CSD in DachauBunter Protest gegen Ausgrenzung

Lesezeit: 2 Min.

Bunt und laut: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Christopher Street Days in Dachau.
Bunt und laut: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Christopher Street Days in Dachau. Toni Heigl

Beim dritten Christopher Street Day in Dachau zeigen Mitglieder der queeren Szene und ihre Unterstützer, dass sie sich von Anfeindungen nicht einschüchtern lassen. Sie demonstrieren lautstark für Vielfalt und Selbstbestimmung.

Von Andreas Förster, Dachau

Bunt und vielfältig präsentiert sich die queere Szene Dachau am Samstagnachmittag bei bestem Frühsommerwetter. Einige zeigen sich leicht bekleidet, andere tragen Fetisch-Masken, die denen des Rappers Cro ähneln. Sie treffen sich am Max-Mannheimer-Platz, um beim Christopher Street Day für Vielfalt, Toleranz und ein selbstbestimmtes Leben zu demonstrieren.

Kilian ist einer von ihnen. Der 22-jährige Student aus Dachau hat auch schon an den ersten beiden dieser Paraden in der Stadt teilgenommen. Seit zwei Jahren weiß er sicher, dass er queer oder bisexuell ist, jedenfalls nicht hetero. „Damals habe ich mich Hals über Kopf in meinen Freund verliebt“, erzählt er. Kilian hat seinen selbst gebauten Bollerwagen mitgebracht, darauf wird Fabian Handfest vom selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentrum Freiraum seine private Lautsprecherbox montieren, damit die „Pride Parade“ beschallt werden kann. „Ich bin nur zum Lärmmachen da“, feixt der ehemalige Jugendratsvorsitzende.

Jona Ott von den Veranstaltenden des CSD tritt um 14.30 Uhr vors Mikro und animiert die Besucher, sich beim anschließenden Rundgang lautstark bemerkbar zu machen: „Auch wenn die Situation in der Gesellschaft zunehmend schwieriger wird und die Anfeindungen zunehmen, wir lassen uns nicht mundtot machen.“ Man sei gekommen, um zu bleiben. Unterstützung bekommt Jona Ott nicht nur von den rund 150 Teilnehmern, sondern auch von der Partei Die Linken, die einen Stand auf dem Platz aufgebaut hat.

Student Kilian ist bereits zum dritten Mal beim CSD in Dachau dabei.
Student Kilian ist bereits zum dritten Mal beim CSD in Dachau dabei. Toni Heigl

Außerdem teilen sich die Initiativen „Queer im Dachauer Land“ und „Queer Pastoral“ einen Stand. Dahinter stehe die Erzdiözese München und Freising, die sich seit etwa zweieinhalb Jahren auf die queere Community mit diversen Gesprächsinitiativen wie „Out in Church“ zubewege, sagt Johannes Fichtl, Pastoralreferent vom Pfarrverband Petershausen-Vierkirchen. Seit Januar dieses Jahres gebe es eigens geschulte Ansprechpartner für „queersensible Seelsorge“, erklärt er.  „Für den Landkreis sind Dekanatsreferentin Susanne Deininger und ich die Ansprechpartner“, sagt Fichtl. Jetzt gelte es zuzuhören und Vertrauen aufzubauen, denn „die Kirche hat einen klaren Auftrag: Keiner darf ausgeschlossen werden.“ Man wolle nun die Tür öffnen und in Zeiten wachsender Queer-Feindlichkeit die Stimme erheben.

„Die Kirche hat einen klaren Auftrag: Keiner darf ausgeschlossen werden“, sagt Johannes Fichtl, Pastoralreferent vom Pfarrverband Petershausen-Vierkirchen und Ansprechpartner in Sachen queere Seelsorge.
„Die Kirche hat einen klaren Auftrag: Keiner darf ausgeschlossen werden“, sagt Johannes Fichtl, Pastoralreferent vom Pfarrverband Petershausen-Vierkirchen und Ansprechpartner in Sachen queere Seelsorge. Toni Heigl

Ihre Stimme erheben wollen auch die Teilnehmer der Pride-Parade durch Dachau. Anfangs werden noch Lieder von Queer-Ikone Lady Gaga mitgesungen. Später skandieren sie Parolen wie „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, „My body, my choice, raise your voice“ und „We are unstoppable, another world is possible“. Die Menge skandiert auch „Alerta, alerta antisexista“, eine abgewandelte Version des spanischen Schlachtrufs der Antifaschisten.

Die Polizei ist präsent und begleitet die Parade mit Streifenwagen und mithilfe kurzzeitiger Absperrungen über die Alte Schleißheimer Straße und Frühlingsstraße vorbei am S-Bahnhof. Die Security kommt aus den eigenen Reihen. Maxalian gehört dazu: robuste Statur, im Military Style gekleidet. „Ich bin nicht binär trans und benutze alle Pronomen“, erklärt er. Zu seinen Aufgaben gehört, auf Störer zu achten und darauf, dass der Teilnehmerzug keine Lücken reißt – aber auch, dass bei der Hitze genug getrunken wird.

Am Max-Mannheimer-Platz dominieren am Samstag die Regenbogenfarben.
Am Max-Mannheimer-Platz dominieren am Samstag die Regenbogenfarben. Toni Heigl

Um die hundert CSDs habe er schon begleitet, erzählt Maxalian. Nicht immer sei alles so friedlich wie hier. „In Görlitz standen 600 CSD-Teilnehmern 600 Gegen-Demonstranten feindselig gegenüber, die Polizei musste aktiv einschreiten“, berichtet er. Doch auch in Dachau gibt es Anfeindungen: Peter, seit Jahren im Jugendkulturzentrum Freiraum aktiv, berichtet von verstärkten Umtrieben der rechten Szene, die schon mehrmals mit Bengalos und Transparenten gegen den Freiraum protestiert hätten.

Als die Parade um 16 Uhr wieder am Max-Mannheimer-Platz ankommt, zieht sich die Polizei zurück. „Keine besonderen Vorkommnisse“ steht im Protokoll. Sie spricht von rund 100 Teilnehmern, die Veranstalter von etwa 250. Friedlich bleibt es auch beim anschließenden Konzert der queeren Musiker Issy & Krafunkel sowie der Afterparty mit DJ R Summer und einer Drag-Performance von Kasey Klett im Freiraum Dachau.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Einsatz für die Menschenrechte
:„Ohne Druck von der Straße wird selten etwas erreicht“

Ungarn hat den Budapest Pride March verboten. Das Münchner CSD-Team schickt trotzdem eine Delegation dorthin. Henryk Hoefener erklärt, warum man nicht aufgeben soll – und warum die Demo-Organisation auch in Deutschland schwieriger geworden ist.

SZ PlusInterview von Johanna Feckl

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: