Mitten in Dachau:Krapfen, die die Welt verändern

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Mitten in Dachau: Der Impf-Krapfen der Bäckerei Wörmann: Der QR-Code ist auf Esspapier gedruckt

Der Impf-Krapfen der Bäckerei Wörmann: Der QR-Code ist auf Esspapier gedruckt

(Foto: Thomas Radlmaier)

Die Bäckerei Wörmann aus Niederroth verkauft neuerdings Impf-Krapfen. Für die einen ist es ein Gag, für die anderen der Weg aus der Pandemie.

Glosse von Thomas Radlmaier, Dachau

Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Dachau ist in Höhen geschossen, die bis vor Kurzem noch unvorstellbar waren. Gleichzeitig stagniert die Impfquote, weil zu viele Egoisten noch immer glauben, dass der gute alte Körper mit dem Virus schon fertig werden wird und ihre Gehirne den Gedanken verweigern, dass sie mit dieser Bockigkeit sich selbst und andere gefährden. Viele fragen sich: Wie, um Himmels Willen, soll diese verdammte Seuche so jemals zu Ende gehen?

Hier kommt eine Vision: Sommer 2022. Landrat Stefan Löwl (CSU) und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklären vor versammelter Weltpresse, dass das Virus im Landkreis ausgerottet werden konnte. Das Dachauer Land hat eine Impfquote von 100 Prozent erreicht. Nirgendwo auf dem Planeten sind mehr Menschen immunisiert. Dann präsentieren Löwl und Lauterbach den Kameras den Grund für die Herdenimmunität im Landkreis: einen Krapfen.

Leberkas-Krapfen, Goaßmass-Krapfen, Impf-Krapfen - alles ist möglich

Dieser hat es in sich. Bäckerei Wörmann aus Niederroth hatte den König der Krapfen im Winter 2021/22 erschaffen: In seinem Inneren eine goldene Eierlikör-Pudding-Masse, die Crème de la Crème aller Füllungen. Eine Zuckerglasur und ein QR-Code mit einer feinen Note Marzipan bedecken sein Haupt. Es ist ein Krapfen mit essbarem Impfzertifikat, ausgestellt am 11.11.2021, Faschingsanfang.

Was dann geschah, überraschte sämtliche Experten. Ein Impfskeptiker aß den Krapfen. Anders als er vermutet hatte, schmeckte ihm die teigige Impf-Imitation. Er war so begeistert davon, dass er sich nun doch impfen ließ. Anschließend postete er sein Erlebnis auf Telegram. Es ging viral. Die Welle von Impfskeptikern, welche die Impfzentren stürmten, rollte. Die Rede war vom Krapfen-Booster. Die Pandemie war besiegt. Ende der Vision.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Krapfen die Welt verändern würde: Nachdem ein Oberbayer den Leberkas-Krapfen erfunden hatte, erschuf ein Niederbayer den Goaßmass-Krapfen. Der Bäckergeselle schnitt den Krapfen in zwei Hälften, tauchte sie in Goaßmass, strich eine Creme aus Vanillepudding hinein und setzte eine Likörkirsche obendrauf. Die Kreation war so schlüssig, dass auch die Bäckerei Wörmann einen Goaßmaß-Krapfen verkaufte. Mit dem Krapfen kehrte damals eine längst vergessenes Gesöff wieder ins öffentliche Bewusstsein: die Goaßmass. Der Rest ist Geschichte.

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