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Begehrte Fahrräder:An der Kette

Fahrräder sollten am besten an einem Geländer, Pfahl oder ähnlichem festgekettet werden und am besten nicht allzu lange unbeaufsichtigt herumstehen.

(Foto: Toni Heigl)

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist zuletzt gestiegen. Auf Facebook tauschen sich Betroffene aus. Besonders am Dachauer Bahnhof stehen die Räder unsicher. Polizei und ADFC raten zu Codierung und teuren Schlössern

Egal, ob BMX, Cityrad, Klapprad, Mountainbike, Pedelec, Touren- oder Trekkingrad: Wer ein Fahrrad klauen will, macht keinen Unterschied. "Genommen wird, was verfügbar ist", sagt Werner Kretz, Sprecher der Polizeiinspektion Dachau. Auch die Marken spielten keine größere Rolle. Die Anzahl der gestohlenen Fahrräder im Großraum Dachau ist im letzten Jahr stark angestiegen, von 276 auf 328, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Die Aufklärungsquote liegt unter zehn Prozent. Für 2015 sind die Zahlen noch unter Verschluss. Wenn man nach den Beiträgen von Betroffenen bei Facebook geht, dann ist das Problem des Fahrraddiebstahls jedenfalls hoch aktuell.

Tamara Schmidt (Name geändert) schrieb Anfang Oktober in einer lokalen Facebook-Gruppe: "Meinem Sohn wurde nachts am Bahnhof in Dachau das abgeschlossene Mountainbike geklaut". Dazu stellte sie ein Foto: "Falls jemand das Rad wieder erkennt, bitte melden". Erst eine knappe Woche vorher war das Hinterrad und ein Jahr vorher das BMX-Rad ihres Sohnes am Bahnhof entwendet worden, berichtet Schmidt. Sie löst damit eine anhaltende Debatte in dem sozialen Netzwerk aus. Viele berichten nun von ihren Erfahrungen: Einer Userin wurde der Fahrradkorb abmontiert, weitere melden sich, denen Räder oder Teile geklaut wurden. Zugetragen hat sich das, wenn man ihnen glauben will, alles in jüngster Zeit. Vor der Haustür, aus dem Vorgarten oder dem Radständer an der Schule, auch ein von außen nicht einsehbarer Vorraum zum Fahrradkeller ist dabei. Alle Stadtteile sind betroffen. Bei manchen Fahrrädern wurde das Schloss zersägt oder aufgeknackt, andere wurden komplett weggetragen.

Einen Anhaltspunkt für organisierte Kriminalität sieht die Polizei aber nicht. Hotspot Nummer Eins für Fahrraddiebe ist laut Polizei Dachau der Bahnhof in Dachau. "Massenabstellplätze sind verführerisch für Diebe, die entweder nur einen fahrbaren Untersatz für die schnelle Heimfahrt wollen, oder die gezielt nach etwas suchen", sagt auch Rainer Endreß vom ADFC Dachau. Auch ihm ist am Bahnhof schon ein hochwertiges Klapprad abhanden gekommen. "Das Schloss hat nichts genutzt", bedauert er. Mit Eisspray und großen Bolzenschneidern, die für Baustahl benutzt werden, "knacken Profis fast alles". Deshalb dränge man schon lange auf ein Fahrradparkhaus. Das ist inzwischen auch beschlossene Sache und sollte dieses Jahr eigentlich gebaut werden. Aber: Vor dem Sommer 2016 wird daraus nichts, sagt Dachaus Verkehrsreferent, Volker C. Koch (SPD). "Die Planungen sind zwar abgeschlossen und vom Bauausschuss genehmigt", sagt der Stadtrat. "Nun warten wir noch auf Fördermittel vom Bund."

Endreß sieht aber auch Defizite bei den Fahrradbesitzern: "Viele Fundräder werden schon gar nicht mehr vom Bauhof abgeholt", sagt der ADFC-Vorsitzende. Das zeige, dass ein Fahrrad nach dem Verlust praktisch keinen Wert mehr besitzt. Nach drei Wochen zahlt die Versicherung und ruckzuck habe man sich Ersatz besorgt. Erst vor wenigen Tagen hat Endreß ein Fahrrad, das tagelang unverschlossen herumstand, zum Bauhof gebracht. "Die Polizei nimmt es gar nicht erst an", sagt der ADFC-Vorsitzende. "Wenn es ein halbes Jahr nicht abgeholt wird, darf es der Finder behalten."

Allen, die ihr Fahrrad wirklich schützen wollen, rät er, es codieren zu lassen. Dabei werden die Adresse, die Initialen des Namens und das Codierjahr unterhalb des Sattels in den Rahmen eingraviert. Außerdem erhält man einen "Codiert!"-Aufkleber, der als Warnung dient. "So wird das Fahrrad zumindest für professionelle Diebe uninteressant, weil sie es nicht mehr so leicht verkaufen können." So eine Codier-Aktion gebe es in Dachau nur einmal im Jahr, beim ADFC in Fürstenfeldbruck oder München sei das aber regelmäßig möglich. Manche Versicherer belohnen eine Codierung und ein Bügelschloss mit einer Ermäßigung. Ein gutes Schloss sollte laut Polizeisprecher Kretz etwa fünf bis zehn Prozent vom Kaufpreis des Fahrrads kosten. Eine Hausratversicherung zahlt nur, wenn das Fahrrad bei einem Einbruch entwendet wird oder wenn eine entsprechende Zusatzklausel abgeschlossen wurde.

Eine Registrierung bietet auch die Polizei an, allerdings ohne Gravur. "In jeder Dienststelle oder auf der Gemeinde gibt es einen Fragebogen, in den man die wichtigsten Daten einträgt. Den Kaufvertrag sollte man ebenfalls mitbringen", erklärt Kretz. Einen Aufkleber, der Diebe abschrecken soll, gebe es ebenfalls dazu. Auch viele Fahrradgeschäfte haben diese Aufkleber. Manche Fahrradhersteller bieten beim Kauf eines neuen Rads Codierungen an, die auch online abgefragt werden können. Noch ein Tipp von der Polizei: Das Fahrrad möglichst an einem Pfahl, Baum oder anderem festketten, damit es nicht einfach mitgenommen werden kann. ADFC-Experte Endreß warnt vor Naivität: Hochwertige Fahrräder mit teuren Komponenten sollte man auf keinen Fall in der Öffentlichkeit längere Zeit unbeaufsichtigt abstellen. "Dann braucht sich keiner wundern, wenn der Sattel oder das Vorderrad fehlen, die man in Sekundenschnelle abmontieren kann."