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Orkantief:125 Einsätze im Sturm

Einsatzkräfte der Feuerwehr sichern in der Dachauer St.-Peter-Straße einen vom Umstürzen bedrohten Baum.

(Foto: Heigl)

Der Orkan Niklas bringt im Landkreis S-Bahnen und Züge zum Stillstand. Bäume stürzen auf Straßen und Autos. Bei der Dachauer Feuerwehr spricht man von "einem der schlimmsten Stürme der vergangenen zehn Jahre".

In Schwabhausen wird das Blechdach eines Möbelhauses abgedeckt. In Dachau reißt ein umstürzender Baum eine Lärmschutzwand ein und fällt auf eine Oberleitung. Allein im Bereich des ASV-Geländes knickt der Sturm etwa 30 Bäume um. Die Stadt sperrt die Gröbenrieder Straße und den Waldfriedhof. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde hat das Sturmtief Niklas am Dienstag selbst den S-Bahnverkehr lahmgelegt. Die Strecke der S 2 zwischen Dachau und Petershausen wurde wegen eines Oberleitungsschadens bei Röhrmoos schon am Vormittag gesperrt. Am Nachmittag ging auch auf der Strecke der S 2 nach Altomünster nichts mehr. Die einzig positive Nachricht: "Es wurde bislang niemand verletzt", teilte Polizeisprecher Werner Kretz am späten Nachmittag mit.

"Es war einer der schlimmsten Stürme in den vergangenen zehn Jahren", zog Wolfgang Reichelt gegen 15 Uhr eine erste Bilanz. Der Pressesprecher der Dachauer Feuerwehr berichtete von "etlichen Bäumen", die der Sturm im Landkreis Dachau umgeknickt hat. Kreisbrandmeister Maximilian Reimoser zählte bis 17 Uhr insgesamt 125 Einsätze im Landkreis Dachau, allein 46 davon im Dachauer Stadtgebiet. Seit morgens um neun gingen in der Kriseneinsatzzentrale in Dachau laufend neue Notrufe ein. "Es waren sämtliche Gemeinden betroffen", sagt Wolfgang Reichelt. "Von 67 Feuerwehren des Landkreises waren über den Tag verteilt mehr als 30 im Einsatz." Die Hauptaufgabe der Einsatzkräfte bestand laut Kreisbrandmeister Reimoser darin, Straßen von umgestürzten Bäumen zu befreien. Hierzu veranlassten die Feuerwehren zahlreiche Straßensperrungen und leiteten den Verkehr um. In Schwabhausen arbeitete die Feuerwehr mehrere Stunden mit Hochdruck daran, 1000 Quadratmeter Blechdach eines Möbelhauses zu sichern - ein Teil des Daches war zuvor vom Sturm herunter gerissen worden und hatte ein Auto unter sich begraben. In Markt Indersdorf stürzte ein Baum auf eine Mauer und riss sie um. In Großberghofen in der Gemeinde Erdweg musste von Feuerwehrkräften der Maibaum sicherheitshalber umgelegt werden. "Bei Windstärke elf war es mancherorts zu gefährlich, mit der Drehleiter zu arbeiten", sagt Reimoser.

Sturmtief Niklas brachte zahlreiche Bäume im Landkreis zum Umstürzen - einige von ihnen begruben Autos unter sich.

(Foto: Toni Heigl)

Das Dachauer Landratsamt schloss am Nachmittag "aufgrund des starken Sturms und der damit verbundenen Gefahrenlage"sämtliche Recyclinghöfe im Landkreis. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck, das auch für den Landkreis Dachau zuständig ist, warnt eindringlich vor Waldbesuchen in den kommenden Tagen: "Es besteht akute Lebensgefahr."

Der Sturm wirkte sich auch erheblich auf den Bahnverkehr aus. Am Nachmittag wurde der S-Bahnverkehr auf fast allen Linien vollständig eingestellt, auch auf der S2. Auch die Regionalzüge von Dachau nach München fielen aus. Die Strecke zwischen Ingolstadt und Reichertshausen (Ilm) war wegen Gegenständen im Gleis gesperrt. Zudem wurde am Nachmittag der Hauptbahnhof München geräumt, weil Einsturzgefahr in der Schalterhalle bestand. Störungen gab es auf fast allen Außenstrecken im gesamten S-Bahn-Netz. Bäume oder Gegenstände fielen auf Oberleitungen und Gleise. Auf der Stammstrecke kam es dadurch zu erheblichen Verzögerungen in beiden Richtungen.

In Betrieb waren nur noch Züge der S 4 zwischen Ostbahnhof und Buchenau und der S 8 zwischen Westkreuz und Flughafen. Dadurch konnten Fahrgäste auf der Stammstrecke ungefähr im Zehn-Minuten-Takt fahren. Die Bahn appellierte an die Kunden, von Reisen mit der S-Bahn abzusehen oder U-Bahn, Straßenbahn und Busse zu nutzen. Bahnkunden, die von Zugausfällen betroffen waren, konnten sich die Kosten für ihre Fahrkarten erstatten lassen. Gegen 17 Uhr schien sich die Lage laut Kreisbrandmeister Reimoser beruhigt zu haben.

© SZ vom 01.04.2015

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