Christian Benning im Dachauer SchlossPhänomenal

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An seinem 18. Geburtstag begeistert der Dachauer Schlagzeuger Christian Benning das Publikum im brechend vollen Schlosssaal mit rhythmischer Präzision und Virtuosität.

Von Andreas Pernpeintner

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Christian Benning, Patrick Stapleton und Linda-Philomene Tsoungui (von links) spielen gemeinsam "Trio per Uno" von Nebojsa J. Zivkovic.
Christian Benning, Patrick Stapleton und Linda-Philomene Tsoungui (von links) spielen gemeinsam "Trio per Uno" von Nebojsa J. Zivkovic. Toni Heigl

Von den Presseplätzen in der hintersten Ecke bekommt man einen guten Eindruck davon, wie brechend voll der Dachauer Schlosssaal an diesem Freitagabend ist. Es gastiert der junge Dachauer Schlagzeuger Christian Felix Benning, zusammen mit Kommilitonen von der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Benning, in diesem Jahr Bundessieger beim Wettbewerb "Jugend musiziert" und somit einer der besten Nachwuchsmusiker Deutschlands, ist in Dachau aufgewachsen und besucht das Josef-Effner-Gymnasium. Schon früh interessierte er sich auch für das klassische Schlagwerk und bestand im Alter von 13 Jahren an der Münchner Musikhochschule die Aufnahmeprüfung als Jungstudent. Seitdem studiert er parallel zur Schule: Schlagzeug bei Adel Shalaby, Klavier, Musiktheorie. Sicher einer der attraktivsten Wege, um Musik zu studieren, denn Schlagzeug, das ist nicht nur das Drumset, sondern die Summe aus unzähligen Instrumenten, von der kleinsten Zimbel bis hin zur mehrere Meter großen Marimba, einem Riesenxylofon gewissermaßen.

Wie beeindruckend das Spielen auf der Marimba ist, zeigt sich gleich zu Beginn bei einem von Benning selbst verfertigtem Arrangement von Isaac Albeniz' Klavierstück "Asturias" für Marimba. Allein der Anblick, wie Benning mit zwei Händen vier Schlägel handhabt, je zwei paarweise in einer Hand, und damit über die Klangstäbe gleitet, ist faszinierend. Das Ergebnis ist eine dynamisch und agogisch fein abgewogene Musik, in der die gesamte Komplexität des ursprünglichen Klavierstücks offenbar wird: melodische Linien, Begleitstrukturen - die Übersetzung auf die Marimba funktioniert wunderbar. Obwohl im Verlauf der Konzerts noch virtuosere Beispiele für instrumentales Transformieren zu hören sind (Vittorio Montis schmalzig-voranpreschender "Csardas"-Ohrwurm zum Beispiel), ist dieser ruhige Auftakt einer der Höhepunkte des Abends.

Benning präsentiert in der ersten Konzerthälfte eine große Bandbreite der Schlagzeugkunst, wechselt zwischen der Marimba, dem klanglich zauberhaft schwebenden Vibrafon, dem Drumset und der Snare Drum. "Le Train" von Dante Agostini ist ein Paradestück für die Snare Drum. Eine Programmmusik im Kleinen, denn so wie Benning hier dynamische Verläufe in Szene setzt, kräftige Crescendi und heftige Subito-Piano-Effekte, entsteht ein sehr plastisches Bild eines stampfenden Zuges. Ein Schelm, wem dabei durch den Kopf schießt, dass der Komponist Arthur Honegger bei "Pacific 231" ein ganzes Symphonieorchester braucht, um dieselbe Assoziation hervorzurufen.

Bennings rhythmische Präzision ist dabei nie die klangliche Botschaft, sondern die selbstverständliche Grundlage seines Musizierens. Besonders deutlich wird dies, wenn er sich hinter das Drumset setzt, um zu improvisieren. Natürlich hat ein Drumsolo stets mit technischer Finesse zu tun. Daraus hat sich, von so manchem Rockschlagzeuger befeuert, ein recht verbreitetes Verständnis vom Schlagzeugsolo als eine Art Brachialinferno entwickelt. Schneller, lauter, artistischer - und am Ende steht der Virtuose im gleißenden Scheinwerferlicht auf und wirft sein Schweißtuch in die tobende Masse. Nichts da, wenngleich Bennings Publikum nicht minder begeistert ist. Sein Solo kommt phasenweise fast still daher - und ist gerade deshalb phänomenal musiziert. Diese Improvisation folgt einer Erzählhaltung. Und: Benning verzichtet darauf, durch Reizüberflutung zu betören. Im Gegenteil. Die einzelnen Klangschichten bleiben stets erkennbar, so verzwickt die Einzelereignisse auch sind. Eine Virtuosität, die es nicht scheut, nachvollziehbar zu sein.

Welch persönlich bedeutsamer Abend dieses Konzert für Christian Benning ist, zeigt sich nach der Pause, als seine Kollegen vom Munich Percussion Ensemble und weitere Instrumentalisten (mit Geigen, Kontrabass, Saxofon sowie am Klavier) auf und vor der Bühne Platz genommen haben: Es ist sein 18. Geburtstag, und plötzlich heben alle Musiker zu einem Ständchen an, das schließlich aus mehreren hundert Kehlen erschallt. Benning ist sichtlich bewegt. Die zweite Konzerthälfte ist dem Ensemble-Spiel gewidmet, was sich vor der Pause insbesondere bei Chick Coreas heißblütigem Stück "Spain" für Percussion-Band bereits ankündigte. Hochschullehrer Adel Shalaby übernimmt die Leitung. Er stammt aus Ägypten, wo er mit seinen Studenten demnächst wieder gastiert. Insofern ist es schlüssig, dass die Darbietungen nun einen orientalisch interkulturellen Charakterzug bekommen, gerade bei Werken wie "Egyptian Overture" des vorherrschend auf dem Programm stehenden Komponisten Omar Khairat.

Diese stilistische Offenheit haben die Schlagzeugstudenten sicher so manch anderem Instrumentalkollegen voraus, denn einen klassisch-abendländischen Werkekanon wie für das Klavier oder die Geige gibt es für das Schlagzeug praktisch nicht. Benning gliedert sich mit Freude ins Ensemble ein, spielt auch dann mit Hingabe, wenn er mal nur eine einfache Rahmentrommel bedient. Wie eng in diesen Kompositionen die verschiedenen Instrumente ineinandergreifen, ist ungemein spannend. Und so erlebt man anlässlich des Geburtstags eines jungen Dachauers im Renaissance-Festsaal eine schillernde, großartige Weltmusik.

© SZ vom 02.12.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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