Kunstausstellung in Dachau„Wir versuchen, uns die Welt mittels Bildern zu erklären“

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Margot Krottenthaler vor einer „Herde“ von Bildern in der Galerie der KVD.
Margot Krottenthaler vor einer „Herde“ von Bildern in der Galerie der KVD. (Foto: Toni Heigl)

In der Galerie der Künstlervereinigung Dachau (KVD) gibt es eine neue Ausstellung. Angekündigt ist sie als „transhermetisches Druckexperiment“. Was um Himmels willen soll das sein? Fünf Fragen an die Künstlerin Margot Krottenthaler.

Interview von Gregor Schiegl, Dachau

Florentine Kotter und Margot Krottenthaler trauen sich was: Nicht weniger als die „Erklärung der Welt im Kleinen, im Persönlichen und im Großen und Ganzen“ soll ihre Ausstellung „Die Welt buchstabieren“ leisten. Zwei Jahre lang haben die beiden Künstlerinnen intensiv an ihrem Projekt gearbeitet. Entstanden ist eine mehr als 120 Arbeiten starke Bilderwelt aus Linoldrucken. Ein kurzes Gespräch über Kunst, Wirklichkeit und die Grenzen menschlicher Erkenntnis.

Frau Krottenthaler, was ist das Besondere an Ihrer Ausstellung?

Margot Krottenthaler: Es ist selten, dass zwei Künstlerinnen zusammen eine ganze Ausstellung erarbeiten, jede hat so ihre eigenen Vorstellungen, was gut und gelungen ist. Wir waren zwei Jahre lange in einem intensiven Austausch, haben auch immer Wörter und Bilder hin und her gemailt. Das war sehr spannend und für mich persönlich auch total bereichernd. Ich kenne Florentine schon seit 25 Jahren. Als wir beschlossen haben, künstlerisch miteinander zu arbeiten, haben wir allerdings schnell gemerkt, dass wir eine gemeinsame Sprache benötigen – und das war der Linoldruck. Diese Technik bietet zum einen die Möglichkeit für Variationen. Zum anderen muss man eindeutige Entscheidungen treffen: Schwarz oder Weiß. Da gibt es kein Dazwischen. Es lässt sich danach auch nichts mehr kaschieren. Das ist der große Unterschied zu digitalen Bildern.

Angekündigt ist die Ausstellung als „transhermetisches Druckexperiment“. Ich habe das Fremdwörterbuch konsultiert und das Internet, bin aber auch nicht schlauer als zuvor.

Das liegt daran, dass ich mich gerne als Worterfinderin betätige. „Transhermetisch“ soll heißen, dass sich etwas öffnet und gleichzeitig verschließt: Im bildnerischen Ausdruck zeigst du als Künstlerin, wie du tickst, was du machst, was dich beschäftigt – du exponierst deine Gedanken. Es gibt aber auch das Hermetische in den Bildern, etwas, das sich dem Betrachter nicht ohne weiteres erschließt. Ein Geheimnis. Die Nuss, die nicht zu knacken ist. Und ich denke, das gilt für jedes Kunstwerk: Man versucht etwas auszudrücken, gleichzeitig bleibt ein Bild immer auch ein in sich geschlossenes System.

Zur Ausstellung gehören auch 68 Schwarzweiß-Drucke, bei denen Wort und Bild in einem gewissen Spannungsfeld stehen.
Zur Ausstellung gehören auch 68 Schwarzweiß-Drucke, bei denen Wort und Bild in einem gewissen Spannungsfeld stehen. (Foto: Toni Heigl)
„Die großen Blumen“ präsentieren sich, gedruckt in verschiedenen Farben, sehr verschieden.
„Die großen Blumen“ präsentieren sich, gedruckt in verschiedenen Farben, sehr verschieden. (Foto: Toni Heigl)
„Weltmaschine I“.
„Weltmaschine I“. (Foto: Toni Heigl)

Die Flut an Fotos, die heute gepostet wird, suggeriert oft das Gegenteil: dass die Bilder einem alles erzählen würden. 

Dieser Gedanke war auch für uns ein Ausgangspunkt unserer Arbeit. Auf Instagram gibt es endlose Bilderwelten, die sich ständig komplett überlagern – genauso wie wir es mit unseren Drucken auf den Bild-Tableaus gemacht haben. Die Frage ist: Verstehen wir durch diese vielen Bilder die Welt jetzt besser oder ist es eher verwirrend? Sind die Bilder, die uns gezeigt werden, echt oder ist es Fake? Was sehe ich da wirklich?

Können Sie als Künstlerin mehr leisten, als nur die Unübersichtlichkeit der Gegenwart abzubilden?

Der Schaffensprozess ist immer auch ein Versuch, Ordnung oder Sinnhaftigkeit herzustellen, eine Geschichte zu erzählen. Aber es ist nicht so ist, dass man die Welt einfach erklären oder lesen könnte. Es bleibt ein mühsames Buchstabieren wie bei einem Grundschüler. Daher auch der Titel der Ausstellung: „Die Welt buchstabieren.“ Weil wir mittels Bildern versuchen, uns die Welt zu erklären. Und dann natürlich auch immer wieder scheitern. Man hat vielleicht drei Buchstaben, aber die meisten Informationen fehlen einem. Den Rest muss man sich selbst irgendwie zusammenreimen. Es trotz allem immer wieder zu versuchen, ist die Kunst dabei.

Dieser Reim kann aber bei jedem anders aussehen.

Klar, das ist so. Auf einem unserer Tableaus ist ein Bildnis meiner Großmutter zu sehen, als sie noch jung war. Aber wer weiß das außer mir? Das ist ja auch der Reiz: dass jeder sich eine eigene Geschichte aus den Bildern erzählen lassen oder daraus lesen kann. Wir feiern in dieser Ausstellung die Vielfalt der Möglichkeiten.

„Die Welt buchstabieren“. Ausstellung von Florentine Kotterund Margot Krottenthaler in der Galerie der Künstlervereinigung Dachau, Konrad-Adenauer-Straße 20. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag, 16 bis 19 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr. Zu sehen bis 5. Oktober.

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