bedeckt München 24°
vgwortpixel

Erfolge und Probleme:Der harte Job der Asylhelfer

Vieles hat sich im Landkreis für die 1223 Geflüchteten verbessert, die Ehrenamtlichen loben die Kooperation mit dem Landratsamt. Aber es bleiben bürokratische Hürden, und vor allem fehlt es inzwischen an Mitarbeitern

Ein ambivalentes Bild zeichnen die ehrenamtlichen Asylhelfer im Landkreis Dachau anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni. Einiges hat sich demnach in den vergangenen Monaten verbessert, aber es gibt auch Probleme. Vor allem fehlen den insgesamt 15 Helferkreisen im Landkreis ehrenamtliche Mitarbeiter.

22 Asylunterkünfte mit insgesamt 1505 Plätzen gibt es im Landkreis. Derzeit leben in den Wohnstätten 1223 Menschen, davon 845 Asylsuchende sowie 378 bereits anerkannte Geflüchtete, die auf dem angespannten Wohnungsmarkt noch keine eigene Bleibe finden konnten. Die Zahlen blieben in den vergangenen Monaten fast konstant. Auf die Menschen, deren Schutzstatus anerkannt wurde, folgen nach Auskunft des Pressesprechers des Landratsamtes, Wolfgang Reichelt, "regelmäßig neue Zuweisungen in sehr geringer Zahl". Die meisten kommen dabei aus den Ankerzentren, nachdem sie dort wegen der schleppenden Verfahren die Höchstbleibedauer erreicht haben.

Insgesamt habe sich die Situation für die Mehrzahl der Asylsuchenden hier im Landkreis nach den Angaben der Helferkreise zum Besseren entwickelt. Das liege vor allem daran, dass immer mehr Schutzsuchenden die Erlaubnis erteilt wird, eine Ausbildung zu beginnen oder eine Arbeit aufzunehmen. Ungefähr 125 Menschen absolvieren laut Peter Barth, Leiter des Helferkreises Hebertshausen, derzeit eine Ausbildung. Auch die Chancen, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, stehen recht gut. Das Landratsamt setzt die im März beschlossenen Vorgaben des bayerischen Innenministeriums, wonach bei der Entscheidung über Ausbildungs- oder Arbeitserlaubnis besondere Integrationsleistungen zu berücksichtigen sind, gut um: "Das Landratsamt handhabt die Arbeitsbewilligungen sehr fair und versucht immer, Lösungen zu finden. Das ist nicht überall so", sagt Peter Johannsen-Klug, Helfer des Arbeitskreises Asyl Dachau. Das bestätigen auch die Helfer aus den anderen Gemeinden, die die gute Zusammenarbeit mit den Behörden des Landkreises loben.

Container für Asylsuchende am Himmelreichweg in der Stadt Dachau. Die Unterkünfte stehen nicht, wie das Foto glauben machen könnte, direkt unterhalb des Wittelsbacher-Schlosses und der Kirche Sankt Jakob in der Altstadt.

(Foto: Toni Heigl)

Doch es gibt auch Fälle, in denen Genehmigungen von übergeordneten Stellen wieder eingezogen werden, erzählt Joachim Jacob, Koordinator der Unterkunft Petershausen. Dann sind Menschen, die arbeiten wollen, zum Nichtstun verdammt. "Aus der Beschäftigungslosigkeit entstehen große Probleme. Wenn man den ganzen Tag nichts zu tun hat, nicht gebraucht wird - das ist schlimm und frustrierend", sagt Jacob. "Das ist schon absurd. Es gibt Geflüchtete, beispielsweise Senegalesen, die leben seit 2015 bei uns, dürfen aber nicht arbeiten. Diese Menschen vegetieren vor sich hin. Ohne Ausbildung, ohne Arbeit, ohne Motivation - wie soll da Integration funktionieren?", fragt sich auch Peter Barth. Hier liegt das Dilemma vor allem darin begründet, dass der Senegal als sicheres Herkunftsland gilt, sodass die von dort Stammenden eigentlich ausreisepflichtig sind. Da der Senegal sich jedoch weigert, die Geflüchteten zurückzunehmen, leben sie weiter in den Unterkünften - belegt mit dauerhaftem Arbeitsverbot. Hinzu kommen die Herausforderungen, die mit den Zuweisungen aus den Ankerzentren verbunden sind. "Das sind gebrochene Menschen. Die meisten sprechen kaum Deutsch und brauchen viel Hilfe", resümiert Jacob. Auch Barth sagt: "Es ist unheimlich schwer, die Asylsuchenden aus den Ankerzentren zu integrieren. Eine dezentrale Unterbringung von Anfang an wäre viel besser."

Auch die zwischen den einzelnen Unterkünften recht häufig praktizierte Umverteilung der Bewohner macht es den Helfern nicht leicht. "Leute, die man gut kennt, werden herausgenommen - ohne dass man immer so genau weiß, warum eigentlich. Dadurch werden Betreuungskontakte, die man jahrelang aufgebaut hat, zerstört und man entfremdet sich, sagt Johannsen-Klug. Überwiegend positiv habe sich hingegen das Thema Familiennachzug - zumindest in Dachau - entwickelt. Bei anerkannten Geflüchteten funktioniere das Prozedere recht gut. Andere Erfahrungen hat Jacob in Petershausen gemacht: "Diejenigen, die nachziehen wollen, müssen bereits in ihrem Herkunftsland teure Zertifikate erwerben, die ihre Deutschkenntnisse belegen. Außerdem dauern die Verfahren unendlich lange."

Peter Barth leitet den Helferkreis Hebertshausen.

(Foto: Toni Heigl)

Für alle Helfer gleich belastend ist hingegen der Umstand, dass die Zahl der ehrenamtlichen Helfer kontinuierlich schrumpft. Einige seien altersbedingt ausgeschieden oder weil sie die psychische Belastung unterschätzten, sagt Barth: "Da bilden sich enge Freundschaften und dann werden die Leute abgeschoben". Der 72-Jährige, der sich seit sechs Jahren ehrenamtlich engagiert, stellt fest: "Am Anfang wollte jeder helfen. Mittlerweile kommen kaum noch neue Leute dazu. Auch wir, die von Beginn an dabei sind, sind alle etwas müde und kraftlos geworden."

Wer helfen oder auch nur "reinschnuppern" möchte, der kann über die Webseiten der Helferkreise Kontakt aufnehmen. Johannsen-Klug verweist auch auf die am Donnerstag, 27. Juni, um 19 Uhr in der Konrad-Adenauer-Straße 15 in Dachau stattfindende Veranstaltung "Bildung durch Ehrenamt - Unterstützung für Neuzugewanderte". "Das Problem ist vielleicht nicht mehr so aktuell wie 2015, aber Flüchtlinge wird es immer geben und wir müssen lernen gut damit umzugehen", sagt Barth.