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Corona und Schule:Gestaffelter Schulbeginn wird abgelehnt

Bushaltestellen an denen sich, wie am Kloster Markt Indersdorf, viele Kinder in den Bus drängen, gibt es viele. Einen gestaffelten Schulbeginn soll es dennoch nicht geben.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Eltern sind wegen des Gedränges in Bussen besorgt, aber die Schulleiter wollen einen einheitlichen Unterrichtsstart

Von Jacqueline Lang, Dachau

Coronabedingt haben die Landkreisschulen in den vergangenen Monaten immer wieder zwischen Präsenz- in den Distanz- oder Wechselunterricht hin und her gewechselt. Und obwohl damit in den meisten Wochen insgesamt weniger Schüler mit dem Bus auf dem Weg in die Schule waren, waren die Busse doch auf manchen Linien immer noch zu voll, um Abstände einhalten zu können - so zumindest die Ansicht zahlreicher besorgter Eltern. Bereits vor Monaten war deshalb überlegt worden, den Schulbeginn zu staffeln. Nun bekamen Elternvertreter und Schulleiter im Schul- und Kreisausschuss die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Letztlich wurde die Idee verworfen.

Schon in der Vergangenheit hatte Landrat Stefan Löwl (CSU) betont, dass die Entscheidung darüber, wann der Unterricht beginne, letztlich bei den Schulen liege. Albert Herbst, Sachgebietsleiter Kreisschulen und ÖPNV, machte außerdem noch einmal deutlich, dass die Vertaktung gerade im ländlichen Raum schwer zu realisieren und daher "allenfalls mittelfristig umsetzbar" sei. Christina Epple, Elternbeiratsvorsitzende des Dachauer Ignaz-Taschner-Gymnasiums (ITG), appellierte indes, nichts unversucht zu lassen. Aus Elternsicht sei es "schwer ertragbar", dass Schüler gerade in der jetzigen Zeit dicht an dicht gedrängt stünden. Eine Staffelung des Unterrichtsbeginns könnte helfen, diesem Problem Abhilfe zu schaffen. "Wenn es nur noch drei Busfahrer gibt, dann bitte engagieren Sie die", so Epple. Gleichwohl räumte sie ein, dass etwa bei der Verbindung zwischen Dachau und Schwabhausen vier Busse unterwegs seien, aber nur der letzte stark frequentiert sei.

ITG-Schulleiter Erwin Lenz äußerte im Namen aller Schulleiter "größte Bedenken", eine Staffelung vorzunehmen - sowohl aus logistischer, aber auch aus pädagogischer Sicht. Sollte der Unterricht später beginnen, würden die Kinder noch später nach Hause kommen als ohnehin schon. Es sei allerdings erwiesen, dass die "Leistungskurve" zu späterer Stunde immer weiter abnehme. Eine Staffelung bringe, so Lenz, aber nicht nur Unruhe in den Schulalltag, sondern auch in die Familien, wenn Kinder zu unterschiedlichen Zeiten zur Schule gingen und heim kämen - und obendrein führe das Ganze auch zu mehr Personalaufwand, so Lenz. "Ein unterschiedlicher Unterrichtsbeginn erscheint aus organisatorischen Gründen nicht durchführbar und nicht wünschenswert", fasste Lenz die Meinung der Schulleiter zusammen.

Landrat Löwl sagte, man könne Schüler nicht zwingen, bestimmte Verbindungen zu nehmen. "Eigentlich sollte es der Markt doch regeln. Steuerbar ist das eigentlich kaum." Dieser Einschätzung schlossen sich letztlich auch die Mehrheit der Kreisräte an. Allein Kreisrat Jonathan Westermeier (Linke/Partei) sagte, er hätte sich mehr "Vorstellungskraft" gewünscht und plädierte dafür, es doch zumindest einmal auszuprobieren. Der Schulbeginn wird somit bis auf weiteres nicht gestaffelt. Sachgebietsleiter Herbst versprach den Eltern allerdings, die Situation weiter im Auge zu behalten und gegebenenfalls "punktuell" erneut nachzusteuern.

© SZ vom 16.03.2021 / jala
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