CSU kritisiert Bauvorhaben Konflikte um das Konzept

CSU-Gemeinderat Gerhard Weber.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Mitten in Zentrum von Petershausen soll in der Rosenstraße ein attraktives Wohnquartier entstehen. Die CSU-Fraktion im Gemeinderat äußert grundlegende Bedenken am Entwurf und fordert weitere Gutachten

Von Petra Schafflik, Petershausen

Für die künftige Entwicklung von Petershausen kommt dem Projekt Rosenstraße eine entscheidende Bedeutung zu. Denn in zentraler Lage mitten im Ort und fußläufig zum S-Bahnhof soll dort bekanntlich ein attraktives Wohnquartier entstehen, das zudem Platz bietet für wichtige Angebote wie Arztpraxen, Sozialwohnungen und Wohnformen für Ältere. Aber auch wenn sich die Kommunalpolitiker einig sind über diese Ziele, die derzeit in ein städtebauliches Konzept gebündelt werden, zeichnen sich im Gemeinderat grundlegende Konflikte ab zwischen Bürgermeister Marcel Fath (FW) und der CSU-Fraktion. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie dicht das Areal bebaut werden soll, welche Gebäudehöhen akzeptabel sind, wie viele Menschen dort einmal wohnen werden, wie das Dorf den zusätzlichen Verkehr noch aufnehmen soll. Die Bedenken der CSU sind so grundlegend, dass die Fraktion auch dem aktuell vorliegenden Zwischenstand des städtebaulichen Entwurfs jetzt nicht zustimmen mochte. Als Basis für anstehende Gutachten und Untersuchungen wurde das Konzept aber mit der Mehrheit von SPD und Freien Wählern verabschiedet.

"Wir haben da beide völlig unterschiedliche Vorstellungen", sagte CSU-Gemeinderat Gerhard Weber gleich einleitend. Anders als der Rathauschef sehe er "die Zukunft von Petershausen nicht in einer urbanen Entwicklung", denn der Ort solle sich nicht noch stärker zu einer Pendlergemeinde entwickeln. Nach aktuellem Planungsstand könnten an der Rosenstraße einmal 800 Petershausener leben, deutlich mehr als die 6500-Einwohner-Gemeinde benötige, so Weber. "Wir bauen also für die Region und nehmen alle Belastungen in Kauf." Der CSU-Rat kritisierte, dass die Baudichte im Projekt Rosenstraße im Laufe der Konzeptentwicklung immer weiter gestiegen sei. "Deutlich weg von dem, was ursprünglich vorlag." Und mehr, als in Petershausen bisher irgendwo gebaut ist. In der sogenannten Musiker-Siedlung westlich des Bahnhofs, gelte eine Geschossflächenzahl von 0,83. Diese Kennziffer, die mit der Baudichte steigt, liege im Konzept Rosenstraße beim eineinhalbfachen. Konkret bei 1,1 wie auf Nachfrage von Hildegard Schöpe-Stein (SPD) zu erfahren war. Allerdings ist die Wahl der Bauhöhen nicht beliebig. Denn ein entlang der Bahn geplanter Riegelbau gewährleistet nur mit einer Höhe von vier Etagen den Lärmschutz für das gesamte Areal. Allerdings, so Schöpe-Stein, schütze auch ein Bauwerk, dessen oberstes Geschoss nicht Wohnflächen, sondern beispielsweise nur Loggien bietet. Ohne viergeschossige Gebäude "müsste das gesamte Konzept neu berechnet werden", mahnte der Bürgermeister. Bei der Bürgerveranstaltung zum Projekt hatte der Rathauschef bereits betont, dass die dichte Bebauung zwingend sei. Denn weniger Baurecht auf demselben teuren Grund würde, so Fath damals auf die Frage eines Bürgers, die Preise fürs Wohnen enorm in die Höhe treiben. Auch Wolfgang Stadler (SPD) erinnerte die Gemeinderäte an mehrfache Diskussionen zu den Bauhöhen. "Warum sollen wir das wieder umschmeißen."

Doch nicht nur die geplant kompakte Bebauung allein kritisiert die CSU. Sorgen bereitet ihr auch die Ableitung von Niederschlägen aus dem neuen Wohnquartier. Denn bei Starkregen fließt das Wasser auf dem von der Bahnlinie zum Dorf hin abfallenden Gelände Richtung Ortsmitte, könnte dort Keller der Anlieger unter Wasser setzen. Genau deshalb haben Bürger bei der Infoveranstaltung im November auf eine gute Entwässerungsplanung gedrängt. Aber auch der Rat hat diesen wichtigen Aspekt bereits im Blick, betonte Rathauschef Fath. Klares Ziel für das beauftragte Fachbüro sei, "nicht nur den Status Quo zu erhalten, sondern eine deutliche Verbesserung zu erreichen".

Zuletzt zweifelt die CSU noch an der Verkehrserschießung. "Wir haben jetzt schon so viel Verkehr", mahnte Hildegard Weßner (CSU). Ein Verkehrsgutachten wollen alle Fraktionen. Doch die mit Abstand größte Zahl der Fahrzeuge komme von außerhalb, sagte der Rathauschef. "Die Siedlungsentwicklung ist beim Verkehr nur ein kleiner Teil." Die CSU fordert aber, bei der anstehenden Verkehrsstudie für das Projekt Rosenstraße nicht nur das Baugebiet selbst mit seinen Verkehrswegen und Fahrzeugen zu betrachten, sondern in die Kalkulation auch die Belastungen einzubeziehen, die durch die Erweiterung des Discounters Aldi, die Ansiedlung eines Drogeriemarkts sowie die neuen Betriebe im Gewerbegebiet Eheäcker entstehen. Diese Ausweitung des Gutachtens, von Gemeinderat Weber (CSU) als Antrag formuliert, beschloss der Rat mit einer knappen Mehrheit von einer Stimme. Der CSU-Fraktion schlossen sich einzelne Räte der anderen Fraktionen an. Gegen die Stimmen der CSU wurde dann der aktuelle Zwischenstand der Planung als Grundlage für weitere Gutachten gebilligt. Nun werden weitere Expertisen zu Entwässerung, Verkehr und Erschließung erstellt und ins Konzept eingearbeitet. Ein abschließender Entwurf, der alle Studien enthält, das erklärte Bürgermeister Marcel Fath der SZ, soll dann im Frühjahr erneut den Bürgern präsentiert werden.