Chorprojekt mit Schülern:Eine musikalische Weltreise

Friedenskirche

Die Chorklassen des Gymnasiums Markt Indersdorf zeigen in der Friedenskirche, was sie können - und das ist eine ganze Menge.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Chorklassen des Gymnasiums Markt Indersdorf und "A Cappella Bavarese" geben ein beeindruckend vielseitiges Konzert

Von Stephanie Noll, Dachau/Markt Indersdorf

Eine Zeile des berühmten Songs "Hallelujah" von Leonard Cohen lautet: "But you don't really care for music, do you?" Am Samstagabend war die Friedenskirche in Dachau gut gefüllt mit Besuchern, auf die diese Aussage genau nicht zutrifft. Dort fand das gemeinsame Chorkonzert der Chorklassen sechs und sieben und des Vokalensembles der Oberstufe vom Gymnasium Markt Indersdorf mit A Cappella Bavarese statt.

Es ist ein ungewöhnliches Projekt: A Cappella Bavarese ist ein Chor mit etwa 60 Mitgliedern, der überwiegend aus Lehrern verschiedener Schulen besteht. Viermal im Jahr treffen sie sich zu einem Chorwochenende in Bayern und geben mit einem ortsansässigen Ensemble ein Konzert. An diesem Wochenende waren es die Schüler des Gymnasiums Markt Indersdorf unter Leitung von Tanja Wawra. Die Chorklassen eröffneten das Konzert mit einem hebräischen Stück, dem Hohelied Salomos. Danach folgte das Lied, das man schon oft gehört hat, aber wohl niemals müde wird, zu hören: "Hallelujah". Zweimal wird es an diesem Abend gesungen, sowohl von den Chorklassen mit Klavierbegleitung als auch später vom Lehrerchor a cappella. Beide Versionen verfehlen ihre Wirkung nicht, schon nach der ersten Strophe ist man als Zuhörer tief berührt. Die Organisation des Chorkonzertes hatte Gabriele Dörfler übernommen, die ehemalige Leiterin der Grundschule Dachau Ost ist selbst Gründungsmitglied von "A Cappella Bavarese" und war sichtlich begeistert, dass das Projekt zustande gekommen ist und so viele Zuhörer erschienen sind. Auch beim ersten Titel "Words" von Anders Edenroth, den der Chor unter der Leitung von Professor Reinhold Wirsching darbot, war Gabriele Dörfler mit dabei.

Danach ließ "A Cappella Bavarese" das Publikum an einer Art musikalischen Weltreise teilhaben. "Sie können sich zurücklehnen, wir übernehmen die Kosten für Sie", meinte Wirsching augenzwinkernd. Von Schweden ging es über nach Haiti bis nach Südafrika. Sogar einen traditionellen Zulu-Song hatten die Chorsänger im Repertoire, und dank des Einsatzes von Rasseln, Klanghölzern und einer Trommel kam der "African Spirit" auch in der Dachauer Friedenskirche an. Die Lebendigkeit und Energie übertrug sich auf das Publikum und sorgte für eine schöne Atmosphäre.

Auch das Vokalensemble des Gymnasiums Markt Indersdorf, bestehend aus Schülern der 11. und 12. Jahrgangsstufe, hatte einen Auftritt, den es mit dem Spiritual "Wade in the Water" eröffnete. Das Lied bezieht sich auf Texte sowohl aus dem Neuen wie auch aus dem Alten Testament und bezieht sich vor allem auf den Auszug der Israeliten aus Ägypten, der im Buch Exodus beschrieben wird. Im 19. Jahrhunderte diente es Sklaven zur Verständigung untereinander, um ihre Flucht zu organisieren. In eine ganze andere Richtung ging es mit dem Song "It's raining Men". Zwei Jungs des Vokalensembles hatten sich über eine passende Ankündigung des Titels Gedanken gemacht: "Alle Single-Ladies sollten jetzt ihre Regenschirme bereithalten, denn es kommt nun zu einem ungewöhnlichen Wetterphänomen . . ." Und sie hatten nicht zu viel versprochen, denn die gesangliche Darbietung kam bei den Zuhörern hervorragend an.

Die Chormitglieder begnügten sich nicht nur mit Singen, sondern boten sogar die dazu passende Choreografie. Den Spaß, den sie bei dem Auftritt hatten, übertrugen sie auf das Publikum, das das Engagement mit begeistertem Applaus würdigte. Etwas ruhiger ging es dann bei dem vom Unterstufenchor vorgetragenen Titel "I have a dream" zu.

Insgesamt bot der Abend eine gute musikalische Mischung, sowohl von den Gesangsstücken als auch von den abwechselnden Auftritten der Chöre. Vor allem die Nachwuchssänger zogen das Publikum in ihren Bann, und so konnte man mit "Hallelujah" im Ohr und dem Wissen, an diesem Abend nicht nur in Dachau, sondern auch in anderen Teilen dieser Welt unterwegs gewesen zu sein, beschwingt wieder nach Hause gehen.

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