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Camping-Spezialist verlässt Karlsfeld:Das Ende der Ära Berger

Die Fritz Berger GmbH zieht nach Bergkirchen. Bündnis-Sprecherin Mechthild Hofner spricht von einem Skandal: Der Bürgermeister habe sich zu wenig für das Unternehmen eingesetzt.

Karlsfeld - Die Fritz Berger GmbH verlässt Karlsfeld und zieht auf das Gada-Gelände nach Bergkirchen. Die Filiale des europaweit führenden Camping- und Freizeitspezialisten in der Rothschwaige schließt Mitte September. Auf dem Areal am Schwaigerbachweiher entstehen nun Wohnhäuser.

Räumungsverkauf beim Traditionsunternehmen Sport Berger in Karlsfeld.

(Foto: DAH)

Schon im Juli hat Mechthild Hofner, Sprecherin der Bündnis-Fraktion im Gemeinderat, wegen der Absiedelung schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) erhoben. Während der Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause sprach sie von einem "Skandal" und von Versäumnissen Kolbes: "Ich muss Ihnen vorwerfen, nicht genügend getan zu haben, um den Betrieb zu halten,", sagte die Gemeinderätin. "Das ist eine ausgesprochene Frechheit", konterte Kolbe. "Zaubern sie mir doch eine Halle mit 1000 Quadratmetern."

Hofner hat nun ihre Vorwürfe in einer Pressemitteilung des Bündnis für Karlsfeld erneuert. Sie hält dem Bürgermeister mangelnden Einsatz für das Unternehmen vor. Seit drei Jahren wisse man davon, dass die Fritz Berger GmbH einen neuen Standort benötige, da das jetzige Areal in der Rothschwaige vom Mischgebiet in ein reines Wohngebiet umgewandelt und mit einem Bebauungsplan überplant worden sei. "In den letzten zwei Jahren ist von Seiten des Bürgermeisters nichts unternommen worden, um zusammen mit dem Unternehmen einen geeigneten Ersatzstandort innerhalb der Gemeinde zu finden.", schreibt Hofner. Gerade dieser Betrieb habe Karlsfeld überregional bekannt gemacht. Der Name des Unternehmens, der als Familienbetrieb Sport Berger schon seit 1928 in der Rothschwaige angesiedelt war, sei in ganz Oberbayern eng mit Karlsfeld verbunden. 1997 wurde das Traditionsunternehmen von der international tätigen Fritz Berger GmbH gekauft - der Standort blieb erhalten. "Nach so langer Zeit hätte man alles tun müssen, um diesen traditionsreichen mittelständischen Betrieb in Karlsfeld zu halten", teilt die Bündnissprecherin mit.

Erst vor kurzem habe Stefan Kolbe erklärt, Ziel der Karlsfelder Wirtschaftspolitik müsse es sein, Unternehmen anzusiedeln, die den Namen der Gemeinde nach außen hin positiv vertreten. "Mit der Absiedelung von Fritz Berger verlieren wir einen Betrieb, der genau das seit vielen Jahrzehnten gemacht hat", erklärt Hofner in ihrer Mitteilung. "Was nützt da die Ausweisung von neuen Gewerbeflächen, wenn es das Rathaus nicht einmal schafft, ansässige Mittelstandsbetriebe in der Gemeinde zu halten?", fragt sie. Nun freue sich die Gemeinde Bergkirchen über einen zuverlässigen Gewerbesteuerzahler.

Stefan Kolbe wollte Hofners Vorhaltungen nicht noch einmal kommentieren. "Mehr als ich damals gesagt habe, gibt es nicht zu sagen." Er hake die Vorwürfe als "nicht zielführende Wichtigtuerei" ab. Kolbe hatte während der Sitzung Ende Juli breite Unterstützung von CSU-Gemeinderäten erhalten. Holger Linde forderte Mechthild Hofner auf, "die Tassen im Schrank zu lassen". Außerdem werde das ehemalige Sport-Berger-Gelände doch gut bewirtschaftet. Parteikollege Wolfgang Mühlich bezeichnete Hofners Anschuldigungen "als Frechheit und de facto falsche Aussage". Die Fritz Berger GmbH hat sich auf Nachfrage nicht zu ihrem Umzug geäußert. Die sechs Arbeitsplätze sollen dem Vernehmen nach erhalten bleiben.