteten Wohngebieten.

Seit Oktober 2025 ist das neue „Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung“ in Kraft. Es ermöglicht Städten und Gemeinden, Wohnungsbauprojekte deutlich schneller zu genehmigen – in der Regel innerhalb von nur zwei Monaten und ohne klassischen Bebauungsplan. Ziel ist es, die oft jahrelangen Planungs- und Genehmigungsverfahren zu verkürzen und so schneller neuen Wohnraum zu schaffen, beispielsweise durch Aufstockung von Gebäuden. Noch zögern viele Kommunen, das neue Gesetz anzuwenden. Manche wollen erst einmal im „Umsetzungslabor Bau-turbo“ testen, wie sich das Gesetz lokal auswirken würde.

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Auch der Chef der Dachauer Bauverwaltung, Moritz Reinhold, sieht das neue Modell zwiespältig: Die Beschleunigung sei positiv, sagt er, das Gesetz berge aber auch Risiken für Fehlentwicklungen, „die einem später auf die Füße fallen“ können. Bislang entscheidet die Bebauung in der unmittelbaren Nachbarschaft, wie dicht und hoch man bauen darf. Mit dem Bauturbo wäre es möglich, in einen Straßenzug ein vierstöckiges Gebäude zu setzen. „Dieser Bezugsfall hat Konsequenzen“, warnt Reinhold. Denn das neue hohe Gebäude wäre kein „Ausreißer“, sondern würde den Maßstab für alle künftige Bauprojekte in dem Gebiet setzen.

Für private Hausbauer ändert sich wenig

Wolfgang Moll von der Wählergruppe „Wir“ plädierte im Bauausschuss dafür, die Chancen des neuen Gesetzes zu nutzen. Es könne Dachauer Familien helfen, ihre Häuser für die nächste Generation zu erweitern. Das wies der Bauamtsleiter jedoch als „romantische Vorstellung“ zurück. „Es sind Investorenprojekte, die hier zum Tragen kommen“, stellte er klar. In Dachau soll der Bauturbo erst für Gebäude ab sechs Wohneinheiten gelten. Einen Freibrief für Investoren bedeutet das nicht: Die Verfahren würden zwar beschleunigt, so Reinhold, das „materielle Baurecht“ bleibe jedoch unangetastet.

Damit die Entwicklung in geregelten Bahnen verläuft, hat die Stadt zahlreiche „Leitplanken“ eingezogen: So müssen Bauherren eine vollständige Planung vorlegen und einen städtebaulichen Vertrag abschließen, der die Ziele und Vorgaben der Stadt berücksichtigt; dazu gehören etwa soziale und ökologische Standards. Im Außenbereich soll der Bauturbo nur in begründeten Ausnahmefällen Anwendung finden und in Gewerbegebieten überhaupt nicht. Die Stadt will damit verhindern, dass gewerbliche Flächen dem Wohnungsbau zum Opfer fallen.

„Wir müssen für die Entscheidungen geradestehen.“

Der so gedrosselte Bauturbo stieß bei den Mitgliedern im Bauausschuss parteiübergreifend auf Zuspruch. Kritik entzündete sich allerdings am Vorschlag, die Genehmigungen verwaltungsintern abzuwickeln – ohne Beteiligung des Bauausschusses. Das missfiel vor allem der CSU-Fraktion. „Warum sollten wir uns aus der Verantwortung ziehen?“, fragte Gertrud Schmidt-Podolsky. Die Zahl der Bauanträge sei nicht übermäßig groß. „Außerdem müssen wir vor den Bürgern für die Entscheidungen geradestehen.“

Es gehe um Schnelligkeit und Effizienz, hielt Oberbürgermeister Florian Hartmann, SPD, dagegen. Wenn die Mitglieder des Bauausschusses darauf beharrten abzustimmen, kämen zusätzliche Sitzungstermine auf die Mitglieder des Bauausschusses zu, möglicherweise sogar in den Sommerferien. Nach den Regeln des Bauturbos ist ein Bauantrag nämlich automatisch genehmigt, wenn er nicht binnen dreier Monate abgelehnt worden ist.

Bündnis-Stadtrat Kai Kühnel plädierte für einen Kompromiss:  Einmal im Jahr solle das Bauamt einen Bericht vorlegen, was genehmigt worden sei. Dies mache das Vorgehen der Verwaltung  „transparent“ und sei für alle Seiten praktikabel.

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