Unterbringung von GeflüchtetenAsylunterkünfte werden saniert

Lesezeit: 2 Min.

Die Unterkunft für Asylbewerber in der Dachauer Alte-Römer-Straße schaffte 2025 Platz für mehr als 400 Menschen. Sie wurde eröffnet, bevor der Rechenfehler des Innenministeriums bekannt wurde.
Die Unterkunft für Asylbewerber in der Dachauer Alte-Römer-Straße schaffte 2025 Platz für mehr als 400 Menschen. Sie wurde eröffnet, bevor der Rechenfehler des Innenministeriums bekannt wurde. Niels P. Jørgensen
  • Der Landkreis Dachau saniert bestehende Asylunterkünfte, statt sie wie bayernweit geplant um ein Viertel zu reduzieren.
  • Rund 1300 sogenannte Fehlbeleger finden trotz Aufenthaltsberechtigung keine eigene Wohnung auf dem angespannten Mietmarkt.
  • Viele der 2015/2016 errichteten Notunterkünfte sind nach fast zehn Jahren intensiver Nutzung sanierungsbedürftig geworden.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Während in Bayern die Anzahl der Unterkünfte für Asylbewerber um ein Viertel sinken soll, ist der Landkreis Dachau weiter damit beschäftigt, bestehende Anlagen instand zu setzen. Das liegt auch an einem Rechenfehler des Innenministeriums.

Von Jessica Schober, Dachau

SZ bei Google bevorzugen

Seit ein Rechenfehler bei der Verteilung von Asylbewerbern in der Region München bekannt wurde, ist der Landkreis Dachau damit beschäftigt, weiterhin Platz für Schutzsuchende bereitzustellen. 400 zusätzliche Menschen sollten seit August 2025 im Landkreis Dachau untergebracht werden, tatsächlich leben hier derzeit nur 31 Asylsuchende mehr als im Vorjahr. Anders als das bayerische Innenministerium für den gesamten Freistaat angekündigt hat, soll im Landkreis die Anzahl der Unterkünfte nicht um ein Viertel sinken.

Im August 2025 kam heraus, dass das Innenministerium jahrelang dem Landkreis Dachau zu wenige Asylsuchende und dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu viele Menschen zugewiesen hatte. Der Berechnungsfehler barg politische Sprengkraft. Knapp ein Jahr später teilt das Innenministerium zwar mit, dass bayernweit rund 42.000 Unterbringungsplätze reduziert werden sollen. Der Landkreis Dachau ist indessen damit beschäftigt, bestehende Anlagen zu sanieren. Das ist prekär für die Betroffenen: Ein Großteil der Geflüchteten wohnt nur deshalb in Sammelunterkünften, weil sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt in der Region München Diskriminierung erfahren.

1300 Fehlbeleger finden im Landkreis Dachau keine Wohnung

In den staatlichen Unterkünften im Landkreis Dachau stehen momentan insgesamt 2594 Betten zur Verfügung. Davon seien aufgrund von Sanierungen 2209 Betten nutzbar, teilt das Landratsamt mit. Derzeit sind 1702 Personen untergebracht. Vor einem Jahr waren es laut Landratsamt 1671 Menschen. Wegen des aktuellen Ankunftsgeschehens seien dem Landkreis nicht die angekündigten 400 zusätzlichen Geflüchteten zugewiesen, heißt es aus dem Landratsamt. Derzeit leben auch etwa 1300 sogenannte Fehlbeleger im Landkreis Dachau. So werden Personen bezeichnet, die mit ihrem aufenthaltsrechtlichen Status grundsätzlich in einer eigenen Wohnung leben könnten, auf dem angespannten Mietmarkt jedoch kein geeignetes Zuhause finden. Vor einem Jahr gab das Landratsamt noch an, dass 1161 Fehlbeleger im Landkreis lebten.

Der Landkreis Dachau stellt unterschiedliche Einrichtungen für Asylsuchende bereit. Dazu gehören 13 Container-Anlagen, zwölf Häuser, fünf Anlagen in Holzständerbauweise, vier Wohnanlagen und acht Wohnungen. Zuletzt wurde im Juni ein Erweiterungsbau der Gemeinschaftsunterkunft in der Rieder Straße in Markt Indersdorf neu eröffnet. Dieser ist notwendig, um zusätzlich zugewiesene Menschen aufnehmen zu können und gleichzeitig Ausweichkapazitäten für dringend erforderliche Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen an bestehenden Gemeinschaftsunterkünften zu schaffen. Aus dem Dachauer Landratsamt heißt es: „In den kommenden Monaten liegt der Schwerpunkt auf der Sanierung bestehender Unterkünfte sowie auf Ersatzneubauten, insbesondere für ältere Containeranlagen. Die Schaffung zusätzlicher Unterbringungskapazitäten steht derzeit nicht im Vordergrund.“

Landrat spürt weniger „Zuweisungsdruck“

Landrat Stefan Löwl (CSU) betonte bei der Eröffnung des Erweiterungsbaus, dass sich die Situation bei den Zuweisungen entspannt habe: „Der Zuweisungsdruck hat spürbar nachgelassen, beziehungsweise ist in den vergangenen Monaten praktisch nicht mehr vorhanden.“ Viele Notunterkünfte, die während der Fluchtbewegung 2015 und 2016 errichtet wurden, seien nach fast zehn Jahren intensiver Nutzung sanierungsbedürftig. Vor allem die damals lediglich für eine Betriebsdauer von fünf bis sechs Jahren ausgelegten Gebäude müssten nun Schritt für Schritt instand gesetzt oder durch dauerhafte Lösungen ersetzt werden. Drei kleine Unterkünfte mit weniger als 15 Bewohnern in Pfaffenhofen an der Glonn, Schwabhausen und Hilgertshausen-Tandern sollen aufgelöst werden.

Die Auslastung der Quartiere unterliegt regelmäßigen Schwankungen. Bei der Belegungsplanung achte die Unterkunftsverwaltung darauf, dass die Zusammensetzung der Bewohnerinnen und Bewohner möglichst gut zueinander passe, teilt das Landratsamt mit. So würden einer dreiköpfigen Familie beispielsweise zwei Zimmer mit insgesamt vier Betten zugewiesen. Das vierte Bett bleibe in diesem Fall bewusst frei. Auch Schichtarbeitende würden nach Möglichkeit nicht mit Personen untergebracht, deren Tagesrhythmus stark davon abweicht. „Solche Belegungspuffer tragen wesentlich zu einem geordneten Zusammenleben in Gemeinschaftsunterkünften bei“, erklärt das Landratsamt. Außerdem halte die Erstaufnahmeeinrichtung rund 200 Betten vor, die ausschließlich für kurzfristige Aufnahmen vorgesehen sind und deshalb nicht dauerhaft belegt werden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Entpflichtung von Pfarrer Mensing
:Dachaus Mahner geht, seine Aufgabe bleibt

Beim Abschiedsgottesdienst für Björn Mensing warnen Charlotte Knobloch und Bodo Ramelow vor der Gefahr von rechts. Der scheidende Pfarrer der Versöhnungskirche erinnert in seiner letzten Predigt an Martin Niemöller und die Bekennende Kirche in der NS-Diktatur.

SZ PlusVon Dorothea Friedrich

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: