Um ein sichtbares Zeichen für queeres Leben in Dachau zu setzen, gehen am Samstag, 21. Juni, Menschen bei einem Christopher Street Day (CSD) auf die Straße. Von 12 bis 18 Uhr findet am Max-Mannheimer-Platz ein Straßenfest mit Ständen, Musik und Redebeiträgen statt. Von 15 Uhr an ziehen die Teilnehmenden vom Max-Mannheimer-Platz über eine Kreisroute durch den Südwesten Dachaus (Schleißheimer Straße, Bahnhof, Schillerstraße). Zwischen 18 und 24 Uhr steigt im „Freiraum Dachau“ eine Party. Unter anderem legt dort DJ R Summer auf, zudem wird Kasey Klett eine Dragperformance zeigen.
Der CSD Dachau findet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal statt. Die Organisatoren rechnen – wie 2024 und 2023 – mit etwa 150 bis 200 Menschen, die sich an der Parade beteiligen werden. In einer Ankündigung heißt es: „In Zeiten von wachsendem Hass und queerfeindlichen Tendenzen gehen wir gemeinsam auf die Straße: für Sichtbarkeit, Sicherheit und Selbstbestimmung.“ Queer ist ein Sammelbegriff, für alle Menschen, die nicht heterosexuell sind oder sich nicht ihrer sozial zugeschriebenen Geschlechtsidentität angehörig fühlen.
„Wir haben eine massive Zunahme von Online-Bedrohungen“
Wegen der Zunahme queerfeindlicher Angriffe in ganz Deutschland haben die Organisatoren dieses Jahr die Sicherheitsvorkehrungen für den CSD in Dachau erhöht. Wie Jona Ott vom Orga-Team sagt, seien im Vorfeld zwar keine Anfeindungen oder gar Drohbriefe aufgetaucht. Auch habe man einen guten Überblick zu rechtsextremen Umtrieben in Dachau. Diese Akteure seien aber nicht so organisiert, dass mit Angriffen zu rechnen sei. Gleichwohl könne man nie ausschließen, dass etwas passiert, sagt Ott. „Wir sind seit Jahren im Alarmmodus.“ Grundsätzlich werde es für queere Menschen gefährlicher, „je mehr Leute sich in ihrer Queerfeindlichkeit empowert fühlen“. Und dies geschehe aktuell. „Es ist wieder akzeptabel geworden, Menschen abzuwerten“, sagt Ott. Auch um ein Zeichen gegen solche gesellschaftlichen Entwicklungen zu setzen, gehe man auf die Straße.

Rechtsextremismus:Jung, brutal, auf der Suche nach Opfern
Sie kommen maskiert und mit Schlaghandschuhen, greifen Stadtfeste, Homosexuelle und Politiker an: Rechtsextreme Schlägerbanden agieren so schnell wie gewalttätig. Ihre Mitglieder sind gut vernetzt und flexibel im Feindbild.
Deutschlandweit sehen sich Veranstalter von Pride-Paraden immer mehr queefeindlichen Angriffen ausgesetzt. Der CSD in Gelsenkirchen musste Mitte Mai kurz vor dem Start wegen einer abstrakten Bedrohungslage abgesagt werden. Und in Regensburg muss der CSD am 5. Juli nun aus Sicherheitsgründen anders stattfinden als geplant. Zu dem veränderten Ablauf entschieden sich die Organisatoren, nachdem sie ein „Drohschreiben“ erreicht hatte. „Wir haben eine massive Zunahme von Online-Bedrohungen“, sagte Kai Bölle, Vorstandsmitglied des Vereins CSD Deutschland, kürzlich der Deutschen Presseagentur. Zudem würden Gruppen junger Rechtsextremisten zu Gegenaktionen aufrufen. „Es hat eine neue Qualität bekommen“, so Bölle. Die Polizei sei bundesweit sensibilisiert und schütze die Demonstrationen.
Auch die Polizei Dachau wird den dortigen CSD am kommenden Samstag „durchgehend betreuen“ und für einen sicheren Verlauf der Veranstaltung sorgen, wie ein Sprecher sagte. Eine „konkrete Gefährdung“ gebe es aber bislang nicht.

