Christbaum-Plantage in Markt-Indersdorf:Wasserkampf um Weihnachtsbäume

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Christbaum-Plantage in Markt-Indersdorf: In Oberweilbach betreibt Christbaumzüchter Stefan Spennesberger schon einen Tannenwald mit Speicherbecken. Nun will er eine weitere Plantage in Hörgenbach anlegen, Becken inklusive.

In Oberweilbach betreibt Christbaumzüchter Stefan Spennesberger schon einen Tannenwald mit Speicherbecken. Nun will er eine weitere Plantage in Hörgenbach anlegen, Becken inklusive.

(Foto: Toni Heigl)

Darf ein Christbaumzüchter seine Plantage in Hörgenbach erweitern und Wasser aus der Glonn in einem Becken speichern? Der Indersdorfer Gemeinderat läuft dagegen Sturm - jedoch ohne Zuständigkeit. Dabei hat Stefan Spennesberger seine Tannen heuer nie gegossen. Über den aufgeheizten Kampf um ein knappes Gut.

Von Jessica Schober, Markt Indersdorf

Es gibt Momente, in denen wird Stefan Spennesberger ziemlich hitzig, wenn es um das kühle Nass auf seinen Wiesen und die grünen Tannen in seinen Wäldern geht. Er redet sich dann in Rage und fühlt sich unverstanden von seiner Gemeinde, seinen Nachbarn, ein "Kasperltheater" nennt er die vergangene Gemeinderatssitzung. Der Grund seiner Wut: Der Indersdorfer Gemeinderat will Spennesbergers neue Christbaumplantage und das dazu gehörige Wasserspeicherbecken verhindern und beriet nun über die Genehmigung seiner Wasserleitungen. Dabei entscheiden nicht die Lokalpolitiker, sondern das Landratsamt, ob Spennesberger erweitern darf. Bürgermeister Franz Obesser (CSU) fasst die Stimmung so zusammen: "Der Gemeinderat befürwortet dieses Projekt nicht. Das Thema Wasser wird sehr kritisch gesehen."

Drei Christbaumplantagen betreibt Spennesberger im Landkreis, auch in Oberweilbach und Petershausen. Nun will er drei weitere seiner Äcker in Hörgenbach in Waldflächen umwandeln und ein Speicherbecken für rund 36 000 Kubikliter Wasser errichten. Durch das Becken werde eine Fläche von rund 16 274 Quadratmetern überbaut, so das Wasserwirtschaftsamt München. Das benötigte Wasser soll als Sickerwasser aus bestehenden Drainagen und aus einem neuen Uferfiltratbrunnen nahe der Glonn fließen. Wenn die Glonn mehr Wasser als gewöhnlich führt, will Spennesberger Wasser aus dem Fluss entnehmen, um sein Speicherbecken für das Frühjahr zu füllen.

"Keinen einzigen Tropfen Wasser entnommen"

Wozu der Weihnachtsbaumzüchter dieses Becken braucht? Jedenfalls nicht zum Gießen der Pflanzen, sagt er. "Ich habe heuer keinen einzigen Tropfen Wasser aus meinem Becken oder aus der Glonn entnommen", sagt Spennesberger. Die Bäume hätten Fallwurzeln, die mehr als einen Meter tief in die Erde reichten und sich selbst mit Wasser versorgten. Das Speicherbecken benötige er ausschließlich zum Frostschutz im Frühjahr. Die ersten frischen Triebe seien besonders empfindlich. Ein einziger Frost könne sie ruinieren. Dieses Problem kennen auch Winzer oder Obstbauern, die ihre Früchte mit einer Frostschutzberegnung schützen. Dafür besprühen sie die Pflanzen mit Wasser, das Eis bildet eine schützende Schicht um die Jungtriebe. Spennesberger musste das in den vergangenen zwei Jahren nicht tun. Dennoch brauche er das Wasserspeicherbecken, wie er sagt, für diese wenigen Tage im Frühjahr als Vorbehalt.

