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Computergesteuerte Lagerlogistik:Umworbene Jugendliche

Unternehmen im Landkreis kämpfen lange schon mit Nachwuchsproblemen und greifen zu bisher ungewöhnlichen Methoden. Die Dachauer Firma Ludwig Meister zum Beispiel holt sich ganze Schulklassen in den Betrieb

Seit einigen Jahren schon haben Unternehmen, besonders im Handwerk, mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. In Bayern blieben zu Beginn dieses Ausbildungsjahres Tausende von Lehrstellen unbesetzt. Neue Anreize scheinen dringend nötig, wenn man einem künftigen Facharbeitermangel und Handwerkssterben begegnen will. Unter anderem deshalb hat sich die Firma Ludwig Meister, ein Unternehmen für Antriebs- und Werkzeugtechnik mit Hauptsitz in Dachau, jetzt erstmals direkt an die Schulen gewandt, um Jugendlichen Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsfelder vorzustellen. "Leider sind nur zwei der angefragten Schulen unserer Einladung gefolgt", erklärt Petra Maier, Ausbildungsleiterin im Unternehmen.

Eine der Hallen des Fachbetriebs Ludwig Meister für Werkzeug- und Antriebstechnik in der Stadt Dachau.

(Foto: Toni Heigl)

Eine davon ist die Mittelschule Karlsfeld, die mit 18 Schülern und Schülerinnen aus den achten und neunten Klassen zum Betriebsbesuch erscheint. Lehrerin Doris Maier betont das Engagement ihrer Schule, die Jugendlichen von der siebten Klasse an intensiv an die berufliche Ausbildung heranzuführen. In den letzten beiden Schuljahren des Karlsfelder Modells setzen sich die Klassen im Unterricht sowie bei Praxistagen in den Betrieben mit Inhalten der verschiedenen Lehrberufe und den potenziellen Arbeitgebern auseinander. So fanden schon Besichtigungen bei Kraus Maffei statt. Im Sommer machte zudem die Ausbildungsoffensive vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie Station an der Mittelschule Karlsfeld.

Arbeiten mit digitalen Tools

Geschäftsführer Max Meister führt die Jugendlichen zunächst durch die Hallen des Familienbetriebs und stellt automatisierte Verpackungsanlagen, Logistik, die Kommissionierung und Werkstätten vor. Immer wieder betont er die Bedeutung und stetige Optimierung digitaler Betriebsabläufe. "So werden zum Beispiel automatisiert Fotos von allen Produkten für den Webshop geschossen", erklärt er. Ein modernes Arbeitsumfeld soll den oft technikaffinen Jugendlichen die Ausbildung schmackhaft machen. "Ihr werdet alle maßgeblich mit digitalen Tools arbeiten", verspricht Max Meister.

Schüler und Schülerinnen der Mittelschule Karlsfeld lauschen im Logistik-Betrieb Ludwig Meister dem Geschäftsführer Max Meister.

(Foto: Toni Heigl)

Im Konferenzraum erfahren die Jugendlichen alles Wissenswerte über die Ausbildungsmöglichkeiten. Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik steht an diesem Tag im Mittelpunkt, da die Firma am Standort Dachau in diesem Bereich für das nächste Jahr noch Auszubildende einstellt. "Wir bilden sehr gerne aus. Nicht um billige Arbeitskräfte zu bekommen, sondern weil ich sicherstellen will, dass alle unsere Mitarbeiter auch wissen, was uns wichtig ist", erklärt Meister. Ein gutes Betriebsklima, auch bei den Auszubildenden, sei ihm wichtig. "Wir veranstalten zum Beispiel Azubitage, ein Businessknigge oder Ausflüge zu Partnerfirmen." Bei 15- bis 17-Jährigen müsse man natürlich auch ein Stück weit Verständnis für diese schwierige Phase mitbringen, fügt er hinzu.

"Wenn ich wirklich möchte, gibt es keine Grenzen"

Eine offizielle Übernahmegarantie gebe es zwar nicht, aber fast alle Azubis würden nach ihrer dreijährigen Ausbildung im Betrieb weiterbeschäftigt, versichert Petra Maier. Die Schüler fragen nach Bewerbungsfristen, benötigten Schulabschlüssen und Praktikumsplätzen. "Wie ist es denn, wenn ich eine Zusage für einen Ausbildungsplatz bekomme und dann meinen Abschluss nicht schaffe?", will eine Schülerin wissen. Ein qualifizierender Hauptschulabschluss sei nicht vorgeschrieben, aber in der Regel notwendig, um die Anforderungen der Berufsschule meistern zu können, antwortet Maier. Sie sagt aber auch: "Man kann über alles reden." Man merkt, dass es ihr wichtig ist, die Schüler zu ermutigen. Sie betont die Weiterbildungsmöglichkeiten - sei es innerbetrieblich oder über den zweiten Bildungsweg. "Wenn ich wirklich möchte, gibt es keine Grenzen."

Dann geht es endlich zur Praxis über. An den Stationen Wareneingang, Kommissionieren und Verpacken lernen die Jugendlichen gruppenweise die Geräte und Arbeitsprozesse kennen. Ihr räumliches Vorstellungsvermögen dürfen die Schüler etwa an der Verpackungsstation beweisen, die ebenfalls zum größten Teil automatisiert ist. "Sieht super aus. Sehr professionell", lobt der Stationsleiter die drei Achtklässler Marcel, Luca und Elvis. Ein Highlight wartet dann auch noch auf die Gruppe: der Vakuum-Schlauchheber. Nach kurzer Eingewöhnung bedienen die Jugendlichen das Gerät mithilfe des Joysticks schon recht gekonnt und steuern die schweren Pakete gezielt durch die Luft. "Schon interessant", finden die Jugendlichen. Auch wenn sie noch keine genaue Vorstellung von ihrem Wunschberuf haben, dürfte der Betriebsausflug doch zumindest bei der Orientierung geholfen haben.

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