Altomünster Neue S2-Linie läuft noch nicht reibungslos

Die S 2 Altomünster hat den Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis gestärkt - auffällig sind aber viele Pannen und Verspätungen.

Von Robert Stocker, Dachau

Mehr Züge, kürzere Fahrzeit und ein direkter Anschluss an München - die elektrifizierte Bahnstrecke von Dachau nach Altomünster wurde als Meilenstein für den Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis gefeiert. Für Berufstätige hat sich die Situation deutlich verbessert. Während der Hauptverkehrszeiten morgens und abends können sie mit der S 2 Altomünster im Halbstundentakt fahren. Seit einem Jahr ist die zweite S-Bahn-Strecke durch den Landkreis in Betrieb.

Die Fahrgastzahlen für diesen Zeitraum liegen zwar erst Anfang Januar vor. Ein Sprecher der Bahn ist sich aber sicher, "dass wir im Vergleich zu 2013 eine deutliche Steigerung haben". Grund dafür seien die zusätzlichen Verbindungen und der direkte Anschluss ans S-Bahn-Netz. "Da haben wir sicher viele Pendler zum Umsteigen auf die S-Bahn bewegen können." Die ganze Woche hindurch fahren stündlich in beide Richtungen S-Bahnen zwischen Altomünster und Erding/Markt Schwaben. Dafür setzt die Bahn Fahrzeuge vom Typ ET 423 ein, die auch auf der Stammstrecke verkehren können.

Schnittige Kurvenlage: Die S 2 Altomünster ist deutlich schneller und häufiger als die ehemalige Lokalbahn unterwegs.

(Foto: Toni Heigl)

Um den Halbstundentakt zu ermöglichen, fahren in den Hauptverkehrszeiten Pendelzüge zwischen Altomünster und Dachau. Dabei handelt es sich überwiegend um Fahrzeuge des Typs ET 420, die für die Stammstrecke nicht geeignet sind. Deshalb enden diese Züge in Dachau, Fahrgäste müssen dort in eine andere S-Bahn umsteigen. "Wir haben nicht genügend Fahrzeuge vom Typ ET 423", sagt der Bahnsprecher. Einen Halbstundentakt gibt es außerhalb der Hauptverkehrszeiten kurzzeitig auch am Nachmittag: Von Montag bis Freitag fährt zwischen 13 und 14 Uhr ein Verstärkerzug für Schüler. Er verkehrt zwischen Altomünster und Ostbahnhof in beiden Richtungen. Weil dieser Zug auch auf der Stammstrecke fährt, werden dafür Fahrzeuge vom Typ ET 423 eingesetzt.

Im ersten Jahr nach der Inbetriebnahme gab es immer wieder Probleme an den Bahnübergängen. Die Bahn war gezwungen nachzubessern, besonders beim Übergang in Schwabhausen, der für Autofahrer zur Sprungschanze wurde. Dreimal stand der Zugbetrieb länger still. Die Bahn musste das Schotterbett unter den Gleisen nachverdichten - eine Routinearbeit, die auf neuen Strecken nach ein paar Monaten nötig ist. Anfang Dezember wurde die Strecke an einem Wochenende gesperrt, weil bei Bachern eine marode Eisenbahnbrücke erneuert wurde. In allen Fällen richtete die Bahn einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein. Auffällig sind aber Störungen und Verspätungen, die es immer wieder auf der Strecke gibt. Der Bahnsprecher begründet sie mit dem Anschluss ans gesamte S-Bahn-Netz: "Die Störungen auf der Stammstrecke wirken sich auch auf die S 2 Altomünster aus."

Josef Mittl, Mitglied des Fahrgastverbandes "Pro Bahn", registriert häufig Störungen auf der Linie S 2 Altomünster.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Petershausener Josef Mittl, Bahnexperte und Mitglied des Fahrgastverbandes "Pro Bahn", hat sogar den Eindruck, dass die S 2 Altomünster häufiger als andere S-Bahn-Linien von Störungen betroffen ist. Zwar hat er keine persönlichen Erfahrungen, weil er in der Regel den Regionalzug nach Petershausen benutzt. Er registriert die Störungen über E-Mails des "Streckenagenten", ein elektronischer Fahrgastservice der Bahn. Etwas skeptisch machen ihn die Probleme mit der Infrastruktur, zum Beispiel mit den Bahnübergängen. Generell sieht er das S-Bahn-Netz am Ende seiner Kapazität angelangt. "Wenn die Züge brechend voll sind, dauern die Aufenthalte an den Bahnhöfen länger", sagt Mittl. "Fahrgäste verzögern die Abfahrt, weil sie in den Lichtschranken der Türen stehen." Eine Entlastung durch die zweite Stammstrecke sei dringend nötig. Wichtig seien auch gute Anschlüsse mit dem Bus. "Gerade bei der Regionalbahn klappt das oft nicht."