Was Bürgermeister Obesser und den Gemeinderat besonders stört, ist, dass Spennesberger das Wasser für sein Speicherbecken auch aus der Glonn entnehmen will. Obesser sagt: "Nach diesem Hitzesommer haben wir alle gesehen, dass Wasser unser höchstes Gut ist. Darf ich dann eine Kartoffel bewässern oder den Christbaum? Da kommen wir in schwierige Diskussionen." Auch Gemeindegeschäftsleiter Klaus Mayershofer fragt sich, "ob es nicht auch ein Plastikweihnachtsbaum oder eine Tanne aus Dänemark tue". Spennesbergers Gegner haben indes auch eigene Interessen. Der EHW-Gemeinderat Florian Ebner aus Hörgenbach sagt: "Ich möchte neben keiner Christbaumkultur wohnen, das ist mein größter Albtraum." Das Grundstück des Nebenerwerblandwirts schließt unmittelbar an Spennesberger Gelände an. "Andere Christbaumzüchter brauchen ja auch kein Wasserspeicherbecken", meint Ebner, der Bodenverwerfungen auf seinem eigenen Grundstück fürchtet. Außerdem stört ihn der Zaun, der die Plantage umgibt. "Eingezäunt komme ich mir vor wie im Gefängnis und es kann auch kein Wildwechsel mehr stattfinden." Mit dem geplanten Speicherbecken werde eine große Fläche versiegelt, wodurch der Glonn weiteres Wasser vorenthalten werden. "Das ist eine Sauerei", sagt Ebner.

Viele Vögel nisten in den Tannen

Wenn Spennesberger solche Argumente hört, kann er nur den Kopf schütteln. Anfang des Jahres hat er den Gemeinderat mitsamt Bürgermeister auf sein Gelände eingeladen, um ihnen seine Pläne zu erklären. Die Plantage müsse umzäunt sein, um die Bäume vor Verbiss zu schützen, das stimme. Gleichwohl gebe es in der Tannenplantage rege Biodiversität. "Jedes Jahr vor Weihnachten sammeln wir zahlreiche leere Vogelnester aus den Bäumen, hier sind viele Tiere unterwegs." Überhaupt hätten seine Tannen keine schlechtere Umweltbilanz als Getreide, und die Nachfrage sei hoch.

Bei der Abstimmung in der Gemeinderatsitzung war Ebner nun einer von zwei Kommunalpolitikern, die ihre Zustimmung zu der Wasserleitung verweigerten. Streng genommen, so erklärt es Geschäftsleiter Klaus Mayershofer, hat der Gemeinderat jedoch keine Handhabe, eine Wasserleitung zu verhindern, nur weil ihm das Gewerbe des Antragstellers nicht passe. "Das ist ein bisschen so, als würden man einem Gewerbetreibenden eine Telefonleitung verbieten, weil einem nicht gefällt, was da gesprochen wird", sagt auch Jochen Wittfoth. Der Geologe aus Aichach hat für Spennesberger ein Gutachten erstellt. Über die vergangenen fünf Jahre hat er die Werte studiert, wann die Glonn wie viel Wasser führte. Laut Wasserwirtschaftsamt darf Spennesberger nur Wasser aus der Glonn entnehmen, wenn diese Hochwasser führt. Genau beziffert wird dieser Schwellwert an der Messstelle in Hohenkammer. "Wenn Herr Spennesberger Wasser aus der Glonn entnimmt, fließen mindestens 1600 Liter Wasser in der Sekunde in Hörgenbach ab, während des Hochwassers im Regelfall aber deutlich mehr." Es könne also keineswegs die Rede davon sein, dass das langsame Auffüllen des Speicherbeckens in Hochwasserzeiten die Trockenheit im Sommer begünstige. Wittfoth hat ausgerechnet, dass der Christbaumzüchter 30 Liter pro Sekunde entnehmen darf, "das sind 1,9 Prozent des Abflusses am Mittelwasserstand, während des Hochwassers meist weniger als ein Prozent des Wassers in der Glonn".

Speicherbecken soll nicht so dominant wirken

Bürgermeister Obesser ist diese Hochwasserberechnung zu wackelig. Er wünscht sich eine "bauliche Absicherung durch eine Art Überlaufbecken", damit der Christbaumzüchter nicht doch zu viel Wasser aus der Glonn entnehmen kann. Außerdem solle das Speicherbecken tiefer eingegraben werden, damit "es auf der Anhöhe nicht so dominant in der Landschaft" wirke. Doch auch Obesser räumt ein: Letztlich müssen die Fachbehörden beim Landratsamt entscheiden. Beteiligt sind dort unter anderem die Abteilungen für Naturschutz, Wasserrecht und das Bauamt, sowie das Wasserwirtschaftsamt München und das Forstamt, teilt Sprecherin Sina Török mit. Die Position der Marktgemeinde werde bei der Gesamtabwägung berücksichtigt. Die Gemeinderäte könnten aber ein ansonsten zulässiges Bauvorhaben nicht verhindern.

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