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Coronavirus:"Die Umsätze sind im Keller"

"Nach fast jeder Fahrt werden die Fahrzeuge desinfiziert", sagt Taxifahrer Michael Fricke.

(Foto: Toni Heigl)

Das öffentliche Leben ist komplett heruntergefahren. Das trifft auch die Taxifahrer im Landkreis Dachau hart. Sie verlieren einen großen Teil ihrer Kundschaft.

Die Menschen bleiben wegen der Corona-Krise zuhause. Darunter leiden die Taxiunternehmen im Landkreis Dachau. Im Interview spricht der Vorsitzende der Taxivereinigung Dachau, Michael Fricke, über den Umsatzrückgang in der Branche und den Schutz für Taxifahrer. Der Taxifahrer richtet einen Appell an die Kundschaft.

SZ: Wie hart trifft die Corona-Krise die Taxifahrer im Landkreis Dachau?

Michael Fricke: Im Augenblick ist die Situation für alle sehr schwierig. Querbeet gesehen, liegt der Umsatzrückgang bei circa 80 Prozent, weil natürlich unsere Hauptkundschaft - Schulen, Kranken- und Behindertenfahrten - aufgrund der aktuellen Beschränkungen wegfällt. Dazu kommt, dass wir durch die Ausgangsbeschränkungen so gut wie keine Laufkundschaft mehr haben. Die Wege zur Arbeit sind fast auf Null reduziert.

Gibt es andere Einsatzmöglichkeiten, die Sie nutzen? Einkaufsfahrten zum Beispiel?

Die Möglichkeiten bestehen, aber sie werden im Moment noch kaum kommuniziert. Die Informationskette ist noch nicht so schnell, wie wir uns das wünschen. Es gibt durchaus größere Firmen, die so etwas anfragen, aber da fehlt die Plattform.

Wie könnte eine bessere Kommunikation denn aussehen?

Sicher wäre eine bessere Vernetzung zwischen Stadt und Taxivereinigung eine feine Sache. Aber auch mit dem Dachauer Krankenhaus. Bevor das Klinikum Rettungswägen einsetzt, um Menschen zu transportieren, die nicht an Corona erkrankt sind, könnte man da vielleicht eine Symbiose finden. Das andere ist sicherlich die Kommunikation mit der Politik, wenn es um neue Maßnahmen geht. Das sollte nicht an der Taxivereinigung vorbeigehen.

Wie beurteilen Sie die politische Unterstützung? Der Freistaat Bayern will ja finanzielle Soforthilfen zur Verfügung stellen.

Soweit das bisher bekannt ist, unterstützen die uns gut. Die Frage ist natürlich wie schnell das funktioniert. Dazu kann man momentan noch keine Aussage machen. Aktuell ist nach meiner Kenntnis bei keinem Taxiunternehmer etwas angekommen. In Anbetracht dessen, wie viel Unterstützung gerade notwendig ist, ist das wahrscheinlich verständlich. Ich gehe davon aus, dass so ziemlich jedes Taxiunternehmen die finanziellen Hilfen des Freistaats beantragt. Wir müssen abwarten.

Wie schützen sich die Taxifahrer vor einer Ansteckung mit dem Virus?

Das Wichtigste ist Abstand, so weit wie möglich. Das heißt, wir lassen die Fahrgäste grundsätzlich hinten einsteigen. Zur Not begrenzen wir die Personenzahl in den Fahrzeugen, bei mehreren Jugendlichen zum Beispiel. Und nach fast jeder Fahrt werden die Fahrzeuge desinfiziert. Außerdem haben wir auf freiwilliger Basis in der Taxivereinigung vereinbart, dass jeder unnötige Einsatz von Aushilfsfahrern unterbleibt. Ich habe zum Beispiel bei mir im Unternehmen normalerweise zwei Rentner im Einsatz. Mit denen habe ich gesprochen, ob es das Risiko überhaupt wert ist, da die Umsätze ja eh im Keller sind. Ich habe bei mir im Unternehmen gerade keinerlei Aushilfen im Einsatz.

Was würden Sie sich wünschen?

Dass die potenzielle Kundschaft weiß, dass es uns nach wie vor gibt und wir für alle Fälle auch bereitstehen. Wichtig wäre, dass jeder, dem es möglich ist, uns an dieser Stelle unterstützt. Und zum Beispiel sagt: Okay, das wäre eine Fahrt, die ich gerne mache und für die ich den privaten Wagen jetzt stehen lasse.

© SZ vom 26.03.2020
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