"Dahoam is Dahoam":Corona-Auszeit für die BR-Kultserie

Lesezeit: 2 min

Dahoam is Dahoam,2448. Spurlos verschwunden

Handschlag, Bussi, keine Abstandsregeln: Bei "Dahoam is Dahoam" ist die Welt noch in Ordnung.

(Foto: Marco Orlando Pichler)

Die Dreharbeiten der Serie "Dahoam is Dahoam" sind unterbrochen. Doch keine Panik: Das fiktive Lansinger Landleben geht weiter.

Von Benjamin Emonts

Immerhin, das fiktive Leben im beschaulichen Lansing ist vom Coronavirus bisher verschont geblieben. Bürgermeisterin Veronika Brunner (Senta Auth) verlegt ihr Büro zwar vom Rathaus an ein ruhiges Fleckchen im Wald, was sofort böse Befürchtungen weckt. Doch verantwortlich für ihren Rückzug sind keine Kontaktsperren - sondern im Rathaus lärmende Handwerker.

Für die Dorfbewohner von Lansing in der Kultserie Dahoam is Dahoam ist die Welt also auch am Dienstagabend in Folge 2512 noch in Ordnung. Auf einer Party beim Brunnerwirt, das lässt einen fast schon erschrecken, drücken die Lansinger juchzend ihre Wangen aneinander, um vor einer Fotobox zu posieren. Abstand hält da niemand.

Im echten Leben in Lansing ist das inzwischen anders. Die Folgen der Corona-Pandemie haben auch vor dem Fernsehdorf in Dachau nicht Halt gemacht. Seit dem 20. März ruht die Produktion auf dem Gelände des stillgelegten Feinpappenwerks an der Schleißheimer Straße. Die Produktionsfirma Constantin Television hatte die Entscheidung bereits am 20. März verkündet. Nur wahrhaben wollten sie anfangs nicht alle.

So kam der große Aufschrei in den Medien erst an diesem Dienstag. Das Nachrichtenportal BR24 hatte zur Mittagszeit einen Artikel darüber veröffentlicht, wie das Leben im drehlosen Lansing derzeit so spielt. Schauspielerin Silke Popp, die in der Serie die Brauereibesitzerin Uschi Kirchleitner verkörpert, erklärte auf ihre humorvolle Art, dass der Brunnerwirt vorübergehend geschlossen habe und Bier leider nicht auslieferbar sei. Zahlreiche andere Medien hatten noch am selben Tag vermeintlich brandaktuell über den "Drehstopp" bei Dahoam is Dahoam berichtet, obwohl er schon vor Wochen begonnen hatte. Vom Bayerischen Rundfunk hieß es am Mittwoch, man sei "ein wenig überrascht" über das plötzliche Medieninteresse gewesen.

Es lässt womöglich tief blicken. Bei Teilen der Bevölkerung macht sich offenbar Panik breit, die Kultserie könnte wegen des Drehstopps vorübergehend nicht mehr erscheinen. Der Vorrat an bereits gedrehten Folgen reicht nach Angaben des Bayerischen Rundfunks nur noch bis Anfang Mai. Doch bis genau dahin will die Bundesregierung ihre Kontaktbeschränkungen aufrechterhalten. Die Verantwortlichen in Lansing grübeln deshalb, wie es trotz Coronavirus weitergehen könnte. "Wir wollen natürlich, dass kein Loch entsteht, dass unsere Zuschauer weiterhin schauen können", betonte Schauspielerin Popp.

Überlegungen gibt es viele. So könnten ältere Darsteller dem Set vorerst fernbleiben, um sich nicht anzustecken. Schauspieler könnten sich in der Maske selbst schminken. Oder die Drehbücher sollen laut Redakteurin Daniela Boehm so umgeschrieben werden, dass die Szenen mit zwei bis drei handelnden Personen auskommen.

Die Fans der Serie, die im Vorabendprogramm des Bayerischen Fernsehens bis zu einer Million Zuschauer hat, würden es danken. Gerade in dieser Zeit, so ist in den sozialen Netzwerken zu lesen, bedeutet ihnen das Lansinger Landleben viel. Es bietet, sagt Schauspielerin Popp, "eine halbe Stunde Auszeit" am Tag von Corona. Auch künftig soll die Handlung von der Epidemie verschont bleiben.

Die derzeit beschäftigungslosen Schauspieler unterhalten ihre Fans in den sozialen Netzwerken derweil weiter. Ursula Erber, die in der Serie die lebenskluge Theresa Brunner spielt, zeigt am Waschbecken, wie man sich die Hände gründlich wäscht. "Cool bleiben" und "das Hirn einschalten" rät sie ihren zahlreichen Fans dahoam.

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