Sportvereine in der Pandemie:Harte Probe

Lesezeit: 3 min

Debatten zwischen geimpften und nicht geimpften Mitgliedern, ständiges Testen vor dem Sport und die Angst vor Infektionen beim Training - Corona setzt den Vereinen im Landkreis zu, wirtschaftlich wie gesellschaftlich

Von Eva Waltl, Dachau

Sabine Hirner ist sauer. Sie ist Schriftführerin des SV Haimhausen. Doch derzeit hat sie eine weitere Aufgabe im Verein: Seit vergangener Woche hat sie etwa 100 Schnelltests bei Mitgliedern vorgenommen, die in die Haimhausener Tennishalle wollten. Wer Sportstätten in Bayern betreten will, muss seit kurzem geimpft oder genesen und negativ getestet sein. Sehr zum Ärgernis einiger Sportler. Die Testregelung würde den Sportbetrieb "extrem behindern", sagt Hirner: "Wir wollen Sport treiben und keine Coronatests durchführen." Sie beklagt das aufwendige Testkonzept für Trainer und Mitglieder: Der Test kostet Zeit und Geld. "Jeder ist nur noch genervt", resümiert Hirner.

Seit vergangener Woche gelten in Bayern verschärfte Corona-Regeln. Für Freizeit und Kultur ist nun 2G-Plus der neue Standard. Für Sportvereine bedeutet das: Nur noch Geimpfte und Genese, die zusätzlich einen aktuellen negativen Corona-Test vorlegen, dürfen die Sportstätten betreten. Das hinterlässt Spuren bei den Vereinen: Debatten zwischen Geimpften und Ungeimpften spalten die Sportlergruppen ohnehin schon. Die neue 2G-plus-Regel drückt die Stimmung weiter. Die Vereine erleben gerade eine große Nagelprobe.

Corona Tests

Draußen vor der Tür entsteht sogar eine kleine Warteschlange.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Andreas Wilhelm, Vorsitzender des ASV Dachau, erzählt von einem "sehr rauen Ton", der zwischen den Parteien "Geimpft und Nichtgeimpft" herrscht: "Der eine oder andere vergisst da seine gute Kinderstube." Es gebe Beschwerden, Anfeindungen und Anprangerungen zwischen den Mitgliedern und auch gegen Trainer auf verschiedenen Kanälen, wie beispielsweise bei Whatsapp. Das Vereinsleben hätte sich stark verändert, sagt er.

In seiner Rolle als Vorsitzender versucht Wilhelm zu vermitteln. Das gelingt ihm nicht immer. Seitdem die Sportler nun verpflichtet sind, vor Betreten der Sporthalle einen negativen Coronatest vorzuweisen, hat sich die Stimmung drastisch verschlechtert: "Ich führe selten so viele Diskussionen mit den Mitgliedern." Verständnis für die neuen Maßnahmen hätten nur noch die wenigsten, sagt er.

Eine Schonfrist bis Ende des Jahres gilt noch für ungeimpfte Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Ab dem neuen Jahr müssen dann auch sie entsprechend der 2G-plus-Regel einen Impf- oder Genesenennachweis und negativen Test vorlegen, um im Verein Sport treiben zu können. Zwar sind sich die Sportvereine im Landkreis einig darüber, dass für Kinder und Jugendliche das Sporterlebnis weiterhin uneingeschränkt und so zugänglich wie möglich sein muss. Die Gefahr, die von ungetesteten oder ungeimpften Kindern ausgehe, sei aber sehr hoch, sagt Sabine Hirner. Beim SV Haimhausen hätten aufgrund des Risikos, sich während des Trainings mit Kinder- und Jugendgruppen anzustecken, bereits Trainer aufgehört, bedauert sie.

Corona Tests

Testen, Testen, Testen: Moritz Teichmann testet Daniel Kreimair, bevor dieser beim ASV Dachau mit dem Frühsport beginnt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Aber nicht nur Trainer bleiben den Vereinen fern. Beim TSV Dachau etwa, so Präsident Wolfgang Moll, würden besorgte Eltern bereits jetzt ihre Kinder nicht mehr zum Sport bringen. Im Ernstfall könnte die Regelung für Jugendliche ab Januar dazu führen, dass der TSV bestimmte Sportarten schlicht gar nicht mehr anbieten wird: "Wenn die Handballmannschaft plötzlich aus fünf Spielern besteht, können wir an keinen Wettkämpfen mehr antreten", so Moll. Er kritisiert die Regelung scharf, denn sie würde "enormen Druck auf Eltern aufbauen" und hätte "nichts mehr mit einer freiwilligen Überzeugung zu tun."

Um den Ängsten der Sportler, Eltern und den Folgen der verschärften Maßnahmen entgegenzuwirken, plant der ASV Dachau indes den Wiederaufbau von Onlinekursangeboten - auch, um die Mitglieder zu halten, denn die Vereine im Landkreis beklagen einen starken Rückgang von Kursteilnehmern und fürchten, dass die Mitgliederzahlen noch weiter zurückgehen werden. Neueintritte sind ohnehin die Ausnahme.

"Die Sportler stellen aufgrund der Maßnahmen generell in Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, in den Sportverein zu gehen", bestätigt Moll. Es würde dann, ergänzt er, wieder an die Wirtschaftlichkeit der Vereine gehen. Die Vereine setzen ihre Hoffnung in finanzielle Unterstützung von Seiten der Kommune und des Freistaats. "Es wird nicht mehr rentabel sein, wenn nur noch drei Sportler kommen", sagt Wilhelm.

In Haimhausen sieht Hirner die Lage des Vereins mittlerweile sogar noch kritischer als im vergangenen Jahr. Den Betrieb in der Tennishalle kann sie nur noch mithilfe von Ehrenamtlichen, die im Vorstand oder als Trainer im Verein tätig sind, aufrechterhalten. In der kommenden Woche wird sie aber schließen müssen, weil Personal für die Testkontrollen fehlt, weniger Tennisspieler kommen und in Folge das Eintrittsgeld ausbleibt. "Ein Drittel der Trainerstunden sind allein in dieser Woche weggefallen", sagt sie. Hohe Ausgaben, beispielsweise 10 000 Euro für Heizöl, und Instandhaltungskosten bedeuten für den Verein eine enorme finanzielle Belastung. Hirner sagt: "Wir können nicht einmal mehr hoffen, dass es besser wird."

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