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Corona in Dachau:Die Impfbereitschaft im Landkreis Dachau ist hoch

Impfbeginn Corona

Viele Pflegekräfte wollen sich impfen lassen - doch es gibt auch Skeptiker.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Im Landkreis Dachau ist die Anzahl des Pflegepersonals, das sich nicht impfen lassen will, vergleichsweise gering. Doch auch unter ihnen gibt es jene, die Angst vor Nebenwirkungen und das Vertrauen in die Politik verloren haben

Von Julia Putzger, Dachau

Seit Ende Dezember wird im Landkreis Dachau fleißig geimpft. Unter denen, die den kurzen Pieks bereits hinter sich haben, sind neben den Senioren vor allem Ärzte, Pfleger und weiteres medizinisches Personal - von zögerlicher Impfbereitschaft im Gesundheitssektor, wie sie andernorts bemängelt wurde, ist kaum etwas zu spüren. Doch auch im Landkreis gibt es so manchen Skeptiker.

Von 1200 Mitarbeitern, die die Helios-Amper-Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf zählen, wurden bereits 350 gegen Covid-19 geimpft - mehr Impfdosen waren bisher nicht verfügbar. Am heutigen Mittwoch soll nun erstmals eine Lieferung des neuzugelassenen Impfstoffes von Moderna im Landkreis ankommen, die 200 Dosen sollen am Donnerstag und Freitag an die Klinikumsmitarbeiter verabreicht werden. Somit dürfte mit Ende der Woche knapp die Hälfte des Krankenhauspersonals geimpft sein. "Die Impfbereitschaft unserer Belegschaft ist hoch", informiert die Pressesprecherin der Helios-Amper-Kliniken, Pia Ott. Sobald weitere Impfdosen zur Verfügung stünden, werde man neue Termine für die Mitarbeiter organisieren.

Für Ärzte, die in ihren Praxen ein "sehr hohes Expositionsrisiko" in Bezug auf das Coronavirus haben, gilt ebenso wie für Pflegepersonal die höchste Priorität bei der Zuweisung des Impfstoffs. Christian Günzel, der als Versorgungsarzt des Landkreises aktuell unter anderem alle Vorgänge rund um die Coronaschutzimpfung koordiniert, berichtet, dass es auch unter den niedergelassenen Ärzten sehr großes Interesse an der Impfung gebe. "Natürlich ist das nur ein subjektiver Eindruck, weil diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, erfasse ich ja nicht. Aber insgesamt habe ich einen sehr guten Eindruck", sagt er und klingt dabei vor allem eins: erleichtert. Denn dass die Schutzimpfung so gut angenommen wird, das hätte er eigentlich nicht gedacht. "Ich bin positiv überrascht", sagt Günzel.

Denn Grund zur Sorge hätte der Versorgungsarzt allemal gehabt: In einer bundesweiten Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin und der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hatten im Dezember nur 73 Prozent der Ärzte und lediglich die Hälfte der Pflegekräfte angegeben, sich impfen lassen zu wollen. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat bereits eine Impfpflicht zumindest für Pflegekräfte vorgeschlagen, da es unter diesen eine zu hohe Rate an Impfverweigerern gebe. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) berichtete ebenfalls von teils sehr geringen Impfquoten von nur 20 Prozent in manchen Heimen, gleichwohl es auch gegenteilige Beispiele mit einer Quote von über 80 Prozent gebe.

Impfbeginn Corona

Versorgungsarzt Christian Günzel ist erleichtert und zugleich überrascht, dass die Impfbereitschaft hoch ist.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Seniorenheim Haus Curanum in Karlsfeld weiß man aus eigener, leidiger Erfahrung, was das Coronavirus anrichten kann. Rund hundert Bewohner und mehr als ein Drittel der Mitarbeiter infizierten sich dort im November mit dem Virus, das auch über 20 Todesopfer forderte. Und trotzdem: Knapp ein Drittel des Personals, das mit höchster Priorität für die Impfung eingestuft wäre, hat diese laut Heimleiter Holger Jantsch abgelehnt. Er sieht vor allem fehlendes Vertrauen als Ursache für diese Haltung: Einerseits wolle so mancher wohl noch abwarten, wie der Impfstoff tatsächlich wirke und welche Nebenwirkungen auftreten. Andererseits sei laut Jantsch für die Wahrnehmung vieler Pfleger "das ständige Hin und Her nicht besonders förderlich": Zwar habe in den beiden Impfzentren im Landkreis alles "super geklappt", andernorts habe es aber beispielsweise nur sehr wenige Impfdosen für das Pflegepersonal gegeben. "Wenn wir noch etwas übrig haben, bekommen es die Pfleger. Was ist denn das für eine Botschaft?", fragt er sich. Im Pflegesektor habe das Vertrauen in die Politik - nicht nur deshalb - einen Tiefpunkt erreicht. "Diese Unzufriedenheit sucht sich dann Kanäle - dass dieses Protestverhalten der richtige ist, glaube ich aber nicht", so der Heimleiter. Generell jedoch ist Jantsch mit der Impfquote im Haus Curanum zufrieden - dass über 90 Prozent der Bewohner bereits die erste Impfdosis erhalten haben, gebe einem zumindest eine gewisse Sicherheit.

In dieser Woche werden vor allem Landkreisbürger, die über 80 Jahre alt sind, geimpft. Von Donnerstag an können erneut mehr als 1000 individuelle Termine für die kommende Woche vereinbart werden. "Wir haben die Impfstoffzuteilung nicht in der Hand, aber in nächster Zeit sollte die Liefermenge stabiler werden", kündigt Versorgungsarzt Günzel an. Bis Ende nächster Woche könnten demnach bereits 4000 Landkreisbürger geimpft sein. Die 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis lag am Dienstag laut RKI-Zahlen bei 117,5.

© SZ vom 13.01.2021
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