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Neue Auflagen:Landratsamt Dachau verschärft Kampf gegen Coronavirus

Trockene Brunnen

Das Bürgerhaus Karlsfeld bietet Platz für hunderte Besucher. Sein Festsaal ist der größte Veranstaltungsraum im Landkreis.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wegen der Ausbreitung der Infektionskrankheit müssen Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern angezeigt werden

Von Gregor Schiegl, Dachau

Der Kampf gegen das sich ausbreitende Coronavirus wird nun auch im Landkreis deutlich schärfer geführt als bisher. Das Landratsamt Dachau untersagte am Donnerstag kurzfristig die für Samstag geplante Karl-Valentin-Lesung mit dem Schauspielerduo Günther Maria Halmer und Michaela May im Bürgerhaus Karlsfeld. Jan-Peter Wiebe, der zuständige Veranstalter vom Konzertwerk München, wurde darüber vom Landratsamt am Donnerstag telefonisch informiert. "Er war der erste, den es getroffen hat", sagte Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt. Jan Peter-Wiebe zeigte Verständnis für den Schritt: "Ich werde versuchen, dass die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann."

Ergänzend zu neuen Direktiven der Staatsregierung am Donnerstag hat das Landratsamt noch am selben Tag eine Allgemeinverfügung erlassen, wonach öffentliche Veranstaltungen im Landkreis mit mehr als 250 Teilnehmer dem Landratsamt schriftlich gemeldet werden müssen. Anzeigepflichtig können Veranstaltungen, an denen viele Personen aus Risikogruppen wie Alte oder Menschen mit Vorerkrankung zusammenkommen, sogar schon ab 101 Teilnehmern sein. Betroffen von dieser Regelung sind aber auch Feuerwehrfeste oder Ärztekongresse, also Veranstaltungen, an denen eine große Zahl von Personen teilnimmt, auf die man im Krisenfall besonders angewiesen wäre. Ob die Regelung für private Ereignisse wie große Hochzeiten gilt, konnte Reichelt am Donnerstag auf Nachfrage allerdings nicht beantworten. Die Regelung tritt an diesem Freitag um zwölf Uhr Mittag in Kraft und gilt zunächst bis 19. April.

Der Festsaal in Karlsfeld ist der größte Veranstaltungsraum im Landkreis und fasst mehr als 600 Besucher. Bislang wurden in Bayern nur Großveranstaltungen ab 1000 Besuchern abgesagt. Mit der neuen Regelung können auch Veranstaltungen mit weniger als 250 oder 100 Besuchern vom Landratsamt untersagt werden. Die Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung entscheidet auf Grundlage von Fragebögen, die der Veranstalter ausfüllen muss, ob das Risiko zu verantworten ist, die Veranstaltung zu erlauben. Findet die Veranstaltung drinnen oder draußen statt, wie eng sitzen die Besucher beisammen, wie gut ist der Raum belüftet und mit welchen Personengruppen ist zu rechnen? Auch für die Karl-Valentin-Lesung in Karlsfeld wurden diese Punkt abgefragt - mit dem Ergebnis, dass die gesundheitlichen Risiken zu hoch wären.

Zu diesem Ergebnis sind viele Veranstalter auch ohne behördlichen Ukas gekommen. So sind nun auch die Aufführungen des Stücks "Heilig Abend", das am Freitag, 27. März, in der Aula der Realschule Indersdorf Premiere haben sollte, abgesagt worden, "schweren Herzens", wie Maria Reischl vom Theaterverein Indersdorf sagt. Die für Montag, 23. März, geplante Veranstaltung im Karlsfelder Bürgerhaus "Musik am Nachmittag" wurde bereits am Mittwoch auf den 29. September verlegt, in der Hoffnung, dass die Corona-Epidemie bis dahin eingedämmt ist und das öffentliche Leben wieder normal stattfinden kann.

© SZ vom 13.03.2020

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