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Corona-Infektion in Dachau:Amperklinik geht teilweise wieder in Betrieb

Feuerwehr im coronaeinsatz

Über Nacht errichteten Hilfskräfte der Feuerwehr auf der Volksfestwiese in Markt Indersdorf eine neue Bereitschaftspraxis.

(Foto: Feuerwehr)

Das Krankenhaus ist am Freitag wegen eines unerkannten Corona-Falls komplett geschlossen worden. Inzwischen liegen erste Testergebnisse vor.

Nach dem Katastrophenfall im Helios Amper-Klinikum Dachau herrscht Verunsicherung unter den Menschen im Landkreis - aber auch unter den Klinikbeschäftigten, die sich über einen mangelhaften Schutz beklagen. Am Freitag, später Nachmittag, war das Klinikum in Dachau komplett geschlossen worden. Ein mit dem Coronavirus infizierter Herzpatient aus Starnberg, so weiß man inzwischen, hatte das Coronavirus eingeschleppt. Ärzte und Pfleger hatten von dessen Infektion keine Ahnung.

Ein Teil der mehr als tausend Klinikmitarbeiter und Patienten wurde nun auf Covid-19 getestet. Bei 160 von knapp 200 Patienten des Krankenhauses sind nach Auskunft des Landratsamts keine weiteren Infektionen festgestellt worden, 40 Ergebnisse stehen noch aus. Auch die Befunde der mehr als 1000 Beschäftigten liegen erst zur Hälfte vor. Sieben Mitarbeiter wurden positiv getestet und vom Gesundheitsamt unter häusliche Quarantäne gestellt. Die restlichen Ergebnisse sollen spätestens Montagmittag vorliegen.

Bis in die Abendstunden tagte am Sonntag ein Krisenstab aus Vertretern des Klinikums und des Landratsamts. Durch bauliche Veränderungen können die verschiedenen Bereiche im Amper-Klinikum demnach wieder in Betrieb genommen werden. Die Geburtshilfe soll bereits im Laufe des Montags wieder geöffnet werden. Auch die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und die ambulante Nothilfe stehen ab sofort wieder für alle Patienten offen.

Eine stationäre Aufnahme auch von Patienten ohne Covid-19-Erkrankung soll voraussichtlich Mitte kommender Woche wieder möglich sein. Zur Sicherheit sollen alle Beschäftigten der Amper-Kliniken von jetzt an in engen Zyklen auf das Virus getestet werden. Außerdem werden die Abteilungen strukturell und organisatorisch möglichst getrennt. Die Kantinen und die Cafeteria werden geschlossen; Übergabegespräche bei Schichtwechsel neu strukturiert.

Am Wochenende drückten viele Landkreisbürger in den sozialen Medien ihre Angst aus, wohin sie sich denn wenden sollen, wenn sie eine Behandlung im Krankenhaus brauchen. Zumal sich das Virus weiter ungehemmt ausbreitet. Bis Sonntag, 17 Uhr, sind 47 Personen aus dem Landkreis neu positiv getestet worden, insgesamt sind es damit 500 Fälle, wie das Landratsamt mitteilte. Am Freitagabend sind zwei weitere Covid-19-Patienten gestorben, inzwischen gibt es also im Landkreissechs Todesfälle. Unter den Beschäftigten in der Klinik wächst unterdessen der Unmut.

Bereits am 19. März hat die Unabhängige Betriebsgruppe der Amper-Kliniken öffentlich die Forderung nach "ausreichend Schutzkleidung" gestellt. Es herrsche Knappheit an Mund- und Nasenschutz, FFP2- und FFP3-Masken, hieß es. Die Herausgabe erfolge nur auf Drängen. Am vergangenen Freitagmittag, als die vorübergehende Schließung des Klinikums noch bevorstand, legte die Gruppe nach. Auch Schutzkittel, Blutdruckmanschetten, Thermometer und die dafür vorgesehenen Hülsen seien inzwischen knapp. Nicht zwingend notwendige Operationen und Eingriffe seien zu spät abgesagt worden. Entgegen ihrer öffentlichen Darstellung habe die Klinikleitung die Situation nicht im Griff. "Wir sind kein Kanonenfutter. Gesundheitsschutz muss auch für uns Beschäftigte gelten", fordern die Pflegekräfte.

Viele Menschen reagieren verunsichert

Das öffentliche Statement lässt tief blicken. Die Mitarbeiter, die ohnehin an der Grenze der Überbelastung arbeiten, leiden auch unter weitgehenden Einschränkungen. Als weitere Vorsichtsmaßnahme sind alle Mitarbeiter der Klinik strikt dazu angehalten, sich außerhalb ihrer Tätigkeit in der Klinik in häusliche Quarantäne zu begeben. Eine Pflegekraft, die anonym bleiben will, berichtet, dass sie ein Fieber- und Symptomtagebuch mit sich führen müsse, das auf Verlangen jederzeit vorzuzeigen sei. Mündlich sei man darauf hingewiesen worden, dass sie keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürften. Die Unabhängige Betriebsgruppe betont, man wolle nicht in Panik verfallen; alle Mitarbeiter verhielten sich solidarisch. Doch auf die schwierigen Arbeitsbedingungen müsse man aufmerksam machen.

In der Bevölkerung, das verdeutlichen Hunderte Kommentare auf Facebook, machte sich nach der Schließung Verunsicherung breit. Ein User aus Dachau fragte, wohin er im Falle eines Notfalls nun transportiert würde. Oder eine Frau stellte die Frage, ob sie sich nun testen lassen müsse, weil sie in der vergangenen Woche die Bereitschaftspraxis des Klinikums besucht hat. Große Sorgen machen sich besonders Schwangere, die in Dachau entbinden wollten. Eine Frau in der 36. Woche schrieb auf Facebook, sie habe Angst, das Kind auf der Straße bekommen zu müssen. Im Klinikum Dachau wolle sie ihr Kind keinesfalls mehr auf Welt bringen. Nach Antworten auf ihre drängenden Fragen warteten die Menschen bis Sonntagabend.

Feuerwehren und THW im Stress

Stress hatten die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk am Wochenende. Nachdem die Kliniken im Landkreis Dachau geschlossen wurden, siedelten sie die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung aus dem Klinikgebäude Indersdorf um. Die Feuerwehren Vierkirchen und Pasenbach errichteten im Rekordtempo von Freitagabend bis Samstag auf dem Volksfestplatz in Indersdorf, neben der zentralen Corona-Teststelle, eine Zeltanlage für die Patientenaufnahme sowie die Behandlung. Die Praxis nahm am Sonntag ihren regelmäßigen Betrieb auf.

Auf Hochtouren laufen auch die Arbeiten am Hotel "Select" in der Gaußstraße im Dachauer Gewerbegebiet. Das Hotel wird zum Hilfskrankenhaus umgerüstet und soll bald schon Covid-19-Patienten aus Akutkliniken im Landkreis Dachau und den umliegenden Landkreisen aufnehmen. Das Technische Hilfswerk hat am Wochenende einen Zaun um das Hotel gezogen, vor dem Eingang wurde eine Infektionsschleuse errichtet. Auch die Innenarbeiten haben begonnen. Überzählige Betten werden eingelagert. In den Zimmern installiert man Rufanlagen für die Patienten. Für die Versorgung mit Sauerstoff bauen die Helfer eine Anlage in einen Container, an welche die Sauerstoffflaschen angeschlossen sind.

© SZ vom 06.04.2020/gsl
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