Regionalisierte VerkehrszeichenAmpelmännchen mit Stock und Hut

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Das Ampelmännchen in der Dachauer Tracht gibt es bisher an drei Stellen im Stadtgebiet – hier an der Martin-Huber-Straße.
Das Ampelmännchen in der Dachauer Tracht gibt es bisher an drei Stellen im Stadtgebiet – hier an der Martin-Huber-Straße. (Foto: Niels P. Jørgensen)
  • Dachau hat drei Ampeln rund ums Volksfest-Gelände mit Figuren in Dachauer Tracht ausgestattet – bei Rot ein Mann mit Hut und bei Grün eine Frau mit Kittelschürze.
  • Die Idee kam von Oberbürgermeister Hartmanns Frau beim Fernsehen, die Umsetzung kostete nur 300 Euro plus Grafiker-Honorar und Bauhof-Arbeitsstunden.
  • Binnen vier Tagen gab es mehr als 2500 Reaktionen auf Instagram – überwiegend positiv, aber auch negative Rückmeldungen bis hin zu einer Strafanzeige.
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Dachau hat nun sein eigenes Pendant zum Berliner Ampelmännchen: Drei Ampeln rund ums Volksfest-Gelände sind mit Figuren in Dachauer Tracht ausgestattet worden. Die Reaktionen sind teilweise sehr emotional.

Von Gregor Schiegl, Dachau

Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hatte es sich mit seiner Frau vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als ein Beitrag über Ampelmännchen lief. Darin ging es auch um die regionale Vielfalt der Verkehrszeichen. In Duisburg sind es Bergleute, in Bremen die Bremer Stadtmusikanten und in München ist es der Pumuckl, der mancherorts von Rot auf Grün springt. „Das wäre doch auch was für Dachau“, meinte seine Frau Julia. Und da begann es, in Hartmanns Hirn zu rattern: „Was wäre ikonisch für Dachau?“

Wer nun an der Martin-Huber-Straße auf die Ampel drückt, sieht ein rotes Männchen aufleuchten: flacher Hut, Faltenstiefel, Haselnussstecken in der Hand. Wenn die Ampel auf Grün springt, erscheint eine Dame mit Kittelschürze und Haube. „Einige unserer Ampelmännchen im Stadtgebiet waren beim Umstyling und kommen jetzt als schneidiges Paar in Ampertaler Tracht daher“, hat der OB dazu auf Instagram gepostet.

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Die neuen Ampelmännchen bewegen nicht nur Fußgänger, sondern auch die Gemüter. Binnen vier Tagen sind auf Hartmanns Account mehr als 2500 Reaktionen eingelaufen: „Super schöne Idee“, heißt es da, oder: „Ich finde das toll, solche Kleinigkeiten machen eine Stadt lebenswert.“ Auch der Bayerische Rundfunk hat sich deswegen schon bei Hartmann gemeldet. Am Telefon erzählt der OB, dass es vereinzelt „auch negative Rückmeldungen“ gegeben habe. Eine sei so unter der Gürtellinie gewesen, dass er Strafanzeige erstattet habe.

„Solche Kleinigkeiten machen, eine Stadt lebenswert.“

Natürlich kann man fragen, ob es wirklich sein muss, Ampelmännchen volkstümlich umzustylen in einer Stadt, die es kaum noch schafft, ihre Pflichtaufgaben zu finanzieren. Aber 300 Euro für drei Ampeln plus Grafiker-Honorar und die Arbeitsstunden des Bauhofs – das fand Hartmann doch erstaunlich günstig für so einen originellen „Ausdruck augenzwinkernder Heimatverbundenheit“, wie er sagt. „Sonst hätte ich es ja nicht gemacht.“

Zum Volkfest-Auftakt hat sich  Oberbürgermeister Florian Hartmann selbst schon in Ampertaler Tracht gezeigt. An seiner Seite: seine Frau Julia.
Zum Volkfest-Auftakt hat sich  Oberbürgermeister Florian Hartmann selbst schon in Ampertaler Tracht gezeigt. An seiner Seite: seine Frau Julia. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Bauerntracht im Dachauer Land fast vergessen – bis die Künstler der Dachauer Künstlerkolonie sie wieder entdeckten und gewissermaßen neu erfanden. Der 1912 gegründete Volkstrachten-Erhaltungsverein Ampertaler pflegt dieses Erbe bis heute. Und nun pflegen es auch die Dachauer Verkehrsbetriebe auf ihre Weise – nicht ganz zufällig an drei Standorten rund um die Thoma-Wiese. Dort tummeln sich jedes Jahr eine Viertelmillion Besucher auf dem Dachauer Volksfest. Die Alteingesessenen tragen oft Dachauer Tracht.

Ob man Ampelmännchen einfach so umdekorieren kann, habe er natürlich von den Verkehrsbetrieben vorher prüfen lassen, versichert der OB. Ergebnis: Man darf – solange die Ampelmännchen so gestaltet sind, dass auch Fußgänger mit Rot-Grün-Sehschwäche klar erkennen können, ob sie gehen oder stehen bleiben sollen. Entsprechend schwungvoll schreitet die grüne Dame voran, während der in Herr in Rot die Arme so weit von sich streckt, als wollte er prahlen, wie groß der Hecht war, den er aus der Amper gezogen hat.

Die Ampelfrau im Schürzenkleid hat es eilig, das kann auch ein Farbenblinder sehen.
Die Ampelfrau im Schürzenkleid hat es eilig, das kann auch ein Farbenblinder sehen. (Foto: Niels P. Jørgensen)

Ohne großen Aufwand könnte die Stadt nun weitere Ampertaler ins Stadtbild bringen, die Schablone ist ja da. Übertreiben will es der SPD-Politiker aber auch nicht. „Es muss nicht an jeder Ampel sein.“  Überlegungen, die neuen Lichtgestalten touristisch zu vermarkten, wie es die Berliner mit ihrem nahezu weltberühmten Ampelmännchen tun, habe es auch schon gegeben. Doch erst einmal wolle man sehen, was für eine „Zugkraft“ die Ampelfiguren entfalten, sagt der OB.

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